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Flüchtlinge aus der Ukraine mit Bus aus Diepholz in Sicherheit

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Von: Eberhard Jansen

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Ankunft der ersten Flüchtlinge aus der Ukraine in Diepholz. Andreas Pörschke (links), der sie aus Polen abholte, mit Ulrich Preen von der HSG Hunte-Aue Löwen sowie Jelena und Sofia V. aus Kiew.
Ankunft der ersten Flüchtlinge aus der Ukraine in Diepholz. Andreas Pörschke (links), der sie aus Polen abholte, mit Ulrich Preen von der HSG Hunte-Aue Löwen sowie Jelena und Sofia V. aus Kiew. © Jansen

Der Diepholzer Andreas Pörschke hat in einer spontanen Aktion Flüchtlinge aus der umkämpften Ukraine mit seinem Bus an der polnisch-ukrainischen Grenze abgeholt. Mit einigen von ihnen kam er in Diepholz an.

Diepholz – Drei Tage verbrachten Jelena V. und ihre Tochter Sofia in Kiew in einem Keller, suchten dort Schutz vor Schüssen, Bomben und Raketen der Russen. Dann sahen sie eine Gelegenheit zur Flucht aus der Ukraine. Es musste alles ganz schnell gehen. „Wir hatten nur fünf Minuten Zeit, sind in unsere Wohnung, haben einige Dinge mitgenommen, haben die Tür abgeschlossen und sind geflüchtet.“ Die 40-jährige Jelena weint, als sie das erzählt.

Drei Tage in Kiew im Keller

Mit ihrer zwölf Jahre alten Tochter steht sie in Diepholz an der Hinterstraße. Dort sind beide zusammen mit etwa zwölf anderen Flüchtlingen aus dem Bus gestiegen, mit dem der Diepholzer Unternehmer Andreas Pörschke am Montagmorgen an die polnisch-ukrainische Grenze gefahren war, um Menschen aus dem Kriegsgebiet in Sicherheit zu bringen. Am Mittwoch gegen 11 Uhr war er wieder zurück.

Mit 46 Menschen aus der Ukraine war er tags zuvor in Polen nahe der Stadt Przemysl gestartet. Viele der Passagiere wollten nicht nach Diepholz, sondern in andere Orte, wo sie Verwandte oder Bekannte haben. So stiegen sie in Warschau, Berlin oder Potsdam aus dem Bus. Auch die noch 14 im Bus verbliebenen Flüchtlinge – darunter einige Kinder – sahen Diepholz nicht als ihr Ziel an. Einige wollten mit anderen Verkehrsmitteln nach Kaiserslautern weiterfahren, zwei junge Männer nach Dänemark.

Helfer aus Wetschen

Jelena und Sofia wollten nach Wuppertal. Dort lebt Jelenas Mann und Sofias Vater schon seit Längerem, um zu arbeiten. Dass seine Frau und seine Tochter nach Deutschland kommen, war vor dem Krieg in der Ukraine nicht geplant. Nach dem unerwarteten russischen Angriff mussten sie ihre Wohnung zurücklassen und wissen nicht, was aus ihrer Heimat wird. Um Jelena und Sofia mit seinem Auto nach Wuppertal zu fahren, stand René Bellmann aus Wetschen bereit. Er hatte über die Aktion gelesen und auf Facebook seine Hilfe angeboten.

Alle reisen weiter

In Diepholz blieb keiner der mit Pörschkes Bus angekommenen Ukrainer. Für eine Frau, ihren Vater und ihre zwei Kinder war zunächst noch keine Bleibe gefunden. Doch dieses Problem war schon bei der Rückkehr des Busses gelöst. Nach einem Aufruf im Internet meldete sich Catrin Huntemann aus Wildeshausen. „Ich habe drei Zimmer frei“, sagte sie, als sie am Mittwoch nach Diepholz gekommen war, um die vier Flüchtlinge abzuholen.

Gemeinsames Frühstück

Erste Station der Menschen aus dem Kriegsgebiet nach ihrer Ankunft in Diepholz war das „Alte Stadtcafé“ in der Fußgängerzone. Dorthin hatte sie Andreas Pörschke zu einem gemeinsamen Frühstück eingeladen, bevor sich die Wege dann trennten. Noch am Bus half die Diepholzer Klavierlehrerin Monika Zilke, die Russisch spricht, als Übersetzerin. Die zwölfjährige Sofia aus Kiew hatte im Bus schon sprachliche Hürden überbrückt und ihre Englischkenntnisse genutzt.

HSG unterstützt die Aktion

Andreas Pörschkes Hilfsaktion wurde von der Handballspielgemeinschaft (HSG) Hunte-Aue Löwen unterstützt, deren Sponsor der engagierte Unternehmer ist. Mit Pörschkes schwarzem Bus mit HSG-Diepholz-Werbung wird normalerweise die Handball-Damenmannschaft („HSG Lady Lions“) zu Spielen gefahren. Als HSG-Vertreter half Ulrich Preen bei der Organisation mit.

„Coole Sache“

Nach der Hilfsaktion hat der Bus des Sponsors rund 3 000 Kilometer mehr auf dem Tacho. Besondere Vorkommnisse auf der langen Fahrt habe es nicht gegeben, so Andreas Pörschke, der die Kosten übernahm. Das Fazit des 53-Jährigen: „Es war eine coole Sache – aber doch sehr anstrengend.“

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