Fast 5000 Flüge im Jahr

Flugplatz Diepholz-Dümmerland vor 20 Jahren eröffnet

Der zivilen Flugplatz Diepholz- Dümmerland, wie sie sich 2020 präsentiert. Links der Tower, darunter das „Café Weitblick“ mit seiner großen Terrasse. In der Mitte die Werft- und Flugzeughalle. Rechts die Halle für zwölf Kleinflugzeuge und rechts die Tankstelle. Ein Jet rollt gerade auf dem Vorfeld, um durch das Rolltor in den militärischen Bereich zur Startbahn zu kommen.  
Foto: Andi Hollweg/Aeroclub
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Der zivilen Flugplatz Diepholz- Dümmerland, wie sie sich 2020 präsentiert. Links der Tower, darunter das „Café Weitblick“ mit seiner großen Terrasse. In der Mitte die Werft- und Flugzeughalle. Rechts die Halle für zwölf Kleinflugzeuge und rechts die Tankstelle. Ein Jet rollt gerade auf dem Vorfeld, um durch das Rolltor in den militärischen Bereich zur Startbahn zu kommen.

Diepholz – Der zivile Flugplatz Diepholz-Dümmerland (fdd) hat am Montag, 6. Juli, „runden Geburtstag“: Vor genau 20 Jahren öffnete sich das 20 Meter breite Rolltor zwischen dem militärischen Flugplatz Diepholz und dem neu erbauten zivilen Bereich der fdd im Süden des Fliegerhorstes zum ersten Mal, um einem zivilen Luftfahrzeug das Rollen zur 1 283 Meter langen Piste zum Start zu ermöglichen.

Wolfgang Zellhorst, damaliger Geschäftsführer des fdd, erinnert sich und schrieb für unsere Zeitung diesen Bericht:

„Auslöser für die Erweiterung des militärischen Fliegerhorstes zu einem auch zivil genutzten Flugplatz war die Wende im Jahr 1989. Plötzlich war Deutschland nicht mehr potenzielles Ziel des Warschauer Paktes (dem östlichen Gegenüber der Nato) und die Notwendigkeit, die militärischen Sicherheitsbereiche gegen jeden Zutritt von außen zu schützen, war nicht mehr gegeben.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte es nur für einen sehr eingeschränkten Kreis von Mitgliedern des Aeroclubs Diepholz (Motorsportflieger) und dem Diepholzer Luftsportverein (Segelflieger) die Möglichkeit gegeben, unter Einhaltung strenger Sicherheitsbestimmungen ihren Sport auf dem militärischen Gelände auszuüben.

Militärischer Teil wird mitgenutzt

Bei vielen zivilen Mitnutzern von militärischen Flugplätzen gab es nun die Überlegung, warum man nicht die mit viel Steuergeldern erbaute und erhaltene militärische Flugplatz-Infrastruktur auch für die allgemeine Luftfahrt und die regionale Wirtschaft nutzen könnte. So gründete man an mehreren militärischen Flugplatz-Standorten Betreibergesellschaften, die mit der Bundeswehr-Verwaltung in Verhandlungen zur zivilen Mitbenutzung der militärischen Flugplätze eintraten.

Dies geschah auch in Diepholz, wo sich Mitglieder des Aeroclubs, des Diepholzer Luftsportvereins und an der zivilen, fliegerischen Nutzung des Diepholzer Flugplatzes Interessierte zu einer Betreibergesellschaft zusammenschlossen. Als damaliger Leiter des militärischen Towers und aktives Mitglied des Aeroclubs Diepholz übernahm ich zunächst nebenberuflich die Aufgabe als Geschäftsführer dieser Gesellschaft. Ich führte dann seit Mitte 1992 jahrelange Verhandlungen mit der Wehrbereichsverwaltung Hannover. Diese gestalteten sich sehr langwierig und schwierig. 1995 fror die Bundeswehrverwaltung die Verhandlungen mit der fdd ein, weil das Verteidigungsministerium in Bonn nicht entscheiden konnte, was mit dem Fliegerhorst militärisch werden sollte. Erst Mitte 1997 gab Bonn wieder grünes Licht für die Fortsetzung der Verhandlungen, die dann im Juli 1999 zur Unterschrift unter den Mitbenutzungsvertrag führten.

Zwischenzeitlich suchten wir Interessierte, Sponsoren und Unterstützung bei der Wirtschaftsförderung in der Region. Dem Argument, dass ein so großer Flugplatz in der nordwestdeutschen Region doch ein wirtschaftlich vielversprechendes Wirtschaftspotenzial hab, verschlossen sich bis auf die Grünen keine politischen Kräfte in Stadt und Kreis Diepholz.

Mithilfe der Wirtschaftsförderung der Kreisverwaltung in Diepholz, der Unterstützung durch den Landkreis Vechta und dem finanziellen Engagement von Firmen und auch Einzelpersonen der Region konnte das zum Bau der zivilen Infrastruktur benötigte Geld aufgebracht werden.

Nach der Vertragsunterzeichnung am 6. Juli 1999 wurde umgehend mit dem Bau begonnen.

