Firmen im Verein – damit Familien profitieren

Neuer Verbund plant Strategien für Vereinbarkeit von Beruf und Privataufgaben

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Christian Willnat und Silja Ostermann arbeiten zusammen im Verbund familienfreundlicher Unternehmen , der im Landkreis Diepholz im März gegründet worden ist – als Verein. 

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Im Nachbar-Landkreis Vechta hat er bereits 120 Mitglieder. „Da muss man sich bewerben“, berichtet Silja Ostermann, Leiterin der Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft, über den Aufnahmestopp im Verbund familienfreundlicher Unternehmen – ein Verein für Firmen, die neue Mitarbeiter gewinnen und bewährte halten möchten, in dem sie Müttern, Vätern oder pflegenden Angehörigen die Vereinbarkeit von Beruf und privaten Herausforderungen ermöglichen. Einen solchen Verbund gibt es nun auch im Landkreis Diepholz – zurzeit zehn Firmen stark.

Doch so schnell wie möglich soll der Verein wachsen. Daran arbeiten Vorsitzender Christian Willnat sowie seine Stellvertreterin Karola Grill-Lüdeker und Silja Ostermann. „Wir fangen an, uns zu finden“, beschreibt die Leiterin der Koordinierungsstelle die aktuelle Lage – und freut sich, dass sowohl der Landkreis als auch die Koordinierungsstelle selbst Mitglieder dieses Vereins sind.

Noch ein Verein im Landkreis der Vereine – macht das Sinn? Davon ist Silja Ostermann überzeugt, weil es solche Verbünde in allen Landkreisen mit einer Koordinierungsstelle gebe. „Im Emsland zum Beispiel läuft das auch sehr erfolgreich.“ Denn in diesem Verbund könnten sich Firmen über die besten Möglichkeiten austauschen, wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ganz praktisch laufen kann.

Christian Willnat, Prokurist des Diepholzer Lokomotivbau-Unternehmens Schöma, kann gleich zwei praktische Beispiele aus seinem Unternehmen nennen. „Wir bieten unseren Mitarbeitern bis zu zehn Tage bezahlten Urlaub pro Jahr an, wenn die Kinder krank sind“, berichtet er. Die Krankschreibung müssten die Mütter und Väter vorlegen – aber nicht mit dem Krankengeld Vorlieb nehmen. „Und wir sparen Aufwand, weil wir das nicht in die Gehaltsabrechnungen einarbeiten müssen.“

150 Mitarbeiter abeiten bei Schöma. Sie haben genauso die Möglichkeit, bis zu zwei Monate nur halbtags zu arbeiten – wenn Mütter und Väter die Kinderbetreuung nachweislich nicht anders regeln können oder ein Familienmitglied gepflegt werden muss. „Das muss im Vorfeld natürlich abgesprochen werden“, beschreibt Willnat den Planungsbedarf für das Unternehmen.

Weil die Regelung noch ganz neu ist, hat die Firma noch keine konkreten Erfahrungen in der Umsetzung gemacht. Anders als bei den zehn Tagen bezahlten Urlaub für die Betreuung kranker Kinder: „Es ist nicht mehr geworden“, vergleicht Willnat die Resonanz mit der früheren Krankengeld-Regelung.

Familienfreundlichkeit – sie ist in Zeiten des Fachkräftemangels ein Pfund, mit dem ein Unternehmen wuchern kann, ist sich Silja Ostermann sicher. Denn obwohl 52 Prozent der Hochschulabsolventen Frauen seien, läge die Vollzeitquote der weiblichen Beschäftigten nur bei 29 Prozent, sagt die Leiterin der Koordinierungsstelle – und zieht den Schluss: „Wir haben viele Frauen, die super qualifiziert sind.“ Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen seien zwei Gründe dafür, warum sie ihr Potenzial nicht nutzen. „Aber auch das tradierte Rollenbild“, vermutet Silja Ostermann einen weiteren Grund.

Ingenieure sind schwer zu finden

Ist der Fachkräftemangel auch bei Schöma schon zu spüren? „Wir haben zurzeit vier Stellen ausgeschrieben“, antwortet Willnat. „Facharbeiter in unserem Bereich findet man noch. Bei einem Ingenieur ist das in unserer Gegend schon schwieriger.“

Eine mögliche Mitarbeiterin hatte er bereits beim „Nicht-nur-Muttertag“ in Diepholz gefunden – einem speziellen Forum für Frauen, die den Wiedereinstieg in den Beruf planen (wir berichteten). „Wir führen in Kürze das zweite Bewerbungsgespräch“, so der Prokurist. Dabei gehe es um Fertigkeiten und Kenntnisse im Team.

Silja Ostermann glaubt fest daran, dass der Erfahrungsaustausch im neuen Verein und regelmäßig geplante Veranstaltungen zu einer Win-win-Situation für Arbeitgeber und Arbeitnehmer führen können.

So ist am 20. September im Lemförder Unternehmen Shera ein Forum zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf geplant – mit Thementischen sowohl aus der Sicht der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer. Als Impulse für eine noch zu erarbeitende Zukunftsstrategie sollen Wünsche und Ideen gesammelt werden, auch wenn sie zunächst unrealistisch erscheinen.

Ganz realistisch formulierte die Koordinierungsstellen-Leiterin dagegen ihre Prognose für die hoffentlich wachsende Mitgliederzahl des Vereins: „Zehn weitere bis zum Jahresende wären schön.“

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