Brötchentütenaktion: Neues Angebot im Mittelpunkt

Häusliche Gewalt: Hilfe auch für Täter

Mit den Info-Brötchentüten: Die Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten mit Holger Arntjen (5. von rechts) von der neuen Täterberatung bei häuslicher Gewalt und Chris Delekat, 2. stellvertretender Obermeister der Bäckerinnung Diepholz-Nienburg, die die Aktion zum 14. Mal unterstützt.
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Mit den Info-Brötchentüten: Die Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten mit Holger Arntjen (5. von rechts) von der neuen Täterberatung bei häuslicher Gewalt und Chris Delekat, 2. stellvertretender Obermeister der Bäckerinnung Diepholz-Nienburg, die die Aktion zum 14. Mal unterstützt.

Diepholz – Gewalt – auch gegen den Partner – kommt nicht aus dem Nichts. „Gewalttätiges Handeln ist ein erlerntes Verhalten und kann folglich auch verändert werden“, sagt Christina Runge, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Diepholz. Hier setzt die neue Täterberatung „Häusliche Gewalt“ an. Seit dem 1. Oktober gibt es im Landkreis Diepholz dieses Angebot für Männer, die häusliche Gewalt ausüben und das nicht mehr wollen. Das neue Projekt, das der Kreistag zunächst für drei Jahre mit jeweils 20 000 Euro unterstützt, steht in diesem Jahr im Mittelpunkt der kreisweiten Brötchentütenaktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte“.

Bereits zum 14. Mal organisiert die Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten in Kooperation mit der Bäckerinnung Diepholz-Nienburg diese Aktion zum 25. November, dem „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“. Dann verkaufen 32 Bäckereien mit insgesamt 91 Filialen ihre Brötchen in den Tüten mit Standpunkten von Personen aus dem Landkreis und Informationen zu Hilfseinrichtungen für Opfer häuslicher Gewalt. Da die Tüten jeweils für zwei Jahre gedruckt werden, fehlen die Informationen zur neuen Täterberatung noch. Diese gibt es auf Visitenkarten, die die Bäckereien mit den Tüten ausgeben.

50-Stunden-Trainingskurs

Männer, die in ihrer Familie nicht mehr gewalttätig sein wollen, können einen Trainingskurs absolvieren, der kein Zuckerschlecken ist. Er dauert mindestens 50 Stunden in 25 Sitzungen. In dieser relativ langen Zeitspanne setzen sich die Teilnehmer zunächst mit ihrer eigenen Biografie auseinander, da sich hier oft Ursachen für ihr aggressives Verhalten finden lassen. Das ist dann keine Entschuldigung, sondern dient als Erklärung und Ansatzpunkt für notwendige Veränderungsprozesse. In der bis zu zehn Teilnehmer großen Gruppe werden die Täter aktiv und realitätsnah mit ihren Taten und deren Auswirkungen konfrontiert. Sie erarbeiten sich ein „Frühwarnsystem“, um zukünftig Kontrollverluste verhindern zu können.

„Die Teilnehmer müssen bereit dazu sein, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen“, erklärt Holger Arntjen, der neben Detlev Beaury Trainer des neuen Angebotes ist, am Dienstag im Diepholzer Kreishaus bei der Vorstellung des Projektes durch die Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten.

Hier gibt es Beratung für Täter und Opfer

Weitere Informationen zur neuen Täterberatung „Häusliche Gewalt“ im Landkreis Diepholz gibt es im Internet unter www.kontaktev.de/taeterarbeit sowie unter Tel. 04242/50074 (Syke), Mobil 0172/5442393, E-Mail: thg@kontaktev-dh.de. Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, können sich wenden an: Netzwerk gegen häusliche Gewalt im Landkreis Diepholz, Tel. 05441/1373, www.frauenhaus-diepholz.de; Beratungsstelle für Frauen und Mädchen in Bruchhausen-Vilsen, Tel. 04252/391116; Polizeiinspektion Diepholz, Tel. 05441/9710 (m Notfall: 110); Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ 08000 116 016 (anonym, mehrsprachig, kostenfrei).

Arntjen ist im Landkreis Diepholz über den Verein Kontakt kein Unbekannter. Dieser Verein hat sozialpädagogische Angebote der Jugendhilfe für junge Straffällige und damit viel Erfahrung. Bausteine dieser Angebote sind auf die Beratung älterer Täter übertragbar.

Wer an der Täterberatung teilnehmen möchte, muss nicht nur dazu bereit sein, sondern weitere Voraussetzungen erfüllen. Ausschlusskriterien sind, wenn die Gewalttaten gegen Partnerin und/oder Kinder im Drogenrausch geschehen, wenn die Männer psychisch krank oder alkoholabhängig sind. Dann gibt es andere Formen der Hilfe. Auch müssen sie die deutsche Sprache beherrschen.

Seit dem Start des Projekts am 1. Oktober gab es laut Holger Arntjen zwei Vorgespräche mit potenziellen Teilnehmern. Insgesamt sechs wären in Frage gekommen, doch vier fielen aus unterschiedlichen Gründen raus beziehungsweise erschienen nicht. „Die Teilnahme ist freiwillig“, betont der Trainer. Sie könne aber auch zum Beispiel Teil von Bewährungsauflagen sein.

371 Polizeieinsätze im Jahr 2020

Häusliche Gewalt ist im Landkreis Diepholz nicht selten. „Im Jahr 2020 gab es 371 Polizeieinsätze deswegen“, berichtet Gleichstellungsbeauftragte Christina Runge. In etwa zehn Prozent seien Frauen der gewalttätige Teil der Beziehung. Die Täterberatung ist auf Männer beschränkt.

Durch die Polizei bei ihren Einsätzen und andere Institutionen werden sowohl Opfer als auch die männlichen Täter über Hilfsangebote informiert. Christina Runge für die Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten: „Unser Ziel ist, dass sich dieser Baustein im Kampf gegen Häusliche Gewalt nachhaltig etabliert und es die Täterberatung im Landkreis Diepholz über die drei Jahre hinaus gibt.“

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