Keine Versteigerungen wegen Corona

Fahrrad-Stau im Diepholzer Fundbüro

In einem Kellerraum des Rathauses voller abgegebener Fahrräder: Günter Stallmann kümmert sich bei der Diepholzer Stadtverwaltung um das Fundbüro.
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In einem Kellerraum des Rathauses voller abgegebener Fahrräder: Günter Stallmann kümmert sich bei der Diepholzer Stadtverwaltung um das Fundbüro.

Diepholz – Der Kellerraum im Rathaus ist fast voll. Nahezu 80 Fahrräder, die irgendwo in Diepholz aufgetaucht sind und beim Fundbüro der Stadt abgegeben wurden, lagern hier und auf dem Gelände des städtischen Bauhofes. Normalerweise wären es viel weniger. „Aber wegen der Corona-Pandemie dürfen wir keine Fundgegenstände versteigern“, erklärt Günter Stallmann, seit 35 Jahren Mitarbeiter der Stadtverwaltung und für das Fundbüro zuständig.

Versteigert werden die Fahrräder und andere Gegenstände, die mit Ablauf der Frist von sechs Monaten vom Eigentümer nicht abgeholt worden sind und die auch der Finder nicht haben wollte.

So kommt es derzeit bei der Stadt zum Fahrrad-Stau. Das Problem: Einfach verkaufen darf die Verwaltung die Fund-Räder nicht. Es ist vorgeschrieben, dass sie öffentlich versteigert werden müssen, um Konkurrenz zum privaten Handel zu vermeiden.

E-Bikes selten

Das Fahrradproblem im Fundbüro wäre noch größer, wenn so viele „Drahtesel“ wie in normalen Jahren abgegeben würden. Doch es werden derzeit weniger als üblich gefunden oder von der Polizei sichergestellt. Ein Grund könnte sein: Weil es derzeit keine großen Veranstaltungen gibt, fallen die Fund-Fahrräder weg, die in Nicht-Pandemie-Zeiten von (alkoholisierten) Gästen zu später Stunde für den Heimweg gestohlen und dann irgendwo abgestellt werden. „Wenn ein Fahrrad bei uns abgegeben wird, nehmen wir immer Kontakt mit der Polizei auf und fragen nach, ob es als gestohlen gemeldet ist“, sagt Günter Stallmann. E-Bikes sind übrigens sehr selten unter den Fundsachen.

Uhren, Schmuck und technische Geräte verwahrt das Fundbüro ebenfalls auf. Aber diese Gegenstände machen nur einen sehr kleinen Teil aus. Stallmann: „Bei Smartphones können wir in etwa 90 Prozent der Fälle die Eigentümer ermitteln.“

„Fundunterschlagung“ ist strafbar

Wer einen Gegenstand findet, der einen höheren Wert als zehn Euro hat, muss diesen beim Fundbüro abgeben. „Sonst ist das Fundunterschlagung und strafbar“, erklärt der Fundbüro-Sachbearbeiter. Die Verwaltung ist verpflichtet, Fundsachen mindestens sechs Monate lang aufzubewahren. Meldet sich der Besitzer innerhalb dieser Zeit nicht, hat der Finder Anspruch auf den Gegenstand. Wird dieses Recht nicht wahrgenommen oder handelt es sich bei den Fundsachen um in öffentlichen Gebäuden oder Verkehrsmitteln gefundene Gegenstände, wird die Stadt Diepholz selbst Eigentümerin. Diese Fundsachen werden dann öffentlich versteigert. Die Einnahmen dieser Versteigerungen fließen in den Haushalt der Stadt Diepholz.

Für die Aufbewahrung eines Gegenstandes nimmt die Stadt vom Eigentümer Gebühren – oder vom Finder, wenn dieser die Sache nach Ablauf der Frist haben möchte. Bei einem Wert zwischen 50 und 500 Euro sind das beispielsweise 15 Prozent.

Recht auf Finderlohn

Der Finder hat Anspruch auf Geld vom Eigentümer. Diesen Finderlohn regelt das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB). Darin heißt es in Paragraf 971: „Der Finderlohn beträgt von dem Werte der Sache bis zu 500 Euro fünf vom Hundert, von dem Mehrwert drei vom Hundert, bei Tieren drei vom Hundert. Hat die Sache nur für den Empfangsberechtigten einen Wert, so ist der Finderlohn nach billigem Ermessen zu bestimmen.“

Finderlohn hätte auch der Diepholzerin zugestanden, die vor einigen Jahren 6 000 Euro in bar fand und ordnungsgemäß bei der Stadt abgab. Der Eigentümer meldete sich nicht. So durfte die Frau das Geld nach Abzug von Aufbewahrungsgebühren behalten.

Fundsachen-Suche

Wer Schlüssel, Geldbörse oder andere Gegenstände verloren hat, kann bei der Suche zwei Wege wählen: über einen Besuch im Fundbüro (wegen der Corona-Pandemie derzeit nach Terminabsprache, Tel. 05441/9090) oder online. Über das Online-Fundbüro können Bürger nicht nur verlorene Gegenstände suchen, sondern auch Funde melden – bequem von zu Hause aus und unabhängig von den Öffnungszeiten des Rathauses. Vorteile: Bei Such-Recherchen profitieren Nutzer von Fundmeldungen anderer Bürger. Bürger können auf Daten aller Fundbüros des Verbundes zugreifen. Suchanfragen können somit auch in Barnstorf, Vechta oder Osnabrück gestellt werden.

fundsuche02.kivbf.de

Brautkleid vor dem Rathaus

Günter Stallmann hat in den vielen Jahren, in denen er im Diepholzer Fundbüro arbeitet, gelegentlich auch seltsame Fundgegenstände bekommen. Dazu gehörte kürzlich ein Hörgerät, das der Eigentümer freudig wieder abholte. Legendär im Fundbüro ist die Geschichte vom Brautkleid, das vor vielen Jahren mal vor dem Eingang des Diepholzer Rathauses lag. Offenbar hatte die Besitzerin nach ihrem Besuch im Standesamt schlechte Erfahrungen gemacht. Sie wurde nie gefunden.

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