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Flüchtlinge abgeholt: Diepholzer fährt mit Bus zur polnisch-ukrainischen Grenze

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Von: Eberhard Jansen

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Andreas Pörschke holt mit seinem Bus Flüchtlinge aus der Ukraine nach Diepholz
Andreas Pörschke holt mit seinem Bus Flüchtlinge aus der Ukraine nach Diepholz © Privat

Eine sehr spontane Aktion, nicht ganz durchdacht – aber letztendlich wohl erfolgreich: Der Diepholzer Andreas Pörschke hat sich am Montagvormittag kurz entschlossen auf einen 1 350 Kilometer langen Weg gemacht, um Flüchtlinge aus der von Russland überfallenen Ukraine nach Diepholz zu bringen.

Diepholz –„Er ist halb voll“, berichtet Pörschke am Dienstagnachmittag im Gespräch mit der Kreiszeitung. Vorwiegend Familien mit Kindern habe er für die Fahrt in Richtung Diepholz aufgenommen. Nach 15 Stunden Fahrzeit und einer Übernachtung war er im Osten Polens angekommen. Er nutzte dabei seinen Bus mit 45 Plätzen, den er insbesondere für die Damen-Handballmannschaft der HSG Hunte-Aue Löwen („HSG Lady Lions“) angeschafft und ausgestattet hat.

Losgefahren war Pörschke in Wallenhorst, wo er eine Anlagenbau-Firma hat, die unter anderem Blockheizkraftwerke in Container-Modulen herstellt. Am Dienstag erreichte der 53-Jährige Mlyny/Przemysl in Polen an der Grenze zur Ukraine.

Am Verteilungszentrum Przemysl in Polen nahe der ukrainischen Grenze am Dienstagnachmittag.
Am Verteilungszentrum Przemysl in Polen nahe der ukrainischen Grenze am Dienstagnachmittag. © Pörschke

Direkt an die Grenze durfte er nicht fahren. Mit polnischen Bussen wurden die Flüchtlinge aus der Ukraine abgeholt und dann zu einem Verteilungszentrum gebracht. Dort, zwei Kilometer von der Grenze entfernt, wartete Andreas Pörschke mit seinem Bus am Dienstag um 15 Uhr noch auf eine Familie, die sich angemeldet hatte: „Wenn sie da ist, fahren wir los.“

Um kurz nach 16 Uhr postete Pörschke bei Facebook: „Bus voll, los geht‘ s. 16.30 Uhr Abfahrt.“

Für die Versorgung der Passagiere hatte Pörschke Lebensmittel und Dinge aus Deutschland mitgenommen.

„Extrem schwierig“

In Berlin werde er bei der Rückfahrt von einem zweiten Fahrer abgelöst, erklärte der 53-Jährige, der die Situation in dem polnischen Verteilungszentrum als „sehr bürokratisch und extrem schwierig“ bezeichnete. Die Flüchtlinge fanden dort zunächst in einer großen Halle ein Dach über dem Kopf.

Die Flüchtlinge, die am Nachmittag im Bus nach Diepholz saßen, seien fast alle aus Kiew, so Pörschke.

In der Hauptstadt der Ukraine, wohin er auch geschäftliche Beziehungen pflege, habe er Bekannte, ein Ehepaar: „Sie ist Frauenärztin, er Ingenieur. Beide wollten nicht mit nach Deutschland fahren, sondern in Kiew bleiben“, so der Diepholzer: „Sie hat gesagt, dass sie als Ärztin gebraucht werde. Ihr Mann will kämpfen.“

Nicht alle Flüchtlinge wollen in Diepholz bleiben

Die Menschen, die in dem schwarzen, mit Werbung für die HSG-Handballerinnen beklebten Bus saßen, würden nicht alle in Diepholz bleiben wollen, so Pörschke: „Einige haben Bekannte oder Verwandte in Deutschland – zum Beispiel in Wuppertal und Bremen – und wollen dorthin.“

Für die erste Unterbringung der geflüchteten Menschen aus der Ukraine in Diepholz habe er genügend private Angebote.

Mit der Rückkehr des Busses wird für Mittwochnachmittag gerechnet. Wie viele Flüchtlinge dann in Diepholz ankommen, ist noch unklar. Denn eine Zwischenstation wird Braunschweig sein, wo die Flüchtlinge in der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen registriert werden. Wie viele danach mit dem Bus weiterfahren können oder in Braunschweig bleiben müssen, ist nicht bekannt.

Der Bus aus Diepholz mit Flüchtlingen kurz vor der Rückfahrt aus Polen.
Der Bus aus Diepholz mit Flüchtlingen kurz vor der Rückfahrt aus Polen. © Pörschke

Der Unternehmer Andreas Pörschke ist Sponsor der heimischen Handballerinnen. Zur Landesliga-Mannschaft der HSG Hunte-Aue Löwen gehört auch Kristina Logvin. Die 26-Jährige stammt aus der Ukraine. Die Eintrittsgelder des jüngsten Spiels der Mannschaft in Diepholz spendete der Verein an eine Initiative zugunsten der Bürger der Ukraine.

Handball-Fan Andreas Pörschke ist froh, dass er so schnell gehandelt hat: „Rund um Kiew wird jetzt noch mehr geschossen“, sagte er am Dienstagnachmittag. Es kämen jetzt nur noch wenige Flüchtlinge an der Grenze zu Polen an.

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