Erdkabel für 380-kV-Leitung Ganderkesee-Sankt Hülfe

Funde beim Bau der unterirdischen Stromleitung

Der Bohrkopf für das Horizontalspülbohrverfahren, mit dem die 380-kV-Stromleitung als Erdkabel unter der B 214 zwischen Wetschen und dem Kreisel Sankt Hülfe hindurchgeführt wird, ohne dass die Straße aufgerissen oder gesperrt werden muss.
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Der Bohrkopf für das Horizontalspülbohrverfahren, mit dem die 380-kV-Stromleitung als Erdkabel unter der B 214 zwischen Wetschen und dem Kreisel Sankt Hülfe hindurchgeführt wird, ohne dass die Straße aufgerissen oder gesperrt werden muss.

Sankt Hülfe/Dickel – Auf sechs Kilometern Strecke kommen in den nächsten Monaten zwischen Dickel und dem Umspannwerk in Sankt Hülfe (Diepholz) zwölf Kabelstränge nebeneinander unter die Erde; die Ein-Kilometer-Stücke werden mit Muffen verbunden. Bei Bau dieses Erdkabel-Abschnittes machten Archäologen Funde. 

Ganz schön schwer: Bis zu 40 Tonnen wiegt eine Trommel mit einem Durchmesser von fast fünf Metern und einem Kilometer aufgewickeltem Erdkabel. Die Erdkabel sind Teil der neuen 380-Kilovolt-Stromleitung von Ganderkesee in den Osten von Diepholz, die größtenteils überirdisch mit 50 bis 60 Meter hohen Masten verläuft. Aber noch müssen die Spezialtransporte mit jeweils einem Kilometer Kabel nicht anrücken. Zunächst werden Leerrohre verlegt.

Dazu werden etwa 1,80 Meter tiefe Gräben auf der insgesamt etwa 50 Meter breiten Trasse ausgehoben. Zum Beginn wird abschnittsweise der Mutterboden abgezogen, die Bodenschichten werden getrennt gelagert und kommen am Schluss wieder schichtgenau in den Graben.

Doch zuvor sind Untersuchungen durch Kampfmittel-Spezialisten und Archäologen vorgeschrieben. Munition oder Bomben-Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg haben die Experten zwischen Dickel und Sankt Hülfe nicht gefunden. Fündig wurden jedoch die Archäologen: Sie entdeckten Reste von Pfählen, die auf Holzbauten und damit Siedlungen aus vergangener Zeit hindeuten. „Diese Funde waren hier zu erwarten und sind insgesamt nicht selten“, erklärte Oliver Smith, für Nordwest-Niedersachsen zuständiger Referent für Bürgerbeteiligung des Netzbetreibers Tennet. Die Funde seien katalogisiert und gesichert worden. Verzögerungen beim Bau der Leitung habe es dadurch nicht gegeben.

Diese Rohre bilden das Bohrgestänge. Damit wird die Bundesstraße 214 zwischen Wetschen und dem Kreisel Sankt Hülfe unterquert.

Auffälligster Teil der Stromleitungsbaustelle ist derzeit der im Bereich der B 214 zwischen Wetschen und dem Kreisel in Sankt Hülfe. Damit die Fahrbahn nicht aufgerissen und die viel befahrene Bundesstraße auch nicht gesperrt werden muss, wird dort eine aufwendige Methode angewandt, um die Leerrohre für die Leitung in den Boden zu bringen: das Horizontalspülbohrverfahren (Horizontal Directional Drilling – HDD). Die vom Netzbetreiber und Bauherrn Tennet beauftragte Spezialfirma Beermann aus Riesenbeck (Tecklenburger Land) erklärt das Verfahren so: „Mit Bohranlagen von 6,5 Tonnen bis 250 Tonnen Zug- und Schubkraft wird in allen Bodenklassen unter Einsatz einer Bohrsuspension eine Pilotbohrung mittels Ortungssystem zielgenau aufgefahren.“ Dann wird die Bohrung aufgeweitet.

Amphibienzaun um gesamte Baustelle

Der Bohrkanal, dessen Verlauf per GPS-System beim Bau kontrolliert und gegebenenfalls korrigiert wird, wird mit Bentonit-Suspension gestützt. Nach dem Rückzug des Bohrgestänges verlegt die Firma die Leerrohre, in die dann als letzten Schritt die Erdkabel mit Ummantelung gezogen werden.

Um mit den schweren Maschinen an die Unterquerungsstelle zu kommen, sind Baustraßen angelegt worden. Der Schotter liegt auf Vlies, sodass er später rückstandslos entfernt werden kann. Die gesamte Baustelle ist mit einem Amphibienzaun umgeben, um zu vermeiden, dass im Frühjahr wandernde Kröten auf das Gelände geraten und zu Schaden kommen.

Die 380-kV-Leitung zwischen Ganderkesee und Sankt Hülfe soll 2023 fertig sein. Drei Abschnitte der insgesamt etwa 60 Kilometer langen und in einem jahrelangen Planverfahren genehmigten Trasse sind Erdkabel. Deren Verlegung ist deutlich aufwendiger und etwa fünfmal so teuer wie Hochspannungsleitungen an Masten. Daher werden Erdkabel nur dort verlegt, wo Mindestabstände für Freileitungen nicht einzuhalten sind oder Wohnbebauung geschützt werden muss. Nach Abschluss der Erdkabel-Verlegung kann auf der Trasse wieder Landwirtschaft betrieben werden. Tiefwurzelnde Gehölze sind allerdings nicht anzupflanzen.

Die Trasse Ganderkesee – Sankt Hülfe gehört zu einem Hochspannungsnetz, das vorwiegend dazu dient, im Norden Deutschlands mit Windkraft produzierten Strom in Richtung Süddeutschland abzuleiten. An Umspannwerken wie in Sankt Hülfe kann Strom entnommen und beispielsweise auch vor Ort produzierter Strom hinzugefügt werden. Von Sankt Hülfe wird der Strom von Amprion, ein anderer Netzbetreiber, über eine weitere 380-kV-Leitung zunächst zum Umspannwerk Gütersloh geleitet. Unter anderem durch vermehrte dezentrale Erzeugung von Strom mit Windkraftanlagen waren die zusätzlichen Leitungen notwendig geworden.

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