Fachausschuss appelliert an Kommunen/Noch weiße Flecke im Landkreis

Aufforderung zur Jugendarbeit

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Jugendarbeit ganz praktisch: Während einer Freizeit in Freistatt bereiten Kinder den Teig für eine Pizza zu – und lernen, dass selber Backen mehr Spaß macht, als Tiefkühlpizza zu essen.

Diepholz - Von Anke Seidel. Räumlich, personell und finanziell ist die Jugendarbeit im Landkreis Diepholz völlig unterschiedlich strukturiert. Daran ließ Kreisjugendpfleger Armin Kowalzik keinen Zweifel, als er das Ergebnis einer Befragung in allen Städten und Gemeinden des Landkreises Diepholz im Jugendhilfeausschuss präsentierte.

Zwar sind insgesamt 38 Mitarbeiter in zwölf Kommunen hauptamtlich in der Jugendpflege beschäftigt und nur drei von ihnen mit einem befristeten Vertrag. Allerdings beschäftigen die Samtgemeinden Rehden, Schwaförden und Wagenfeld überhaupt kein hauptamtliches Personal.

Auch wenn der überwiegende Anteil der Beschäftigten über eine pädagogische Ausbildung verfügt (oft Sozialpädagogen und Erzieher), so haben immerhin acht Prozent der hauptamtlich Beschäftigten eine Handwerksausbildung.

Völlig unterschiedlich ist der Erhebung zufolge auch das konkrete Angebot an die Jugendlichen. Das bewies Kowalzik mit einem Rechenbeispiel. So liegt die Betreuung pro Jugendlichem im Alter zwischen zehn und 20 Jahren in der Gemeinde Stuhr bei mehr als zwei Stunden pro Woche. In Kirchdorf beträgt sie allerdings nicht mal eine halbe Stunde pro Jugendlichem und Woche.

Bei der Finanzierung von Sachmitteln liegt die Stadt Syke mit mehr als 16 Euro pro Jugendlichem und Jahr unangefochten an der Spitze – gefolgt von Lemförde mit weniger als 16 Euro.

In Wagenfeld stellt die Gemeinde etwa einen Euro pro Jugendlichem und Jahr zur Verfügung. Die Stadt Bassum zahlt knapp zwei Euro – und die Samtgemeinde Siedenburg gar nichts.

Sage und schreibe fünf Kommunen bieten der Erhebung zufolge keine kommunalen Jugendräume an: Weder Kirchdorf noch Lemförde, weder Schwaförden, Siedenburg noch Sulingen. „Jugendliche brauchen einen Ort“, kritisierte Ingo Jaeger (Vertreter der kirchlichen Jugend) in der anschließenden Diskussion diese Tatsache. Hannelore Roitsch-Schröder (Grüne) erinnerte daran, dass Jugendarbeit eine Pflichtaufgabe der Kommunen sei. Jürgen Borchers (FDP) fragte sich, ob Kommunen ohne hauptamtlichen Jugendpfleger überhaupt ihrer Verpflichtung nachkommen würden.

Dass einige Kommunen weder hauptamtliches Personal noch Räume für die Jugendarbeit anbieten, das ärgerte Michael Albers (SPD): „Da würde ich gern mal anklopfen...“

In Wagenfeld habe man aufgegeben, „weil es keinen Bedarf gab“, erklärte Stephan Kawemeyer (CDU). Kreisrat Markus Pragal fand es „schwierig“, als Landkreis Standards in den Kommunen vorgeben zu wollen. Denn der Landkreis habe seinen Kommunen die Jugendhilfe ja übertragen. Außerdem gebe es in manchen Orten eine lebendige Gemeinschaft mit Vereinen.

„Ich warne davor, in die Jugendverbands-Falle zu tappen“, so Michael Albers. Seine Fraktionskollegin und Ausschuss-Vorsitzende Mandy Peukert beendete die Diskussion mit der Feststellung: „Wir haben die Aufgabe, in unseren Kommunen Druck zu machen und für die Aufgabe der Jugendarbeit zu werben.“

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