Falk-Ruben Crämer: Glücklich durch aufwändige Geschlechtsanpassung

Nach vier Jahren nun vollständig ein Mann

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Nun vollständig ein Mann: Falk-Ruben Crämer (54) mit seiner Frau Monika.

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Sechs große Operationen, heftige Schmerzen, Risiken und Sorgen: Falk-Ruben Crämer hat all das auf sich genommen und nun – nach vier Jahren – sein großes Ziel erreicht: Er ist ein Mann. Als Frau war er vor 54 Jahren geboren worden, hatte sich aber immer männlich gefühlt.

Dieses Gefühl, im falschen Körper zu leben, brachte der damaligen Ursula Crämer viele psychische Probleme, führte zu einem unsteten Leben. Die Mutter zeigte keinerlei Verständnis dafür, dass sich ihre Tochter Jungenkleidung anzog.

2005 kam Crämer nach Diepholz. Hier reifte der Entschluss, sein Geschlecht anzupassen.

Auf seinem langen Weg fand Falk-Ruben Crämer stets große Unterstützung durch seine Frau Monika (47). Der gebürtige Wiesbadener heiratete die Diepholzerin im August 2013.

Seiner Frau war egal, dass Crämer damals noch organisch selbst eine Frau war und bis dahin nur durch die Hormonbehandlung sein Äußeres verändert hatte. Bei den Behörden war er seinerzeit bereits als Mann anerkannt, so dass auch die Eheschließung eine ganz normale war.

Doch es standen damals noch aufwändige Eingriffe bevor. In der ersten Operation wurden Falk-Ruben Crämer in Hamburg zunächst Brüste und Gebärmutter entfernt.

Die folgenden Eingriffe fanden in Bassum unter Leitung des plastisch-ästhetischen Chirurgen Dr. Massud Mamarvar statt. Dazu gehörte auch der Aufbau eines Penoids, ein chirurgisch gestalteter Penisersatz. Diese größte Operation dauerte 16 Stunden.

Zuvor hatte Crämer eine dünne Röhre in das rechte Bein eingepflanzt bekommen. Drumherum bildete sich in einem halben Jahr Gewebe, das herausoperiert und als neue Harnröhre verwendet wurde.

Nach mehreren Monaten Operationspause bekam der Diepholzer schließlich eine Erektionspumpe eingebaut. Mit dem fast 10000 Euro kostenden Implantat kann durch Druck auf eine Pumpe Silikonflüssigkeit in zwei Stäbchen gepresst werden. Um die so herbeigeführte Erektion zu beenden, drückt Falk-Ruben Crämer auf ein Auslassventil unter der Haut. „Das klappt einwandfrei“, lächelt Monika Crämer.

Durch die Verwendung der bisherigen Klitoris im Penoid hat Falk-Ruben Crämer auch Gefühle in dem künstlich aufgebauten Organ. Jetzt stehen nur noch kleine Korrekturen aus.

„Ich würde das jederzeit wieder machen“, lautet die Bilanz von Falk-Ruben Crämer. Schmerzen und Krankenhausaufenthalte sind vergessen. Arbeitsfähig ist der Diepholzer allerdings noch nicht.

Die Kosten der Geschlechtsanpassung hat seine Krankenkasse übernommen.

Der Diepholzer, der als Frau geboren wurde, kann sein Leben nun genießen, braucht allerdings alle drei Monate ein Spritze mit männlichen Hormonen.

Im Sommer hat er sich seine erste Badehose gekauft. Für ihn ein besonderer Moment.

Kritische Bemerkungen oder Unverständnis über seine Geschlechtsanpassung habe er nie erfahren, sagt Falk-Ruben Crämer, der mit seiner Situation stets offen umging (wir berichteten mehrfach) und damit anderen Betroffenen Mut machen möchte. Wer mit ihm in Kontakt treten möchte, kann das unter Tel. 05441/8292193.

Von seiner äußeren Erscheinung ist Falk-Ruben Crämer ein ganz normaler Mann.

„Es fällt höchstens auf, dass ich kleiner bin als meine Frau“, lacht er – und freut sich auf das neue Jahr 2016 im komplett männlichen Körper, in dem er sich nun glücklich fühlt.

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