Fachstelle Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werkes: Jahresbericht

Nicht nur 373 Menschen mit Alkoholproblemen beraten

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Das Team der Fachstelle Sucht vor dem Gebäude der Diakonie am Postdamm in Diepholz, wo die Beratungsstelle eine eigene Etage hat (von links): Stephan Seiler, Jens Rusch, Christian Caselitz, Leiterin Margret Lange, Udo Telsemeyer und Nantke Fangmann.

Diepholz/Sulingen - Von Eberhard Jansen. Alkohol war für ihn langsam aber sicher zum Problem geworden. „Tu endlich was!“, hörte Tobias S. von seiner Familie. Der 48-Jährige bekam Hilfe bei der Suchtberatung in Diepholz. Seine Geschichte – und Erfahrungen von zwei weiteren Betroffenen – stehen als Beispiele im aktuellen Jahresbericht der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werkes im südlichen Landkreis Diepholz. Dabei geht es nicht nur um Alkohol.

460 Menschen mit unterschiedlichen Suchtproblemen suchten im Jahr 2014 Hilfe bei der Fachstelle Sucht. Inklusive der 125 Betroffenen, die aus dem Vorjahr übernommen wurden, waren 585 Hilfesuchende in der Beratung, Begleitung oder Behandlung.

Mit deutlichem Abstand – 373 Fälle, 64 Prozent – bleibt Alkoholkonsum der häufigste Beratungsgrund.

Auf Platz zwei in der Statistik des Jahres 2014 folgen Opiate und Cannabis (jeweils 61 Fälle – zehn Prozent).

Mit dem Problem des pathologischen Glücksspiels kamen im vergangenen Jahr 47 Menschen in die Beratungsstelle des Diakonischen Werkes.

Exzessive Mediennutzung war für 22 Menschen ein Grund, Hilfe zu suchen.

Medikamentensucht war bei acht Ratsuchenden das Problem. Hier sieht das Beratungsteam eine große Dunkelziffer. Es seien deutlich mehr Menschen von Tabletten abhängig als prozentual zur Beratung kommen.

Mit 36 Prozent kamen die meisten neu aufgenommenen Hilfesuchenden im Jahr 2014 aus der Stadt Diepholz. Aus Sulingen kamen 18 Prozent, 13 Prozent aus der Samtgemeinde Barnstorf und zwölf Prozent aus der Gemeinde Kirchdorf.

In Sulingen unterhält die Fachstelle Sucht eine Beratungsstelle am Amselweg 8, Tel. 04271/1400.

In Diepholz hat die Beratungsstelle im November neue Räume bezogen: Von der Hinterstraße zog die Fachstelle in das umgebaute Diakonie-Gebäude am Postdamm 4 um (Tel. 05441/ 987920). Dort steht der Fachstelle eine ganze Etage zur Verfügung – mit eigenem Warteraum, Gruppenräumen und modernen Büros beziehungsweise Zimmern für die Einzelberatung. Über den neuen Aufzug ist die Beratung barrierefrei zu erreichen.

Für die Beratung der Menschen im südlichen Landkreis Diepholz stehen zwei Mitarbeiterinnen und fünf Mitarbeiter zur Verfügung, die alle über eine (sozial-)pädagogische Grundqualifikation verfügen und schon viele Jahre engagiert in der Suchthilfe tätig sind. Die geschlechterspezifische Beratung ist damit auch sichergestellt.

Die Fachstelle hilft Betroffenen und Angehörigen.

Die größte Gruppe der Angehörigen – besonders die Partnerinnen – hatte laut dem aktuellen Bericht Schwierigkeiten mit einem problematisch trinkenden Familienmitglied. Bei problematischem Cannabis-Konsum, pathologischem Glücksspiel oder exzessiver Mediennutzung (am Computer) waren es vor allem die Mütter der Betroffenen, die ein Beratungsgespräch in Anspruch nahmen.

Keine Rolle spielt im Raum Diepholz die synthetische Droge Crystal Meth. „Im vergangenen Jahr hatten wir gar keinen Fall, im Jahr 2015 bislang nur einen“, erklärte Margret Lange, seit 20 Jahren Leiterin der Fachstelle Sucht und Suchtprävention, bei der Vorstellung des Jahresberichtes. Dieses Thema werde durch Medienbeiträge aus den USA, wo die Droge verbreitet ist, schief dargestellt.

In Deutschland sei Crystal Meth in Regionen entlang der Grenze zu Tschechien, wo die Droge in illegalen Labors hergestellt wird, ein Problem.

Die Fachstelle Sucht berät nicht nur, sondern kann sich auch um Therapien und Behandlungen kümmern.

Ein weiteres großes Thema ist die Prävention. Zur Vorbeugung von Sucht gehen Berater in Schulen und andere Institutionen. Der Bedarf ist da. „Auch 2014 hatten wir mehr Anfragen zur Durchführung von Präventionsveranstaltungen als wir leisten konnten“, heißt es im Jahresbericht. Ab Juli konnte die Fachstelle auch Veranstaltungen zum Thema Mediensucht-Prävention anbieten. Damit konnte die Fachstelle vor allem Anfragen von Schulen entsprechen.

Die Mehrzahl der 33 Präventionsveranstaltungen im Jahr 2014 fand im Rahmen des Konfirmandenunterrichts statt.

Der komplette, 33-seitige Jahresbericht der Fachtstelle Sucht und Suchtprävention steht im Internet zum Download bereit. Auf der Seite gibt es auch weitere Informationen zu Beratungsangeboten:

www.suchtberatungsstelle.de

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