Schnupperkursus „Selbstverteidigung für Frauen“

Mit gezielter Drehung aus dem Würgegriff befreit

Wie wehre ich einen Angreifer ab? Erste Übungen zur Selbstverteidigung lernten 28 Frauen bei einem Schnupperkurs in Diepholz. Hier zeigt Trainer René Ruttloff der Teilnehmerin Sabrina Person das Befreien aus einem Würgegriff. - Foto: Korte

Diepholz - Von Katharina Korte (Praktikantin in der Redaktion). Allein im Dunkeln auf dem Weg nach Hause. Durch eine düstere Gasse, einen Park oder auf einsamen Plätzen. Wer bekommt da als Frau kein mulmiges Gefühl? Die unbewusste Angst vor einem Angriff oder Überfall ist stets in einem. Aber als Frau ist man keinesfalls wehrlos. Wie eine Frau sich wehren kann, habe ich am Mittwochabend in der Sporthalle der Jahnschule gelernt. Ich machte mit beim ausgebuchten „Schnupperkurs“ zur Selbstverteidigung für Frauen.

Diesen veranstaltete die Barmer-Gmünder Ersatzkasse (GEK) in Zusammenarbeit mit der Sportgemeinschaft (SG) Diepholz. Und auch wenn die Stimmung in der Halle durchweg entspannt und locker war, war ich mir der Ernsthaftigkeit bewusst. Nach einem kurzen Warm-up zeigten die Trainer René Ruttloff und Michael Waldemair von der SG-Judo/Ju-Jutsu-Abteilung uns die ersten gezielten Schläge.

„Euer Angreifer denkt, dass Ihr Euch nicht wehren könnt. Weil Ihr für ihn schwächer seid. Und genau das könnt Ihr zu Eurem Vorteil nutzen“, erklärt René Ruttloff. Grundsatz: Den Überraschungseffekt nutzen und sich dann gezielt aus der Situation befreien. Im Hinterkopf soll immer die Flucht als oberstes Gebot sein. Handballenschlag, Hammerfaustschlag und Kantenschlag: Schläge, mit denen auch eine nicht körperlich starke Frau das Ruder herumreißen und sich befreien kann.

Für mich – auch wenn ich früher etwa ein Jahr Judo trainiert habe – eine komplett neue Erfahrung: Schläge bewusst mit voller Kraft auf Schlagpolster („Pratzen“) des Gegenübers ausüben. Und obgleich ich keinesfalls stark bin, spürte meine Trainingspartnerin die Schläge durch die dicke Polsterung und taumelte hier und da mal einen Schritt nach hinten.

Lebensretter können sich auch in der Handtasche befinden: Kugelschreiber, Haarbürste, Autoschlüssel oder Stifte können Mittel zur Selbstverteidigung sein, könne als Schlag- oder Stichwaffe gegen Angreifer benutzt werden. Durch eine einfache Drehung kann ein Opfer sich leicht aus einem Würgegriff befreien, einem Klammergriff von hinten entgehen und dann gezielt den ersten Schlag setzen. Eine weitere Methode: Mit der flachen Hand oder der Faust auf das Gesicht zielen. Besonders wirksam auf die Ohren, da sich dort der Gleichgewichtssinn befindet. Nase, Kehlkopf oder Augen können ebenfalls eine Angriffsfläche sein.

Bei der Vermeidung von Überfällen spielt das selbstbewusste Auftreten eine Rolle. „Den Angreifern geht es meistens um Dominanz“, erklärte Michael Waldemair. Wenn der Angreifer also eine Frau mit selbstbewussten Gang und Blick sieht oder eine ängstlich wirkende Frau, wird er höchstwahrscheinlich die Ängstlichere attackieren. Schreien, weglaufen aber auch das gezielte Ansprechen von Leuten in der Nähe können ebenfalls Übergriffe verhindern.

Und auch, wenn wir an diesem Abend nicht alle Schläge, und Griffe gezeigt bekommen konnten, habe ich schon mal gelernt, wo und wie ich zuschlagen muss, um mich im Ernstfall zu befreien und den Täter in Notwehr zu verletzen.

An dem Selbstverteidigungs-Schnupperkursus nahmen 28 Frauen teil, die die die Barmer-Gmünder Ersatzkasse (GEK) über Schreiben an Betriebe eingeladen hatte. Die SG-Abteilung Judo/Ju-Jutsu möchte bei genügend Interesse Kurse zur Selbstverteidigung für Frauen immer montags ab 18 Uhr (zwei Stunden) in der Sporthalle der Diepholzer Jahnschule veranstalten.

Wer mitmachen möchte, kann nähere Informationen unter Tel. 0172/5356459 (Michael Waldemair) oder 0179/5928661 (René Ruttloff) bekommen.

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