Gesundheitspolitiker des Landkreises unterstützen neues Projekt

Für ein Leben ohne Gewalt: Täter und Opfer im Gespräch

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Wenn Gewalt Schatten auf die Partnerschaft wirft, sind in der Regel Frauen das Opfer. Weil viele sich nicht trennen möchten, sondern ein Leben ohne Gewalt wünschen, will der Verein zum Schutz misshandelter Frauen und Kinder künftig eine Paar-Beratung anbieten.

Diepholz - Von Anke Seidel. Beschimpft, gedemütigt, geschlagen: Immer wieder wirft Gewalt – körperlich und psychisch – Schatten auf Partnerschaften im Landkreis Diepholz. Betroffen sind in der Regel Frauen, von denen sich viele trotz dieser traumatischen Erfahrungen nicht von ihrem Ehemann oder Lebenspartner trennen möchten.

Das Netzwerk gegen häusliche Gewalt im Landkreis Diepholz will mit einer Paarberatung die Basis für einen gewaltfreien Neuanfang schaffen – mit Täter und Opfer an einem Tisch.

„Es ist ein Pilotprojekt“, betont Michael Albers (SPD) als Vorsitzender des Fachausschusses für Jugend, Gesundheit und Soziales. Sein Gremium hatte die Zahlung von 24000 Euro aus Landkreis-Mitteln befürwortet – überraschend, denn die Kreisverwaltung hatte das auf drei Jahre angelegte Projekt äußerst kritisch gesehen. Umso größer war die Freude während der Mitgliederversammlung des Netzwerkes über den Zuschuss, den Kreisausschuss und Kreistag allerdings noch bestätigen müssen.

Drangsaliert von dem Mann, mit dem sie ihr Leben teilen: 40 Frauen mit 50 Kindern sind es im Schnitt pro Jahr, die aus dieser Alltagshölle in das Frauen- und Kinderschutzhaus flüchten. Im Durchschnitt bleiben sie 40 Tage dort. „Viele von Gewalt betroffene Frauen kehren nach einem Übergriff wieder in die gewaltförmige Partnerschaft zurück“, wissen die Mitarbeiterinnen des Netzwerkes. Ein Schrecken ohne Ende, der die Frauen zurück ins Schutzhaus führt. „Die Anzahl der Mehrfach-Aufenthalte ist gestiegen. Zudem werden in den Gewaltberatungsstellen viele Wiederholungstaten registriert“, berichtet das Netzwerk.

Ein Ende der Gewalt – das wollen demnach auch die schlagenden Männer: „Viele Gewalt ausübende Partner fühlen sich nicht wohl“, so die Erfahrung der Netzwerk-Mitarbeiterinnen. Genau das wollen sie konstruktiv nutzen: Indem sie den Opfern das Angebot der Paarberatung machen – allerdings erst nach einer Gefährdungs-Analyse, sprich Auswertung der Fakten der Gewaltbeziehung.

Stimmt die Frau zu, nimmt ein Sozialpädagoge und Mediator Kontakt zum Täter auf. Ist auch er zum Gespräch bereit, holt der Mediator Täter und Opfer an einen Tisch. Drei solcher klärenden Gespräche sieht das Konzept vor – ein zusätzliches Angebot zu den bisherigen Schutzmaßnahmen für die Frauen und Kinder. Doris Wieferich rechnet als Leiterin des Frauen- und Kinderschutzhauses mit etwa 90 Frauen pro Jahr, die dieses Täter-Opfer-Gespräch annehmen. Denn rund 300 Frauen wenden sich im Jahr an die Beratungsstellen des Netzwerks gegen häusliche Gewalt. Hinzu kommen jährlich 150 Frauen, die sich als Opfer häuslicher Gewalt bereits bei der Polizei gemeldet haben.

In den Niederlanden habe man mit diesen Täter-Opfer-Gesprächen gute Erfahrungen gemacht, so Doris Wieferich. „Wenn die Männer bereits sind, weitere Hilfe anzunehmen, können wir sie nach den Gesprächen an andere Hilfeeinrichtungen weiter vermitteln.“

Den erfahrenen Sozialpädagogen und Mediator hat das Netzwerk bereits gefunden – und will seine Beratungsleistungen mit dem Landkreis-Zuschuss einkaufen. Die 24000 Euro reichen für die Finanzierung des Projekts für drei Jahre.

„Danach wollen wir uns die Ergebnisse ganz genau anschauen“, so Michael Albers als Vorsitzender des Fachausschusses Jugend, Gesundheit und Soziales. Dann werde sich zeigen, ob das Projekt die Erwartungen erfüllt habe oder nicht.

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