Sparkurs notwendig

Fünf Pfarrstellen im Kirchenkreis Grafschaft Diepholz unbesetzt

Superintendent Marten Lensch kündigt an, dass die Region Sulingen und die Region West im Kirchenkreis Grafschaft Diepholz auf eine Stell verzichten müssen.
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Superintendent Marten Lensch kündigt an, dass die Region Sulingen und die Region West im Kirchenkreis Grafschaft Diepholz auf eine Stell verzichten müssen.

Im Kirchenkreis Grafschaft Diepholz werden bis Ende des Jahres fünf Pfarrstellen unbesetzt sein: Zum 1. Mai verließ Pastor Burkhard Westphal die Kirchen- und Kapellengemeinde Mellinghausen-Siedenburg. Pastorin Kerstin Wackerbarth verabschiedete sich aus Ströhen. In den Ruhestand ging Ende Juli Pastor Lutz Korn aus der Gemeinde Sankt-Nicolai in Diepholz. Jüngst feierte Pastor Benjamin Fütterer seinen Abschied aus Sulingen, und zum Jahresende wird Pastor Eckhart Schätzel aus Lemförde ebenfalls in den Ruhestand versetzt.

Diepholz – Ob und wann diese Stellen wieder besetzt werden, ist noch unklar, denn aktuell sind die Regionen im Kirchenkreis dazu aufgerufen, Konzepte für die Arbeit bis 2028 zu erarbeiten.

Eine Pfarrstelle kostet 105000 Euro im Jahr

Hintergrund: Die Mitgliederzahlen der Gemeinden sinken seit Jahren, und die Zuweisungen, die der Kirchenkreis von der Landeskirche in Hannover erhält, richtet sich zum großen Teil nach der Gemeindegröße. Für den kommenden Planungszeitraum von 2023 bis 2028 heißt das – Inflation und Gehälterzuwächse eingerechnet – dass der Kirchenkreis im Jahr etwa 500 000 Euro weniger zur Verfügung hat.

„Wir haben alle Haushaltsstellen angesehen, und die Pfarrstellen sind darin der höchste Posten“, erklärt Superintendent Marten Lensch. Eine Pfarrstelle koste pro Jahr rund 105 000 Euro, wobei das nicht nur das Gehalt der Pastoren sei, sondern beispielsweise auch die Kosten für Pensionen und Beihilfen mit dazuzählten. Der Kirchenkreis wolle aber nicht einfach fünf Pastorenstellen streichen. Stattdessen solle alles „durchleuchtet“ werden, um in vielen Bereichen ein wenig zu sparen.

Neubesetzungen definitiv nicht vor 2022

Weil der Kirchenkreis gut gewirtschaftet habe, gingen die ersten Überlegungen der Gremien dahin, dass die Kürzungen erst 2028 greifen und 2,75 Stellen umfassen: Auf eine Stelle verzichten soll die Region Sulingen mit den Gemeinden Schmalförden, Neuenkirchen, Schwaförden-Scholen, Mellinghausen-Siedenburg, Sulingen, Varrel, Barenburg und Kirchdorf. Ebenfalls eine Stelle entfallen soll in der Region West mit den Gemeinden in Barnstorf, Drebber und Diepholz. Die Region Mitte schließlich mit den Gemeinden Lemförde, Burlage, Brockum, Wetschen, Rehden-Hemsloh, Barver, Wagenfeld und Ströhen soll mit einer Dreiviertelstelle weniger auskommen. „Jetzt müssen wir überlegen, wie wir das umsetzen“, so Lensch.

Der Kirchenkreis wolle das nicht „am grünen Tisch“ von oben herab entscheiden, sondern dazu gebe es in jeder Region einen Beratungsprozess. Die Regionen würden jeweils in Treffen ohne Einmischung des Kirchenkreises besprechen, wie sie ihre Arbeit künftig organisieren und welche Schwerpunkte sie setzen möchten. Die Ergebnisse sollten bis Ende des Jahres dem Kirchenkreis vorgelegt werden, damit im Juni 2022 die Kirchenkreissynode darüber beschließen könne. Das bedeutet aber auch: „Neubesetzungen gibt es nicht, solange dieser Prozess läuft.“

Allerdings sei der Kirchenkreis bis Ende des vergangenen Jahres auch nur von zwei Vakanzen ausgegangen. Mit Pastorin Gesa Junglas und Pastor Horst Busch habe man jedoch zwei Springer im Kirchenkreis. Pastor Michael Steinmeyer leiste neben seiner Pfarrstelle Springerarbeit, und Pastorin Edith Steinmeyer werde ihre Vertretungsstunden aufstocken.