Ein Towergebäude (die Kanzel wurde gebraucht in Bielefeld gekauft und auf dem Straßenweg in einem Stück nach Diepholz gebracht), eine Flugzeughalle für zwölf Kleinflugzeuge, eine Tankstelle und das Vorfeld wurden gebaut und über ein Rolltor an den militärischen Bereich angeschlossen.

An der feierlichen Eröffnung am 6. Juli 2000 nahmen zahlreiche Vertreter von Politik, Wirtschaft und militärischer Verwaltung und die Vertreter des „Hausherrn“ – der Bundeswehr – teil. Diese konnten dabei den Start eines zweimotorigen Flugzeuges der Firma Grahl aus Sulingen miterleben, das mit einigen Zwischenstopps drei Tage später in den USA landete.

Für Flugzeuge bis 20 Tonnen Abfluggewicht

Seitdem war und ist es möglich, mit zivilen Luftfahrzeugen – Propellermaschinen und Jets bis 20 Tonnen Abfluggewicht – jeden Flugplatz in Europa von Diepholz aus direkt anzufliegen oder von dort direkt nach Diepholz. Dies jedoch nur als Charterflug, weil sich aufgrund der geringen Dichte von Bevölkerung und regionaler Wirtschaft ein Linienbetrieb nicht rechnet.

Ein „Highlight“ in der Geschichte des nun 20-jährigen zivilen Flugplatzes Diepholz- Dümmerland war das Flugplatzfest im August 2001 mit über 10 000 Besuchern. Star dieser Großveranstaltung war der Zeppelin der ZF Friedrichshafen, der vom Bodensee in Etappen angereist und am Diepholzer Himmel unübersehbar war.

Die „Lemförder Fahrwerktechnik“ (heute ZF) war in der Aufbau- und Anfangsphase des jungen zivilen Mitbenutzers des Fliegerhorstes Diepholz (fdd) der Hauptgesellschafter der GmbH & Co. KG. Ohne die Unterstützung und das Engagement ihres damaligen Chefs, der Diepholzer Bernd Habersack, wäre das Projekt wohl nicht zum Erfolg geführt worden. Auf Vermittlung von Heinz Döring konnte ich ihm das Projekt bei einem Stammtischtreffen in der Münte vorstellen.

Im Jahr 2003 wurde eine weitere, größere Flugzeughalle erbaut, die von einem von der fdd betriebenen luftfahrttechnischen Betrieb zur Wartung und Reparatur von Flugzeugen genutzt wurde. Diese Flugzeugwerft hat allerdings ihren Betrieb wieder eingestellt. In dieser Halle sind nun zwei zweimotorige Turboprop-Luftfahrzeuge zu Hause. Zudem steht darin ein Helikopter der deutschlandweit operierenden Firma Rotorflug, die am Diepholzer Flugplatz einen Stützpunkt unterhält und von Diepholz aus unter anderem zu Pipeline--Überwachungsflügen startet.

Einen nicht unbeträchtlichen Teil der fast 5 000 zivilen Flüge, die jährlich Diepholz anfliegen, ist neben den Schulflügen verschiedener Flugschulen der Region auf das Angebot der Flugzeug- Tankstelle am Flugplatz im Süden von Diepholz zurückzuführen. Fast alleinstehend im nordwestdeutschen Raum, bietet sie drei verschiedene Flugzeug-Treibstoffe an,

Hausherr des Flugplatzes ist und bleibt die Bundeswehr. Die Symbiose zwischen militärischem Halter und zivilem Mitbenutzer hat für beide Seiten nur Vorteile. Ein Flugplatz dieser Größenordnung wäre aufgrund der wirtschaftlichen regionalen Lage von einem rein zivilen Betreiber nicht zu tragen. Auch das starke Engagement der Firma Harting aus Espelkamp, die seit Jahren Hauptgesellschafter der fdd ist und den Geschäftsführer stellt, ermöglicht die weitere zivile Mitbenutzung des Diepholzer Flugplatzes.

Immer mehr Gäste kommen über den Lehmder Damm oder auf dem Luftweg in das ,Café Weitblick’ im Towergebäude

Die Diepholzer Sportflieger vom Aeroclub Diepholz und vom Diepholzer Luftsportverein, die über 20 Sportflugzeuge betreiben und in deren Flugschule derzeit fünf Flugschüler ausgebildet werden, planen für 2021 eine Neuauflage des „Fly in 2019“, zu dem im vergangenen Jahr an einem Tag über 300 Luftfahrzeuge eingeflogen kamen und Tausende von Besuchern auch mit einem Rahmenprogramm begeisterten., so der Bericht von Wolfgang Zellhorst.

Von 9 bis 20 Uhr anfliegbar

Der Flugplatz Diepholz ist täglich ohne Anmeldung von 9 bis 20 Uhr zivil anfliegbar und auch zu jeder anderen Tages- und Nachtzeit auf Anfrage benutzbar (Nachtflugverbot nach 24 Uhr). Aufgrund seiner Lage gibt es laut Betreiber keine Belästigungen der Bevölkerung und Interessierte können an bestimmten (Sonn-)tagen an Rundflügen des Aeroclubs Diepholz teilnehmen oder aber auch spontan über die zivile Flugleitung (05441 – 927400) einen Flug über das Dümmerland, zu den Nordseeinseln oder anderen Zielen buchen.

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