Gepfeffertes Kabarett und musikalische Genüsse in der St.-Nicolai-Kirche

Der Trick mit der Kollekte

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Viel Spaß hatten diese Besucher in der Pause mit Kabarettist Matthias Schlicht aus Buxtehude (rechts), der seine Versteckspiel-Tüte gerne zur Probe auslieh.

Diepholz - Von Helge Bredemeyer. Kurz gesagt: Es ist ein gepfefferter Abend in der St.-Nicolai-Kirche, der zum vierten Mal unter dem Titel „Nacht in St. Nicolai“ steht. In die Kirche zu gehen, um herzlich zu lachen und sich locker freundlich mit Getränken und Snacks in der Hand zu begegnen, ist ohnehin schon außerordentlich zu nennen. Und dieses Mal ist alles noch sehr schmackhaft angerichtet.

Die Kirchengemeinde St. Nicolai in Diepholz wagte diesen Sprung vor dem ersten Sonntag der Passionszeit und landete einen Volltreffer. Gut 200 Gäste verlebten am Freitagabend heitere Stunden und waren höchstens dann sprachlos, wenn der Kabarettist Matthias Schlicht sein gut gewürztes Kirchensüppchen mit den Zutaten interner Erlebnisse aus dem intimen Kirchenerleben zusammenrührte.

Sah man da in dem launigen Programm etwa Skepsis oder Befremdlichkeit auf manchen Gesichtern? Vielleicht doch mal im Ansatz, aber wer den Kabarettisten schon vor drei Jahren erlebt hatte, war darauf vorbereitet und auf Neuigkeiten gespannt. Matthias Schlicht, Pastor und promovierter Theologe aus Buxtehude, nahm kein Blatt vor den Mund. Er überraschte das Publikum mit seinen teils zur Gitarre gesungenen oder fließend witzig vorgetragenen Beiträgen. Immerhin habe er das Kollektenaufkommen in seiner Gemeinde vervierfacht, berichtete der Geistliche, der in seiner heimischen Paulus-Kirche eine „Achtelstelle“ bekleidet. Die Kirche muss ja schließlich sparen.

Aber wie sich die Kollekte aufpolieren ließe, das dürfe mit Blick auf die Presse eigentlich nicht weitergegeben werden, meinte der Kabarettist. Aber er demonstrierte den Zuschauern seinen Wett-Kollekten-Trick mit den drei kreisenden Hütchen. Für das Spiel mit den Bechern stellte sich Diakonin Frauke Laging zur Verfügung. Sie verlor immer, traf sie doch nie den Becher mit dem Wasser. „Kein Wunder“, so Schlicht, denn die Pastoren redeten meist zu lange, und dann sei das Wasser eben schon verdunstet.

Außerdem verriet Schlicht, dass die neue Einnahmequelle der Kirche, genannt „Fundraising“, die protestantische Wiederentdeckung der katholischen Ablasslehre sei. An die Seniorenarbeit erinnernd, zeigte er auf die Technik am Computer, die es mit der Taste „Alt“ und „Entfernen“ leicht mache, Alte verschwinden zu lassen. Mit Wonne philosophierte er auch über die heute nicht mehr gebräuchlichen deutschen Worte wie Wäschewechsel, Sendeschluss oder auch den Begriff, sich „bettfertig“ zu machen. Und den Waschlappen von früher könne man heute getrost die Dusche des kleinen Mannes nennen. Als Mittel gegen kalte Füße empfahl der humorige Pastor, dem weiblichen Geschlecht Glaswolle um die Füße zu stopfen. Damit niemand von außen erkenne, wem hier vielleicht heimlich geholfen werde, empfahl er dieser Person, eine Tüte über den Kopf zu ziehen. In der Pause des heiteren Programms durften die Besucher die Tüte dann auch selbst ausprobieren.

Der Applaus zum Ende der Vorstellung bewies, dass diese protestantische Party-Gemeinde nicht kleinkariert war und ihr das streckenweise satirisches Treiben gemundet hatte. „Ein bisschen frivol, frech und gesalzen“, so sagten die Gäste. Und wer es etwas „süßer“ mochte, der freute sich über das Kontrastprogramm mit der Diepholzer Jugendkantorei und der Großen Kurrende der Kirchengemeinde St. Veit aus Barnstorf unter Leitung von Kirchenmusikerin Meike Voss-Harzmeier. Sie sangen die schönsten Lieder aus dem Musical „David“ und ihrem neu einstudierten Musical „Eleasar“.

Noch einmal wurde es hochmusikalisch, als Kantorin Meike Voss-Harzmeier die Orgel tanzen ließ. Dabei stand ihr zur Seite Eike Müller aus Barnstorf mit Trompete und Schlagzeug. Sie brachten zeitgenössische Werke zu Gehör, wo die Füße wirklich über die Pedale tanzten und die Hände das Schlagzeug virtuos bedienten. Dieses Spiel faszinierte ein junges Ehepaar aus dem Iran mit ihrer Flüchtlingspatin Ingrid Kock so sehr, dass sie die Orgelempore erklommen und die „tanzende Orgel“ bestaunen konnten.

Überhaupt war das Publikum am Freitagabend bunt gemischt. Etliche Besucher blieben noch bis zur traumhaften Abschlussandacht von Pastor Lutz Korn in der St.-Nicolai-Kirche. Der Geistliche bedankte sich für ihr Kommen, ganz besonders natürlich beim Kollegen Schlicht sowie den Mitarbeiterinnen Voss-Harzmeier und Frauke Laging, Kirchenvorsteherin Jasmin Schröring-Apke und der großen Crew jugendlicher Mitarbeiter am Getränke- und Snack-Tisch. Die Erwachsenen schlossen dann gegen 0.30 Uhr die Kirche zu.

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