An fünf möglichen Windkraft-Standorten werden jetzt Vögel gezählt

Was fliegt da alles?

Der Windpark im Sankt Hülfer Bruch: Eine Ausweitung hier zählt zu den zwei Favoriten der Planer. Im Hintergrund sind Anlagen auf Rehdener Gebiet zu sehen. Foto: Reckmann

Diepholz - Von Sven Reckmann. Die Stadt Diepholz will zusätzliche Flächen für Windenergienutzung ausweisen. Aber verträgt sich das auch mit dem Artenschutz? Dazu sollen in den kommenden Monaten avifaunistische Untersuchungen – also genaue Vogel-Erfassungen – sowie Fledermausuntersuchungen auf möglichen Windkraftflächen im Süden der Stadt beginnen.

Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Umwelt sprach sich am Mittwoch einstimmig dafür aus, für fünf der neun bislang betrachteten möglichen Windkraft-Standorte im Diepholzer Süden artenschutzrechtliche Untersuchungen in Auftrag zu geben.

Es sind dies: Prüfraum 1 (südwestlich Fliegerhorst), Prüfraum 5 (Sankt Hülfer Bruch), Prüfraum 6 (südliche Stadtgrenze, Bereich Diepholzer Bruch), Prüfraum 7 (westlich und östlich Wasserzug Lohne) mit Teilbereich des Prüfraums 8; Prüfraum 9 (südlicher Stadtrand, östliche Hunte).

Hier wird es demnächst also genaue Erfassungen zu Brut- und Gastvögeln, dem Vogelzug sowie Fledermausuntersuchungen geben. Damit soll geprüft werden, ob der Planung in diesen Räumen „artenschutzrechtliche Verbots-Tatbestände“ entgegenstehen, wie es heißt.

„Innerhalb dieser Flächen sollte die am Ende erforderliche Konzentrationszone zu finden sein“, sagte Dr. Ulrike Schneider vom Planungsbüro P3 aus Oldenburg in ihren Erläuterungen.

Auch das Verfahren zur Flächennutzungsplanänderung kommt voran: Die Bürger und die Träger öffentlicher Belange (beispielsweise Behörden) hatten bis zum 26. Februar Zeit gehabt, ihre Stellungnahmen abzugeben. Und sie haben, das ließ Schneider durchblicken, davon rege Gebrauch gemacht. Die Planerin sprach von „umfänglichen Stellungnahmen“, die aufgearbeitet und im weiteren Verlauf des Verfahrens abgewogen werden müssen.

Schneider gab eine kurze Zusammenfassung, eine Art Zwischenstand: Die Flächeneigentümer seien „überwiegend interessiert“, die Anwohner eher dagegen. Es habe baurechtliche, archäologische, naturschutzrechtliche sowie wasserwirtschaftliche Hinweise gegeben, ebenso ein „massives Schreiben“ der Samtgemeinde Lemförde, die negative Auswirkungen auf den Tourismus am Dümmer befürchtet.

„Vom Trend her nichts, was uns aus dem Gleis wirft“, sagte Schneider, was also die Grundstruktur der Planung betreffe.

Für vier Flächen würden laut der Beschlussempfehlungen keine avifaunistischen Untersuchungen beziehungsweise Fledermausuntersuchungen vorgenommen werden. „Diese Flächen würden im Laufe des weiteren Flächennutzungsplanverfahrens nicht weiter betrachtet werden, da die Untersuchungen als wichtige Grundlage nicht vorliegen“, heißt es in der Sitzungsvorlage der Verwaltung dazu. Es sind vier Flächen, die sich im Ranking als weniger geeignet darstellen: Der Prüfraum 3 (westlich der Bahn, Bereich Kuhbartswiesen), der Prüfraum 4 (östlich Bahn, Bereich Heede) sowie der Prüfraum 8 (Bereich zwischen Heeder Bruch und Graftlage) hätten sich aufgrund ihrer Größe und ihrer teilweisen oder vollständigen Lage im Überschwemmungsgebiet im Ranking als weniger geeignet erwiesen.

Der Prüfraum 2 (südöstlich des Fliegerhorstes) wird nach einer entsprechenden Stellungnahme des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr von den Planern mittlerweile „sehr kritisch“ gesehen, erklärte Schneider. Die Fläche falle in den Bereich des militärischen Radars des Fliegerhorstes. Das veranlasse dazu, den Prüfraum 2 nicht weiter zu betrachten, da die Störung der Funktionsfähigkeit von Radaranlagen einen „schwer zu gewichtenden öffentlichen Belang“ darstellt.

Da die Brutvogelerfassung spätestens zum 15. März beginnen sollte, war jetzt Eile mit der Entscheidung gefragt. „Wir müssen jetzt anfangen, obwohl wir noch nicht wissen, welche Standorte es werden“, sagte Dr. Schneider.

Diesen Weg wollten auch die Ausschussmitglieder mitgehen. „Jetzt mit diesen fünf Räumen in die Prüfung zu gehen ist besser, als hinterher einen zu wenig geprüft zu haben“, sagte Manfred Albers für die SPD.

„Wir wollen steuern und keinen Wildwuchs“, machte Gerhard Albers die Richtung der CDU klar.

Mathis Langhorst (beratendes Mitglied) verwies darauf, dass im Regionalen Raumordnungsprogramm ein Abstand von 3 000 Metern zwischen Windparks gefordert werde. „Das ist ein Abwägungsbelang“, meinte die Planerin dazu, das heißt: unter bestimmten Umständen können die Abstände auch geringer sein.

Bürgermeister Florian Marré verwies darauf, wie intensiv man sich mit dem Verfahren auseinandersetze. „Wir werden nicht alle Bürger zufriedenstellen können, aber die Ernsthaftigkeit der Belange der Bürger ist allen klar in Rat und Verwaltung.“

Gezielt Flächen ausweisen: Mit der Aufstellung des „Sachlichen Teilflächennutzungsplans Windenergie (83. Änderung des Flächennutzungsplanes)“ will die Stadt Bereiche ausweisen, in denen solche Anlagen zur Stromerzeugung gebaut werden können. Ohne in einem „Sachlichen Teilflächennutzungsplan“ ausgewiesene Bereiche besteht die Möglichkeit, dass Landwirte im Rahmen ihrer baurechtlichen Privilegierung auf ihren Grundstücken Windkraftanlagen errichten können. Die Stadt kann dann nicht steuernd eingreifen, sofern die Bauherren Naturschutzrichtlinien und Abstandsregeln beachten.

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