Wirksamkeit der AHA-Regeln

Seit Corona gibt es kaum noch registrierte Grippefälle

Mit Schnupfen sollte man besser zu Hause bleiben. Aber zuletzt mussten sich weniger Menschen als sonst wegen einer Erkältung schneuzen.
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Mit Schnupfen sollte man besser zu Hause bleiben. Aber zuletzt mussten sich weniger Menschen als sonst wegen einer Erkältung schneuzen.

Abstand, Hygiene, Alltagsmaske – die AHA-Regeln sollen Covid-19 bremsen. Aber sie machen es auch anderen Erregern schwerer, sich zu verbreiten. Auch Magen-Darm-Erkrankungen sind dafür ein Beispiel.

Landkreis Diepholz – Brechdurchfall kann von Noroviren ausgelöst werden – für Kinder und Senioren durchaus gefährlich. Zur Vorbeugung gegen das hochansteckenden Virus empfehlen Mediziner gründliches Händewaschen und Desinfektion. Also Vorkehrungen, auf die viele seit Corona viel stärker achten als vorher.

Kliniken Landkreis Diepholz bestätigen deutlichen Rückgang von Infektionskrankheiten

Zahlen der Gesundheitsämter deuten darauf hin, dass die Corona-Regeln tatsächlich gegen andere Infektionskrankheiten wirken. Dieser Effekt ist auch im Landkreis Diepholz spürbar. Magen-Darm-Infekte, Bronchitis und Lungenentzündungen seien beispielsweise im Vergleich zu 2019 „deutlich zurückgegangen“, bestätigt Sprecherin Jana Buning für die Kliniken Landkreis Diepholz.

Dass etwa Magen-Darm-Erkrankungen seltener geworden sind, hat auch Dr. Christoph Lanzendörfer beobachtet. Der Bassumer Arzt bezweifelt aber, dass die Rückgänge allein auf die Hygiene-Regeln zurückzuführen sind: „Es liegt an etwas anderem.“ Nämlich daran, dass Corona so stark im Vordergrund sehe. Der Mediziner nennt als Beispiel einen Patienten mit Herz-Kreislauf-Problemen. Dessen erste Frage sei gewesen: „Habe ich Corona?“

Niedersächsisches Landesgesundheitsamt vermutet Hygiene-Maßnahmen als Grund

Beim niedersächsischen Landesgesundheitsamt wurden seit Corona andere Infektionskrankheiten viel seltener verzeichnet. Der Effekt sei besonders ausgeprägt bei Krankheiten, die sich ähnlich übertrügen, also bei Atemwegserkrankungen, berichtet Sprecher Mike Wonsikiewicz. Aber werden andere Krankheiten und Corona-Vorzeichen womöglich schlicht seltener erkannt? „Die Rückgänge sind sehr wahrscheinlich auf die erhöhten Hygiene-Regeln zurückzuführen.“

Wonsikiewicz nennt als Beispiel das Norovirus. Die Kurve mit den Fall-Zahlen ist seit dem ersten Lockdown gefallen und sei nicht wieder gestiegen. Das sei in den Vorjahren anders gewesen, so der Pressesprecher. Influenza, die saisonale Grippe, wird auf der Internet-Seite des Landesgesundheitsamtes seit letztem Frühjahr ebenfalls nicht mehr als Kurve, sondern als flach am Boden verlaufene Linie angezeigt.

Diepholzer Hausarzt: Mehr Patienten, weniger schlimme Erkrankungen

Januar und Februar seien sonst Erkältungsmonate, sagt Dr. Marcel Blesken. Der in Diepholz praktizierende Allgemeinmediziner verzeichnet „deutlich weniger“ Infekte – vom Schnupfen, über grippale Infekte bis hin zur Influenza. Und das, obwohl Blesken bei Patienten und Arbeitgebern eine stärkere Bereitschaft beobachtet, mit Erkältungssymptomen zum Arzt zu gehen.

In Zahlen des Landesgesundheitsamtes: Bisher seien in der aktuellen Grippesaison niedersachsenweit 28 laborbestätigte Influenzafälle übermittelt worden, berichtet Sprecher Wonsikiewicz. „Zum Vergleich waren dies in der Saison 2018/2019 zu diesem Zeitpunkt 1 447, und in der Saison 2019/2020 2 607 Fälle.“

Apotheken: 50 Prozent weniger Kunden mit leichten Beschwerden

Und im Landkreis Diepholz? Bis zur sechsten Kalenderwoche 2019 waren dem Robert-Koch-Institut zufolge seit Jahresbeginn 62 Influenza-Fälle im Landkreis Diepholz bekannt, im selben Zeitraum des Vorjahres 13. Und in der sechsten Woche 2021? Null.

Die Neben-Effekte der Corona-Regeln sind auch in der Apotheke zu spüren. Gerdfried Rüter betreibt vier Apotheken in Wagenfeld, Diepholz und Sulingen. Er beobachtet, dass Schnupfen, Grippe und Erkältungskrankheiten „deutlich geringer“ geworden seien. Er verkaufe entsprechend weniger Erkältungsmedikamente. Rüter schätzt, dass die Zahl derer, die mit leichten Beschwerden in die Apotheke kommen um „mehr als 50 Prozent“ abgenommen hat.

Weniger Kopfläuse danke Kita- und Schulschließungen

Bei Durchfall-Erkrankungen sei das gerade „nicht so auffällig“, so der Apotheker. Denn diese Erkrankungen seien typischer für die wärmeren Monate. Rüter weist auch darauf hin, dass dagegen vor allem Desinfektionsmittel helfen, und dass in der Corona-Bekämpfung die Übertragung durch die Luft inzwischen stärker im Mittelpunkt stehe.

Auch Mittel gegen Kopfläuse seien gerade weniger gefragt, bestätigt der Apotheker. Hier machen sich die Kita- und Schulschließungen bemerkbar.

Auf Kopf-Jucken verzichten Kinder und Eltern wahrscheinlich liebend gerne. Und rekordverdächtig niedrige Influenza-Zahlen lassen sich als Erfolg verbuchen. Trotzdem ist die Corona-Bekämpfung auch mit weniger erfreulichen Nebeneffekten verbunden.

Hausarzt sieht starken Anstieg psychischer Erkrankungen

So seien seine Montags-Sprechstunden im ersten Lockdown eigentlich „Notfallsprechstunden“ gewesen, berichtet Hausarzt Dr. Blesken. „Die Patienten hätten viel früher kommen müssen.“ Aber die Angst, sich im Wartezimmer anzustecken und deshalb bei anderen Beschwerden den Arztbesuch aufzuschieben, sei inzwischen zurückgegangen.

Ob er neben rückläufigen Infektionskrankheiten auch Ausreißer nach oben beobachte? „Psychische Erkrankungen und Depressionen.“ Der Allgemeinmediziner berichtet von der psychischen Belastung für Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuen. Oder von jungen Berufstätigen, die eigentlich geistig gesund sind, aber nach einem Dreivierteljahr alleine im Homeoffice sagen: „Ich halte das nicht mehr aus.“

Wenn das Coronavirus endlich in den Griff bekommen sein sollte, wünscht sich Dr. Blesken jedenfalls einen Alltag ohne Maske zurück. Auch wenn eine gelegentliche Erkältung dadurch wahrscheinlicher wird, würde ihm da wahrscheinlich niemand widersprechen.

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