Gemeinsames Lernen

Eingangsstufe in Aschen offen für alle Diepholzer Grundschüler

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Marisa und Felix - aus unterschiedlichen Jahrgängen - profitieren voneinander in einer Klasse. Schulleiterin Birgit Köster hat das pädagogische Konzept an der Grundschule Aschen umgekrempelt.

Aschen - „Das ist cool, einen großen Kumpel zu haben“, findet Michel aus der neuen jahrgangsgemischten Eingangsstufe an der Grundschule Aschen. Er ist seit Anfang August in der Schule und hat für einen Erstklässler bereits viel gelernt.

Auch mit Unterstützung seines Paten Liam, der bereits Zweitklässler und stolz ist, sein Wissen mit dem Jüngeren zu teilen. Insgesamt 20 Kinder lernen seit August jahrgangsübergreifend in der kleinen Dorfschule mit- und voneinander.

Zum neuen Schuljahr hatte die Grundschule Aschen das neue pädagogische Konzept eingeführt. „Aus Überzeugung“, wie Schulleiterin Birgit Köster betont. In der Jahrgangsgemischten Eingangsstufe schlagen die Kinder individuelle Lernwege ein und lernen nicht nur von ihren Lehrerinnen, sondern auch voneinander. So bekommt zum Beispiel das Mathe-Ass aus der ersten Klasse mehr Futter durch weiterführenden Stoff, gemeinsam lernt er mit dem Zweitklässler, der noch Zeit braucht, um Mathe zu verfestigen.

Über Schulbezirksgrenzen hinweg

Im Schulverwaltungsblatt hat das Niedersächsische Kultusministerium eingeräumt, dass Kinder, die an der Eingangsstufe teilnehmen möchten, über die Schulbezirksgrenzen hinweg eingeschult werden können. Mit dem geänderten pädagogischen Konzept können daher nun Kinder aus anderen Diepholzer Schulbezirken die Grundschule in Aschen besuchen. Die Eltern müssen dafür einen einfachen Antrag stellen, der gemäß Erlass des Kultusministeriums genehmigt werden muss. Die abgebende Schule muss dem Elternantrag wegen pädagogischer Gründe stattgeben. Entsprechende Formulare gibt es bei allen Grundschulen.

Das niedersächsische Kultusministerium sieht in der Jahrgangsgemischten Eingangsstufe einen Weg zum erfolgreichen Lernen. In ihrer Broschüre dazu heißt es: „In der jahrgangsgemischten Eingangsstufe wird Schülerinnen und Schülern ein höheres Maß an individueller Förderung ermöglicht. Der Unterricht zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass Kinder hier nicht nur von den Lehrkräften, sondern auch voneinander lernen. Ältere werden zu Expertinnen und Experten für Jüngere, festigen ihr eigenes Wissen und werden dadurch selbstbewusster. Jüngere profitieren davon und wachsen selbst zu Lernpatinnen und -paten heran. Partnerarbeit, Kooperation und soziales Lernen gewinnen eine größere Bedeutung.“

Schulkindergarten entfällt

Durch die Jahrgangsgemischte Eingangsstufe entfällt der Schulkindergarten. Kein Kind muss zurückgestellt werden, sondern startet gemeinsam mit den Gleichaltrigen in einer Schule. Das erspart Frust. Auch Sitzenbleiben ist nach Klasse eins oder zwei nicht mehr möglich. Insgesamt können die Kinder drei Jahre in der Eingangsstufe bleiben und so ihren individuellen Lernweg beschreiten. 

Schnelle Kinder kommen flotter voran und können ein Schuljahr überspringen, langsamere Kinder bekommen die Zeit, die sie brauchen, um eine solide Basis für die schulische Zukunft zu haben und bleiben drei Jahre in der Eingangsstufe. Alle anderen wechseln nach zwei Jahren in Klasse drei.

Vom Konzept überzeugt

Schulleiterin Birgit Köster hatte bereits Erfahrung mit der Eingangsstufe aus ihrer Zeit als Lehrerin in Nordrhein-Westfalen. Ihre Kollegin Kira Hettlich ist ebenfalls überzeugt von dem Konzept: „Im vergangenen Jahr hatten wir bereits eine Kombiklasse, in der die Kinder nach meiner Erfahrung deutlich schneller gelernt, einfacher Regeln verinnerlicht und von den Älteren profitiert haben. Für die Älteren war es positiv sich als die Großen zu erleben und anderen helfen zu können.“ 

Im jahrgangsgemischten Unterricht übernehmen die Kinder mehr Verantwortung, zum Beispiel durch selbstorganisiertes Lernen in Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit, nach Wochenplan oder bei Werkstattarbeit.

Birgit Köster erläutert, dass zu Beginn nicht alle Lehrkräfte begeistert waren. Die Lehrerrolle verändert sich, der Unterricht muss anders vorbereitet werden als zum Beispiel beim Frontalunterricht. Dafür haben alle Lehrkräfte in Aschen Fortbildungen besucht und an anderen Schulen hospitiert. Die Erfahrungen der ersten Wochen im neuen Schuljahr zeigen, dass das klappt und die Lehrerinnen den Kindern gerecht werden. Michels Mutter Nadine zieht ein positives Fazit: „Michel fühlt sich pudelwohl in Aschen und lernt schnell. Es läuft super.“ - kgl

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