Besonderes Programm für Berufsrückkehrerinnen 

Nicht-nur-Muttertag: Mit Farbe und Foto zum Traumjob

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Auf die richtige Farbe kommt es an, wenn die Persönlichkeit leuchten soll: (v.l.) Beate Recker, Margarete Lingens und Anne Meinecke bei der Farb- und Stilberatung.

Diepholz - Von Anke Seidel. „Ein Mann ist keine Altersvorsorge“, prangt in großen Lettern auf dem Buch, das zu den Gewinnen einer Verlosung gehört. Gewinnen sollen die 16 Frauen, die den Nicht-nur-Muttertag nutzen, aber vor allem an Ausstrahlung, Selbstsicherheit und Wissen – damit sie einen attraktiven Arbeitsplatz finden.

Die Mutter eines erwachsenen Sohnes erlebt überraschend einen Hauptgewinn: Das simulierte Bewerbungsgespräch, das sie mit Christian Willnat (Personalchef und Prokurist der Diepholzer Firma Schöttler) führt, bringt ihr die Einladung zu einem echten Vorstellungstermin. „Wir haben eine Stelle frei“, lächelt Willnat.

Die meisten Frauen, die den Nicht-nur-Muttertag im Diepholzer Rathaus nutzen, sind weit über 40 oder sogar Anfang 50 Jahre alt. Jahrelang haben viele Kinder und Haushalt versorgt, wollen jetzt aber in die Arbeitswelt zurückkehren. Mit fragendem Blick sitzt eine Kandidatin vor Karola Grill-Lüdeker, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei „Shera“ in Lemförde. Gemeinsam gehen die beiden Frauen die Bewerbungsmappe durch, besprechen Alternativen.

„Eine E-Mail-Adresse mit Schatzi oder Mausi geht gar nicht“, weiß Silja Ostermann von der Landkreis-Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft. Gemeinsam mit den Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis mit Christina Runge an der Spitze sowie der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter hat sie diesen Tag für Berufsrückkehrerinnen organisiert.

Die Veranstalterinnen bieten weit mehr als graue Theorie. Weil Ausstrahlung eine besondere Visitenkarte ist, gibt Personaltrainerin Beate Recker den Frauen Tipps bei der Farb- und Stilberatung. Eine Klientin mit dunkelblondem langen Haar trägt danach einen leuchtend gelben Mantel – und lässt bei der Friseuse nebenan das wallende Haar locken. Eine Visagistin zaubert ihr ein ausdrucksvolles Make-up ins Gesicht, bevor die so gestylte Dame mit strahlendem Lächeln vor der Kamera steht: Professionelle Bewerbungsfotos können die Teilnehmerinnen mit nach Hause nehmen.

Anne Meinecke assistiert derweil Beate Recker bei der Farb- und Stilberatung – locker und lächelnd. Das war nicht immer so: Die 36-Jährige war im vergangenen Jahr selbst Arbeitssuchende beim Nicht-nur-Muttertag – und lernte dort ihre jetzige Chefin kennen. „Wollen Sie nicht bei mir arbeiten?“, fragte Beate Recker die junge Frau. Und die rief immer wieder bei der Personaltrainerin an, bis sie den Job in der Tasche hatte. „Hartnäckigkeit gehört zu meinen Kernkompetenzen“, schmunzelt Anne Meinecke – und schwärmt von ihrer neuen Stelle: „Es ist wundervoll! Ich habe meinen Traumjob gefunden!“

Andere können zumindest offene Stellen prüfen oder im Internet danach suchen, Laptops stehen zur Verfügung. „Die Frauen können online ihre Bewerbung abgeben“, sagt Christina Runge – und erklärt, dass immer noch zu viele Frauen in die Mini-Job-Falle tappen. Runge kann verstehen, was diese Frauen lockt: „Das ist BAT – bar auf Tatze“. Aber das könne in die Altersarmut führen, warnt sie. Ziel müsse eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sein.

Die großen Nachteile des Minijobs flaggen Sonja Meyer (Jobcenter) und Susanne Hoyer (Agentur für Arbeit) an Stellwänden aus. Derweil bereiten sich Frauen auf ihr Vorstellungsgespräch vor: Unter realen Bedingungen stellen sie einem Personalverantwortlichen vor. Die Firmen Schöma und Gemüse-Meyer aus Twistringen, die Volksbank Sulingen und die Kreissparkasse Diepholz haben dafür versierte Kräfte geschickt. „Es waren gute Gespräche“, bilanziert Christian Willnat. Die Frauen seien gut vorbereitet gewesen, aber natürlich ein wenig aufgeregt.

Mathias Peinz, Personalleiter bei der Kreissparkasse Diepholz, wartet derweil noch auf seinen Einsatz – und berichtet von einer 32-Jährigen, die bei der Kreissparkasse eine Ausbildung macht – in Teilzeit. „Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht!“ , sagt Peinz. Die Frau sei am Ort verwurzelt. „Wir hoffen, dass wir sie halten können“.

Nebenan hat wieder eine Kandidatin „ihre“ Farbe entdeckt und geht selbstbewusst lächelnd zum Fototermin. So, als hätte sie den Buchtitel schon gelesen: „Ein Mann ist keine Altersvorsorge.“

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