Grüne Wälder auf dem Acker

Mais ist mit großem Abstand die beliebteste Feldfrucht im Landkreis Diepholz. Er wächst auf einer Fläche von umgerechnet etwa 23 267 Fußballfeldern.
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Mais ist mit großem Abstand die beliebteste Feldfrucht im Landkreis Diepholz. Er wächst auf einer Fläche von umgerechnet etwa 23 267 Fußballfeldern.

Mais macht als Silage nicht nur Rinder und Milchkühe satt. Aus dieser Getreideart entsteht in Biogasanlagen auch Energie. In nur 14 Jahren hat sich die Anbaufläche dieser Pflanze im Landkreis Diepholz fast verdreifacht.

Landkreis Diepholz – Noch ist er nicht erntereif. Aber längst stehen Maispflanzen – dicht an dicht – wie grüne Wälder auf den Ackerflächen im Landkreis Diepholz. Bei den Ackerbauern ist Mais die Anbaufrucht Nummer eins. Immerhin lässt sie sich mehrfach nutzen – zum einen als Silage in der Nutztierfütterung, insbesondere bei Milch- und Rindvieh, und zum anderen für die Energiegewinnung.

Das erklärt, warum sich die Anbaufläche im Landkreis Diepholz seit 2005 fast verdreifacht hat. Vor 15 Jahren wuchs auf 13,24 Prozent der gesamten Anbaufläche Silomais – exakt auf 13 986 Hektar. Im Anbaujahr 2019 bestellten die Ackerbauern sage und schreibe 32,3 Prozent der Gesamtfläche mit dieser Feldfrucht – 33 239 Hektar, das entspricht etwa 23 267 Fußballfeldern.

Die meisten Silomaisflächen liegen laut Statistik der Landwirtschaftskammer in der Gemeinde Wagenfeld, die es bei einer Fläche von fast 118 Quadratkilometern auf 2 537 Hektar Silomais bringt. In der Samtgemeinde Kirchdorf, knapp 180 Quadratkilometer groß, sind 2 449 Hektar mit dieser Nutzpflanze bestellt. Auf Rang drei folgt die Stadt Sulingen (110,6 Quadratkilometer groß) mit 2 203 Hektar Silomais.

Die wenigsten grünen Wälder auf dem Acker hat die Samtgemeinde Altes Amt Lemförde (6,95 Quadratkilometer Gebietsfläche mit dem Dümmersee darin). Dort sind es lediglich 7 Hektar Mais.

Henrich Meyer zu Vilsendorf, Leiter der Landwirtschaftskammer-Bezirksstelle in Nienburg, erwartet noch eine leichte Zunahme der Anbauzahlen – gerade mit Blick auf extreme Witterungslagen, sprich Sommer mit hohen Temperaturen und wenig Regen. „Der Mais kann das gut vertragen“, erläutert der Landwirtschaftsexperte die Genügsamkeit dieser Feldfrucht. Kein Wunder: Das Getreide stammt ursprünglich aus Mexiko.

Weiterer Vorteil: Mais lässt sich als Viehfutter gut konservieren – als Silage. Trotzdem hatten Landwirte 2018 mit Futterknappheit zu kämpfen. Grund dafür waren witterungsbedingte Ernteausfälle. Auch diese Erfahrung könnte dazu führen, dass der Maisanbau im Kreis Diepholz noch einmal steigt.

Wandert Mais als Silage in die Tröge von Kühen und Rindern, so können seine Körner das Futter für Schweine und Geflügel bereichern. Von seinem Nutzen als Energiepflanze ganz zu schweigen. „Wegen seines speziellen Stoffwechsels verarbeitet Mais besonders viel CO2 über die Fotosynthese zu Biomasse. Das geschieht sehr effizient. Dabei wird zudem wertvoller Sauerstoff an die Umwelt abgegeben. Diese Prozesse finden in einem natürlichen Kreislauf statt“, wirbt die Fachzeitschrift „agrarheute“ für Mais als Energiepflanze.

Landwirte im Landkreis Diepholz haben das längst umgesetzt. 118 Biogas-Anlagen produzieren laut Kreisverwaltung in diesem Lebensraum Energie, zwei weitere sind beantragt. Drei Anlagen verwandeln ausschließlich Gülle und Mist in Energie.

In Deutschland gibt es rund 9 000 Biogas-Anlagen, die nach Auskunft des Bundesverbands Bioenergie 8,5 Prozent des Strom-, 11,3 Prozent des Wärme- und 4,6 Prozent des Kraftstoffbedarfs in der Bundesrepublik abdecken. Das klassische „Futter“ für diese Anlagen ist der Mais, auch wenn mittlerweile bereits ein Anteil anderer Pflanzen mit verwertet werden kann.

Nicht nur das: „In vielen Anlagen werden Mist und Gülle mitverarbeitet“, beschreibt Henrich Meyer zu Vilsendorf den Status quo im Landkreis Diepholz. Die Wirtschaftlichkeit der Anlagen hänge natürlich von der Förderung über das erneuerbare Energiengesetz (EEG) ab. In jedem Fall sei es sinnvoll, diese Form der Energiegewinnung beizubehalten: „Bei der Stromerzeugung sind die Anlagen technisch optimiert und perfekter geworden.“

Naturfreunde jedoch befürchten eine Vermaisung der Landschaft. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer hatte Mais als Rohstoff für Biogasanlagen schon vor drei Jahren mehr als kritisch gesehen, ein weiterer Ausbau sei ökologisch nicht zu vertreten.

Die Landwirtschaftskammer warb damals schon für Blühstreifen rund um die Maisfelder. Bereits 2013 hatte sie Feldversuche gestartet, unter anderem in Eydelstedt und Borwede. Doch die leuchtenden Sonnenblumen rund um die grünen Wälder sind mittlerweile so gut wie verschwunden. Das hat seinen Grund: Ökologisch sei es wesentlich sinnvoller, in geeigneten Bereichen Blühflächen zu schaffen, so Henrich Meyer zu Vilsendorf. Genau die würden Landwirte auch anlegen – sowohl freiwillig als auch über die EU gefördert.

Bundesweit gibt es mittlerweile auch Versuche mit Mischkulturen – wie beispielsweise Mais mit Stangen- oder Ackerbohnen sowie Sonnenblumen durchsetzt.

Von Anke Seidel

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