Großvater war von 1942 bis 1945 Kriegsgefangener in Diepholz

Franzosen auf Spurensuche

Die beiden jungen Franzosen Clement Leger (rechts) und Martial Nouhaud suchen auf ihrer Radtour durch Niedersachsen nach Informationen über das Leben von Martials Großvater, Pierre Fleurat, der von 1942 bis Kriegsende als Zwangsarbeiter auf Höfen in der Umgebung des Diepholzer Flugplatzes eingesetzt war. Foto: Zellhorst

Diepholz – Zwei Franzosen auf Spurensuche: Mit schwer bepackten Fahrrädern sind Martial Nouhaud und Clement Leger derzeit in Norddeutschland unterwegs. Auch in Diepholz suchten die beiden 33-Jährigen Hinweise auf Martial Nouhauds Großvater. Dieser war nach Informationen des Enkels im Zweiten Weltkrieg Kriegsgefangener in Diepholz.

Die beiden Freunde unternehmen jedes Jahr eine große Fahrradtour durch verschiedene Regionen Europas. Clement Leger wohnt in München und arbeitet als Ingenieur für erneuerbare Energien. Martial Nouhaud lebt in Limoges als Entwickler für Sportartikel und Sportbekleidung. In diesem Jahr hatten es sich die beiden Franzosen zur Aufgabe gemacht, möglichst viel über Martials Großvater herauszubekommen.

Pierre Fleurat, geboren 1912, sei in den Kriegsjahren 1940 bis 1945 als Zwangsarbeiter in Norddeutschland eingesetzt gewesen. Vom 31. August 1942 an bis zum Kriegsende habe er auch in der Umgebung des Flugplatzes Diepholz auf verschiedenen Höfen als Landarbeiter tätig sein müssen. Von einer zentralen Unterkunft aus, so viel hatten die beiden Freudne bisher herausbekommen, wurden die Zwangsarbeiter zu ihren Arbeitsstellen gebracht und abends zurück zum Vollzähligkeitsappell in die Unterkunft.

Am 6. April 1945 sei Pierre Fleurat dann befreit worden und zunächst zu Fuß nach Osnabrück, dann mit der Bahn nach Bremen und dann mit dem Flugzeug über Brüssel und Paris zurück in seine französische Heimat gekommen.

Martial Nouhaud und Clement Leger hatten schon eine Nacht im Hotel Jagdhorn in Heede verbracht. Ihr Weg führte sie am nächsten Tag in die Diepholzer Innenstadt – genauer in die Körstube im Alten Rathaus. Dort fragten sie den Wirt, Muthiah „Muru“ Murugavel, ob er ihnen weiterhelfen könne. „Muru“ nahm sich ihrer Sache sofort an und fragte die anwesenden Gäste, woher sie weitere Informationen erhalten könnten.

Versehen mit guten Ratschlägen und Wünschen und der Telefonnummer des früheren Stadtarchivars Falk Liebezeit verließen die Franzosen die Diepholzer Gaststätte im Alten Rathaus. Liebezeit erreichten sie krankheitsbedingt nicht.

Am nächsten Tag konnte ihnen der neue Archivar im Diepholzer Rathaus, Kim-Oliver Lange, nicht viel weiterhelfen, da er im Archiv nichts finden und auch keine Verbindung zu Zeitzeugen herstellen könne. Er kenne keine – sie gebe es wohl auch nicht mehr.

Also machten sich die beide Franzosen auf in die Umgebung des Fliegerhorstes, um dort vielleicht jemanden zu finden, der die eine oder andere Antwort auf ihre Fragen geben könnte.

So kamen sie an die Tür von Sabine Leukert und Wolfgang Zellhorst am Lehmder Damm. Jedoch konnten diese ihnen auch nicht wirklich weiterhelfen, weil Sabine Leukert erst 1945 als zweijähriges Flüchtlingskind und Wolfgang Zellhorst erst 1978 als Soldat nach Diepholz kamen.

Von den Bewohnern der Graftlage aus dieser Zeit gibt es niemanden mehr. Telefonische Nachfragen bei den Nachbarn ergaben nichts Neues.

Clement Leger und Martial Nouhaud hoffen nun, über unsere Zeitung die Lücken im Bild des Lebens von Pierre Fleurat in Diepholz füllen zu können.

Wenn sich jemand an den damaligen Kriegsgefangenen erinnert oder anderweitig Informationen über ihn hat, kann sich an Wolfgang Zellhorst, Tel. 0172/4585462, E-Mail wolfgangzellhorst@web.de, wenden.   wz

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