Bahn will verkaufen

Bahntrassen des Sulinger Kreuzes: Große Sorge um Streckenverkauf

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Völlig verwachsen sind diese Schienen in der Nähe des Bassumer Bahnhofs. Darauf fuhren einst die Züge bis zum Sulinger Kreuz – und von dort weiter bis nach Rahden.

4 360 Unterschriften für den Erhalt der Bahnstrecken des Sulinger Kreuzes hatte das Aktionsbündnis Eisenbahnstrecke Bassum-Bünde (AEBB) an Wirtschaftsminister Bernd Althusmann übergeben.

Landkreis Diepholz – Jetzt, acht Monate später, sind die Eisenbahnfreunde in großer Sorge: An zwei Streckenabschnitten sollen Teile an private Investoren verkauft werden. 

„Fiebern Sie mit und ersteigern Sie Ihre Wunsch-Immobilie“, fordert die DB Immobilien im Auftrag der Deutschen Bahn Investoren auf. Sie verkauft Liegenschaften, die nicht mehr für den Bahnbetrieb notwendig sind. Und sie will, so hat der CDU-Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig erfahren, auch Teile der Streckenabschnitte Bassum-Sulingen-Ströhen und Staffhorst-Nienburg veräußern – per Auktion.

Aktionsbündnis sieht Wiederbelebung in weiter Ferne

„Das ist äußerst befremdlich“, sagt Knoerig. Er sieht aber keine direkten Einflussmöglichkeiten, um das Prozedere zu stoppen. Die Deutsche Bahn sei zwar ein Konzern des Bundes, agiere als AG aber völlig selbstständig.

Die Mitglieder des Aktionsbündnisses Eisenbahnstrecke Bassum-Bünde (AEBB) sind in großer Sorge: Der Verkauf weiterer Grundstücke auf der Strecke würde für ihr Projekt, den Erhalt und die Wiederbelebung der Bahnstrecken des Sulinger Kreuzes, einen herben Rückschlag bedeuten. 

Dabei hatten sie erst vor acht Monaten 4 360 Unterstützer-Unterschriften an Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann übergeben. Ihn bittet das Aktionsbündnis jetzt um Unterstützung dafür, dass diese Verkaufspraxis gestoppt wird: „Ein derartiger Umgang mit unserer wertvollen Infrastruktur läuft allen Bemühungen zuwider, ländliche Bereiche zukünftig auch verkehrlich zu stärken“, so Detlev Block als Vorsitzender des Aktionsbündnisses.

Streckenabschnitt Bassum-Rahden muss erhalten bleiben

Block betont, dass der Streckenabschnitt Bassum-Rahden nach den Statuten des Landesraumordnungsprogramms für den Hinterlandverkehr zu erhalten ist. Im Klartext: Sie darf nicht zerstört werden. Axel Knoerig weiß, dass die DB dem Rechnung trägt: „In allen Kaufverträgen steht der Hinweis, dass die Strecke wiederbelebt werden könnte.“

Das scheint private Investoren nicht zu schrecken. Er wisse auf dem genannten Streckenabschnitt von mehreren verkauften Grundstücken, so Knoerig. In einem Brief an Landrat Cord Bockhop, der dieser Zeitung vorliegt, listet Knoerig die drei Strecken auf, die nach seinem Kenntnisstand nun von der DB verkauft werden sollen: Strecke 1744 (Staffhorst-Marklohe), für den es offenbar Kaufverhandlungen mit der Gemeinde Marklohe gibt. Bereits verkauft sind auf diesen Abschnitt Grundstücke zwischen Sulingen über Siedenburg bis nach Staffhorst.

Veräußern möchte die DB auch Areale der Strecke 2982 (Bassum-Sulingen), der Verkauf ist demnach Ende des Jahres vorgesehen. Ebenso geht es um die Strecke 2982 im Abschnitt Varrel-Dörrieloh-Ströhen, deren Veräußerung offenbar Mitte 2020 geplant ist.

Bahn: Hoffnung auf gute Verhandlungen mit Gemeinde Marklohe

Axel Knoerig hat erfahren, dass nur die beiden letztgenannten Streckenabschnitte versteigert werden sollen. Das lässt den Schluss zu, dass die DB auf ein gutes Verhandlungsergebnis mit der Gemeinde Marklohe hofft.

Und die betroffenen Städte und Gemeinden im Landkreis Diepholz? Mit ihnen hat es nach Auskunft des Bundestagsabgeordneten bereits Gespräche gegeben. Aber deren Neigung, die Streckenabschnitte als Kommunen zu kaufen, sei bisher nicht besonders groß gewesen: „Sie befürchten Altlasten“, sagt Knoerig. Trotzdem gilt für ihn die Maxime: „Die Infrastruktur des Schienennetzes gehört in die kommunale Hand.“

Landrat Cord Bockhop hat mittlerweile zu einer Gesprächsrunde mit Kommunalvertretern eingeladen. Für ihn gilt der Grundsatz: „Infrastrukturen, die Monopolsituationen darstellen, gehören nicht in private Hände.“ Aber Kommunen könnten das Risiko, Strecken mit Altlasten zu kaufen, nicht eingehen. Aufgabe des Bundes müsste es sein, „die Trassen nicht zu verscherbeln, sondern sie zu erhalten.“

Dafür müsse eine Lösung gefunden werden, so Bockhop. Die Deutsche Bahn AG gehöre zu 100 Prozent dem Bund, er könne sich aus dieser Thematik nicht heraushalten.

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