Vor 120 Jahren: Einer der schwersten Brände der Stadtgeschichte

Fünf Diepholzer Wohnhäuser abgebrannt

Der Hof Jungblut am Scheurenkamp in Diepholz. Die Feuerwehr konnte bei dem Großbrand im Jahr 1901 verhindern, dass die Flammen auf das Wohn- und Wirtschaftsgebäude übersprangen.
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Die Feuerwehr konnte bei dem Großbrand im Jahr 1901 verhindern, dass die Flammen auf das Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Familie Jungblut (heute Am Scheurenkamp 1) überspringen. So existiert der Hof Jungblut, der laut Balkeninschrift 1748 von der Familie Bissendorf errichtet wurde, noch heute. Aktuell steht das Gebäude leer.

Diepholz – Einer der schwersten Brände der jüngeren Diepholzer Stadtgeschichte ereignete sich am 21. Mai 1901. Dabei wurden fünf Wohnhäuser auf den Kohlhöfen in Schutt und Asche gelegt. Mehrere Familien verloren ihr gesamtes Hab und Gut, aber wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Die Diepholzer Kreiszeitung berichtete damals ausführlich über das Ereignis. Der Diepholzer Stadtarchivar Kim Oliver Lange hat die Information über dieses dramatische Ereignis und die Hilfsbreitschaft, die Opfer von Diepholzer erfuhren, zusammengestellt:

Etwa um halb 12 Uhr Mittags ertönte plötzlich das Alarmsignal der freiwilligen Feuerwehr, die Sturmglocke (Feuerglocke) ließ ihre dumpfen Schläge erschallen und die Lokomotiven auf dem Bahnhof machten durch unaufhörlich sich wiederholende Pfiffe aufmerksam.“ Zunächst brannte das Wohnhaus des Dachdeckers Wilhelm Jacobs, das erst um die Jahrhundertwende fertiggestellt worden war. Noch bevor die erste Hilfsmannschaft eintraf, stand auch das unmittelbar angrenzende Nachbarhaus des Lokomotivführers Tappe lichterloh in Flammen.

Vom Großbrand vor 120 Jahren in der Diepholzer Innenstadt, der fünf Wohnhäuser in Schutt und Asche legte, war dieser Bereich zwischen Kohlhöfen und Scheurenkamp betroffen. Grafik: Stadtarchiv Diepholz

Der anhaltend starke Ostwind und die große Trockenheit begünstigten die Ausbreitung des Feuers, die auch durch die vier eiligst herangebrachten Ortsspritzen nicht gestoppt werden konnte. Durch den starken Funkenflug geriet das nur wenige Meter entfernt liegende Wohnhaus des Färbers Fritz Oker ebenfalls in Brand. Die Wohnhäuser von Musikus Hermann Hackmann und Alt-Bürgermeister Christian Müller konnten vermutlich nur gerettet werden, weil die Ziegeldächer der Gebäude mit Zement bestrichen waren. Als nächstes gerieten das Wohnhaus des Tischlermeisters Louis Rustmann und das Doppelheuerlingshaus des Ackerbürgers Heinrich Jungblut in Brand, in dem die Mieter Strunk und Bruse wohnten. Beide Gebäude, die nur durch eine schmale Straße (heute „Am Scheurenkamp“) getrennt waren, brannten fast zeitgleich nieder. Für sie kam jede Hilfe zu spät.

Haus am Scheurenkamp gerettet

Erst durch das Eintreffen der Feuerspritzen aus Sankt Hülfe-Heede, Aschen, Drebber, Wetschen, Cornau, Barnstorf und Lembruch konnte ein weiteres Ausbreiten des Großbrandes verhindert werden.

Ohne diese Verstärkung wäre das Feuer als nächstes auf das Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Familie Jungblut (heute „Am Scheurenkamp 1“) übergesprungen. So existiert der Hof Jungblut, der laut Balkeninschrift im Jahre 1748 von der Familie Bissendorf errichtet wurde, aber vermutlich älter sein dürfte, noch heute. Aktuell steht das Gebäude leer, aber es wird nicht mehr lange dauern, bis der Abrissbagger sich dieses Kleinods Diepholzer Stadtgeschichte annehmen wird.

Der Diepholzer Männergesangverein veranstaltete 1901 ein Wohltätigkeitskonzert für die Menschen, die durch den Brand alles verloren hatten. Darauf wies damals diese Anzeige in unserer Zeitung hin.

Über die Brandursache berichtete die Kreiszeitung, dass das Feuer im Stall der Familie Jacobs ausgebrochen war, in dem Bohnenstangen gelagert wurden. „Vor allen Dingen sind aber trotz der großen Gefahr keine Menschenleben zu beklagen, und wie ein Wunder ist es zu betrachten, wie einige Kinder, die krank im Bett lagen, gerettet worden sind. (…) Die ihres Obdachs auf so traurige Weise beraubten Familien sowie deren Mitbewohner haben bei Nachbarn und Bekannten vorläufige Unterkunft gefunden.“

Wohltätigkeitskonzert in der Kaiserhalle

Um den in Not geratenen Familien zu helfen, veranstaltete der Männergesangsverein am 2. Juni 1901 ein Wohltätigkeitskonzert. Für die Veranstaltung, die im Saal der damaligen Kaiserhalle Auf dem Esch (Inhaber Ernst Vogelsang) stattfand, konnte der Tenor Adolf Weißbarth aus Bremen gewonnen werden. Für die gute Sache verzichtete er sogar auf sein Honorar. Der Konzerterlös lag bei über 200 Mark, von dem der Großteil an die Mieter des Jungblut´schen Nebenhauses floss. Diese hatten nicht nur ihr gesamtes Hab und Gut verloren, sondern als einzige auch keine Versicherungspolice abgeschlossen, so der Bericht von Stadtarchivar Kim Oliver Lange.

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