Gewinn: Unmöglich

Der trockenste Sommer seit Jahrzehnten wird auch das Folgejahr beeinflussen

Der optische Effekt einer Feld-Beregnung war im Sommer größer als der Einfluss aufs Wachstum der Feldfrüchte. - Foto: Speckmann
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Der optische Effekt einer Feld-Beregnung war im Sommer größer als der Einfluss aufs Wachstum der Feldfrüchte. 

Landkreis Diepholz - Von Marc Lentvogt. Es war ein langer, heißer Sommer. Doch das Idyll aus Schwimmbad- und Eiscreme-Wetter ist im Juli von einer Forderung erschüttert worden: Der Bauernverband verlangte Dürrehilfen in Milliardenhöhe.

Ein Streit brach aus, die Emotionen kochten hoch. Zeit, auf die Fakten zu blicken und – für eine Auswahl an Früchten – ein erstes Fazit zu ziehen: Wie ist die Ernte in der Region in diesem Jahr verlaufen?

Die Landwirte verzeichnen wenig überraschend Verluste. Aufgrund der sehr langen Trockenphase allerdings bei allen Kulturen. Das wiederum sei absolut unüblich, erklären Henrich Meyer zu Vilsendorf, der für die Landwirtschaftskammer in Niedersachsen die Bezirksstelle in Nienburg leitet, und Kreislandwirt Wilken Hartje.

Niederschläge

Mit Ausnahme des Januars und des Aprils verzeichnet die Versuchsstation Borwede der Landwirtschaftskammer Niederschlagswerte, die weit unter denen des Vorjahrs lagen. Lokal begrenzt habe ein Regentag allerdings genügt, um ein akzeptables Pflanzenwachstum zu erreichen, erläutert Hartje.

Getreide

Vielerorts wurde Getreide sehr früh geerntet, um die Verluste in Grenzen zu halten. Bei Verlusten von 10 bis 45 Prozent – Roggen und Gerste sind besser durch das Jahr gekommen, Weizen sehr schlecht – habe laut Wilken Hartje „der Markt ein bisschen funktioniert“. Preisanstiege von bis zu 20 Prozent milderten die schwierige Situation ab.

Mais

Mais kommt mit hohen Temperaturen gut zurecht – solange es zum richtigen Zeitpunkt einmal Niederschläge gibt. Passiert das nicht, dann müssen, wie im Raum Sulingen geschehen, die Landwirte plötzlich ein Minus von 70 Prozent Mais verzeichnen, kommentiert Meyer zu Vilsendorf. Auf den guten Lehmböden konnte der Verlust stellenweise auf 20 Prozent begrenzt werden, auf den häufigeren Sandböden betrugen die Verluste aber bis zu 45 Prozent.

Zuckerrüben

„Die Zuckerrübe, früher Königin der Ackerfrüchte, wird massiv enttäuschen.“ Und es komme noch schlimmer, erklärt Kreislandwirt Wilken Hartje. Der Getreidemarkt hat durch Preisanstiege auf das verminderte Angebot reagiert, auf dem Zuckermarkt werde die Rübe einfach durch Rohrzucker ersetzt. Ertragsverluste bis zu 35 Prozent seien keine Seltenheit.

Spargel

Beim Spargel könne man sich nicht beschweren, erklärt Walter Nüstedt, Betriebschef auf dem gleichnamigen Bassumer Erdbeerhof. Als dieser erntereif wurde, „war es noch nicht lange trocken“.

Für den Spargelhof Thiermann erklärt Christine Klemty, dass drastische Temperaturwechsel aber ein Problem waren. Darunter leide die Qualität. „Die Erträge waren durchschnittlich, aber aufgrund der schlechteren Qualität nicht zufriedenstellend.“

Kartoffeln

Weit unterdurchschnittlich sind die Erträge beim Kartoffelanbau. Insbesondere auf den weniger guten Sandböden sind Ertragsverluste von bis zu 70 Prozent verzeichnet worden.

Erdbeeren

Bei den Erdbeeren variieren die Erfahrungen stark. „Die Fruchtgröße war kleiner, 30 bis 40 Prozent Ernteausfall haben wir da schon gehabt“, kommentiert Walter Nüstedt.

Anders klingt das bei Kristian Wichmann, Geschäftsführer des gleichnamigen Hofes in Bassum: „Bei uns gab es keine Ausfälle. Die Erdbeeren sind nicht vergammelt. Das hat in unserer Branche aber die Folge, dass die Preise niedriger sind.“ Dazu komme für alle Anbieter natürlich, dass bewässert werden muss, sagt Wichmann: „Klar, das kostet Geld, aber sonst wäre alles vertrocknet.“

Christine Klemty von der Firma Thiermann Spargel stimmt ihren Kollegen zu: Die Ernte war besser als erwartet. Üblicherweise beschädigen Niederschläge die Früchte, in diesem Jahr gab es damit keine Probleme. Allerdings sind die Beeren nicht so groß gewesen, weshalb der Ertrag von den Kirchdorfern eher negativ bewertet wird.

Heidelbeeren

Mit der Heidelbeerernte ist der Hof Thiermann unglücklich. Schuld: die Temperaturen. Ganz so einfach ist es dann aber nicht. Der Hof vermutet, dass die Temperaturen zum falschen Zeitpunkt im Frühjahr sehr niedrig waren. Dadurch sei es wahrscheinlich zu geringem Bienenflug gekommen. Das wiederum führt zu einer geringen Bestäubung der Pflanzen. 

Die Voraussetzungen für die Heidelbeeren waren also ohnehin nicht gut, die lange, trockene Hitzephase war da letztlich nur ein zusätzlicher Tropfen.

Äpfel

Es gibt sie auch in diesem Erntejahr, die positiven Nachrichten. Liebhabern von Äpfeln mangelt es 2018 nicht an einer breiten Auswahl leckerer Früchte. Ein paar Male habe man die Bäume auf dem Erdbeerhof Nüstedt beregnet, das Ergebnis liege dafür im Soll.

Grünschnitt

Zum ersten Grünlandschnitt waren die Landwirte noch zufrieden, statt weiterer drei Schnitte folgte jedoch nur noch ein einziger. Die Ertragsverluste von 20 bis 60 Prozent schlagen sich unmittelbar auf die Tierhaltung nieder. „Wer keine Reserven hat, der hat gelitten“, betont Wilken Hartje.

Multimedia-Projekt

Zum Thema „Klimawandel in der Region“ haben wir ein Multimedia-Projekt produziert, in dem die Zusammenhänge von Trockenheit, Hitze und Ernte erläutert werden: Hier ist der Link.

Lesen Sie auch:Welche Schlüsse können Landwirte aus dem Jahr 2018 ziehen? 

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