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Gitte Haenning in Diepholz: Bekannte Schlager im Jazz-Gewand

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Von: Simone Brauns-Bömermann

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In Knallfarben saß Gitte Hænning auf ihrem Acrylglashocker und rockte die Bühne des Diepholzer Theaters. Dabei sang sie vor allem auch nicht so bekannte Lieder.
In Knallfarben saß Gitte Hænning auf ihrem Acrylglashocker und rockte die Bühne des Diepholzer Theaters. Dabei sang sie vor allem auch nicht so bekannte Lieder. © Brauns-Bömermann

Diepholz – In den 1960er-Jahren war es hipp, dass die Stars nur „Alexandra“, „Heintje“ oder „Gitte“ hießen. Viel später nennt sich der Superstar aus Aarhus in Dänemark mit vollem Namen: Gitte Hænning. Die Tochter des „Troubadours“ Otto Johansson. „Mein Vater war ein begnadeter Liedermacher“, beschreibt es die blonde Dänin, die scheinbar ohne Alter durch die Welt geht, am Samstag auf der Diepholzer Theaterbühne.

Da sitzt die Künstlerin, die heute in Berlin lebt, mit 76 Jahren wie eine freche Schulgöre in Knallfarben auf ihrem Acrylglashocker und rockt die Bühne für die rund 220 Besucher. Und das zu Beginn nicht etwa mit den Hits, mit denen sie in Deutschland berühmt wurde.

Nicht in der Vergangenheit verharren

Mit ihrem Programm Gitte Hænning & Band „Still crazy…“ geht die Schlager-, Pop- und Jazzsängerin bei eingefleischten Fans ein Risiko ein: „Wie klingt die dänische Sprache für Sie?“, fragt sie, wenn sie eben nicht die geliebten Ohrwürmer zuerst bringt. „Alles was ich Ihnen hier vorsinge, sind keine Hits.“ Dahinter steckt die Idee der Künstlerin, sich in der Retrospektive zu fragen „Wie kann ich ein bekanntes Lied heute gestalten? Wie klingt ein Schlager, wenn ich ihn als Jazz-Version bringe und wie kommt er an?“

Genau das möchte die Künstlerin tun. Sie will nicht stehen bleiben bei ihren unzähligen „Hitwondern“, nicht in der Vergangenheit verharren. Sie nimmt das Risiko auf sich, Fans zu verlieren, sieht aber die Chance, neue zu gewinnen. Kräftig unter die Arme greift ihr dabei ihre formidable Band um den Pianisten und Arrangeur Sebastian Weiß, am Schlagzeug Thomas Alkier und am Bass Björn Werra.

Mit acht Jahren ihre Karriere gestartet

Gitte startete ihre Karriere mit acht Jahren, wurde schnell ein Kinderstar und erobert in Diepholz die Herzen mit „Keine Schule morgen“ von 1959, da war sie gerade zwölf Jahre alt. Die ersten Reihen singen mit, Gitte freut sich, denn der Boogie-Woogie lebt. Vom Cowboy bis dahin keine Spur, das ist Kalkül. Stattdessen Brenda Lees Song „I’m sorry“ (1960) bei Gitte mit Jazz-Anklängen. „Die Songs sind zu schön, um sie zu vergessen.“ Revuetheater-Klänge in Dänisch präsentiert sie aus dem „Tribute to the Great Gitte Hænning ,Prinzesse for een Dag‘ – Not too young to sing the blues“.

Dass Gittes Klassiker gerade jetzt ein Revival erleben, zeigt sie mit dem dänischen Schlager „Ta’ med ud og fisk“, der im vergangenen Jahr durch die Decke ging – 60 Jahre nach der ersten Veröffentlichung. Gitte erzählt vor und zurück aus ihrem Musikerleben und sucht immer wieder keine Hits aus: „Der Anruf“ zum Beispiel, den sie wieder in der Lieblingsversion als Jazz bringt.

Dänischer Charme

Dass sie 1973 dem Druck des NDR nachgab, der sie mit dem Song „Junger Tag“ zum Vorentscheid des European Song Contest (ESC) einlud, erklärt sie so: „Zum Schluss sagte ich ja, meinte aber nein. Aber mein Dach vom Sommerhaus musste neu gedeckt werden.“ Auch den Song packt sie in eine neue Harmonik weg vom Schlager, hin zum Jazz. „Having a good time“ ist heute Gittes Motto. Dazu gehört das Teilen der Erinnerungen der 1960er, der Schlager-Ära mit Fans und Besuchern ihrer Konzerte, aber auch ihres Genius als eine der Interpretinnen, die als „The very best of female vocal jazz“ neben Katie Melua und Norah Jones genannt wird.

Gittes Charme ist unbestechlich dänisch. Sie bezauberte Deutschland schon immer mit dem süßen Akzent, der großen Stimme, dem Schalk und ihrem Lächeln. „Dänisch hat viel weniger Konsonanten als Deutsch, und die Grammatik ist wie im Englischen, also alles andersherum“, erklärt sie. Letztlich ist die Sprache egal. Wichtig ist die Begeisterung, die mit Gitte kam und nachhallt.

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