Zoom bringt der Kirche eine neue Zielgruppe

Für die Konzepte zur Einsparung gebe es von der Landeskirche verschiedene Möglichkeiten der Zusammenarbeit, vom verbundenen Pfarramt als „mildester Stufe“ über Gemeindeverbände und Gesamtkirchengemeinden bis hin zu Fusionen. „Von Fusionen halte ich nichts“, betont der Superintendent, „aber alle anderen Stufen müssen bedacht werden.“ Wichtig sei, dass alle Gemeinden wissen sollten, wer ihr Pastor sei, und dass es überall auch Gottesdienste gebe. „Die große Aufgabe der Gemeinde ist es, den Blick nicht nur auf dem eigenen Kirchenturm zu belassen, sondern die Kräfte zu bündeln und verantwortlich für ganze Region zu denken.“

Von Fusionen halte ich nichts.

Marten Lensch, Superintendent

Gleichzeitig mit der Stellenplanung würden auch Konzepte entwickelt für Verkündigung, Seelsorge und Kinder- und Jugendarbeit. Die laufe oft schon auf Kirchenkreisebene, und Gottesdienste könnten eventuell die regionale Zusammenarbeit stärken. Mit den Erfahrungen der Pandemie würden auch Gottesdienste im Internet bedacht: „Wir haben über Zoom Menschen zusammengebracht, die wir vorher nicht erreicht haben.“ Verstärkt werden solle auch die Arbeit für die „jungen Erwachsenen“ zwischen 25 und 40 Jahren. Es müssten neue Ideen und Angebote entwickelt werden, um mit weniger Hauptamtlichen für die Menschen da zu sein, aber „wir haben einen aktiven und schönen Kirchenkreis, und die Kollegen haben moderne Ideen.“

Kirchenkreis Syke-Hoya hat ähnliche Sorgen

Der Kirchenkreis Syke-Hoya hat auf einer Kirchenkreissynode vor wenigen Monaten von fünf vakanten Pfarrstellen gesprochen. Im Interview mit der Kreiszeitung erklärte der dortige Superintendent Jörn-Michael Schröder: „Einerseits wollen wir uns die Stellen im aktuellen Umstrukturierungsprozess noch einmal genau anschauen. Wenn alle Aufgabenfelder von Hauptamtlichen besetzt sind, gibt es keine Möglichkeit mehr für Ehrenamtliche, sich einzubringen. Deswegen haben wir gesagt: Wir schauen noch mal, für was wir Pastoren brauchen und für was nicht. Der zweite Aspekt: Wir wollen nicht Stellen besetzen, bei denen wir nicht wissen, ob wir sie im neuen Planungszeitraum des Kirchenkreises von 2023 bis 2028 auch halten können.“ Auch nannte er Finanzzahlen: Bis 2028 muss der Kirchenkreis Syke-Hoya etwa drei Millionen Euro einsparen. Allein 2028 werden es im Vergleich zum aktuellen Jahres-Etat 820 000 Euro sein.

Dass diese Entwicklung schon am Ende ist, sieht Lensch nicht: „Mein frommer Wunsch wäre, dass es so wie 2028 bleibt, aber die Realität ist eine andere.“

Die Landeskirche verliere pro Jahr etwa zwei Prozent Mitglieder, wobei der ländliche Raum etwas stabiler sei. Der Schnitt der Mitglieder pro Pastor werde gleich bleiben, und auch der Wunsch, überall Gottesdienste und Konfirmandenunterricht zu haben, bleibe gleich. Die Verantwortung für Ehrenamtliche werde dabei immer größer, aber „Kirche verändert sich immer wieder.“

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