Urteil: Gefährliche Körperverletzung

Fünfeinhalb Jahre Haft für Aero-Schützen

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Das Urteil ist gesprochen: Ein 23-Jähriger muss für fünfeinhalb Jahre in Haft, weil er vor einer Diepholzer Disco auf Türsteher geschossen hat.  

Verden/Diepholz - Von Wiebke Bruns. „Es war eine Tat, die das Sicherheitsbedürfnis der Öffentlichkeit in ganz eklatanter Art beeinträchtigt hat. So etwas wird nicht toleriert und hart bestraft.“ So deutlich wurde am Dienstag der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk am Landgericht Verden in dem Prozess um die Schüsse auf Türsteher der ehemaligen Disco „Aero“ in Diepholz.

An dem Vorwurf des versuchten Mordes hatte am Ende auch die Staatsanwaltschaft nicht mehr festgehalten, aber dennoch wurde der 23 Jahre alte Angeklagte aus Diepholz zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.

Spuren weisen nicht auf Tötungsabsicht hin

Wie von der Staatsanwaltschaft Verden beantragt, erfolgte die Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung, versuchter gefährlicher Körperverletzung und unerlaubten Führens einer halbautomatischen Kurzwaffe. Bei der Tat am 8. Januar 2017 hatte der Sicherheitschef der mittlerweile geschlossenen Diskothek einen Steckschuss im Oberschenkel erlitten.

Der Angeklagte habe seinen Rauswurf kurz vor der Tat als „ehrverletzend“ empfunden. Der zweifache Vater ging nach Hause, holte sich eine Waffe und fuhr zurück zur Disco. Draußen feuerte er mindestens acht Mal in Richtung der Türsteher. Doch er habe nicht in Tötungsabsicht geschossen und auch nicht den Tod von Menschen billigend in Kauf genommen, stellte das Gericht übereinstimmend mit dem Staatsanwalt fest.

Dies hatte der Angeklagte so in seinem Geständnis behauptet, und das „objektive Spurenbild deckt diese Einlassung“, betonte Stronczyk. Kein Schuss war nach den Feststellungen des Gerichts höher als 80 Zentimeter gegangen.

In der Haft einem anderen Mann das Leben gerettet

„Das ganze Geschehen dauerte nur vier oder fünf Sekunden und hat ihm eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten eingebracht“, so der Vorsitzende. Der Angeklagte hatte behauptet, dass er die Türsteher nur habe erschrecken wollen. Das glaubte man ihm nicht. „Dann hätte er in die Luft schießen können“, argumentierte der Staatsanwalt. Auch nach Überzeugung der Kammer handelte der Angeklagte in Körperverletzungsabsicht.

Der 23-Jährige wurde als voll schuldfähig eingestuft. Er hatte zwar von Drogenkonsum berichtet, der sich auch nachweisen ließ, aber es liegt keine Drogenabhängigkeit vor. „Vielleicht sollte man sagen, noch nicht“, ergänzte der Vorsitzende. Somit kam auch keine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt in Betracht. Der Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung wurde gleich zwei Mal erfüllt: mittels einer Waffe und einer lebensgefährdenden Behandlung, denn es war nur Glück, dass keine größeren Gefäße im Oberschenkel des Nebenklägers verletzt wurden.

Am Rande kam zur Sprache, dass der mehrfach vorbestrafte Angeklagte in der Haft einem anderen Häftling das Leben gerettet haben soll. Aber auch, dass noch ein Verfahren wegen schweren Raubes bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld gegen den 23-Jährigen läuft. Wegen Fluchtgefahr bleibt er in Haft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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