Erfolgsautorin Andrea Maria Schenkel und Saxophon-Trio in der Kreissparkasse

Wunderbares Kurzwerk

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„Literatur vor Ort“ am Dienstagabend in der Kreissparkasse: Erfolgsautorin Andrea Maria Schenkel im Interview mit Moderator Guido Schulenberg.

Von Simone Brauns-Bömermann -  Eigentlich arbeiten die drei Parteien konträr: Die Erfolgsautorin Andrea Maria Schenkel schreibt ohne Musik Erfolgskrimis, das Saxophon Trio „Sax Allemande“ (Frank Schüssler, Sopran, Stefan Mishula, Alt, Markus Maier, Bariton) spielt zumeist Lieder ohne Worte.

Nordwestradio (Programm von Radio Bremen und dem NDR) arbeitet mit dem Gehörten, ohne Sehen. Und alle trafen sich am Dienstagabend zur Reihe „Literatur vor Ort“ in der Kreissparkasse Grafschaft Diepholz. Mit 80 Besuchern stieß die Veranstaltung auf deutlich weniger Interesse als „Literatur vor Ort“ mit prominenten Gästen in den Vorjahren.

„Lassen Sie uns bitte unsere Handys nachher gemeinsam wieder anschalten“, animierte Moderator Guido Schulenberg das Publikum, denn die szenische Lesung mit Musik „Sax und Arsen“ wurde für eine Radiosendung aufgezeichnet.

Der Lesung der von Andrea Maria Schenkel verfassten Shortstory in Briefromanform – auf eine Auswahl der „Lieder ohne Worte“ von Felix Mendelssohn Bartholdy geschrieben – ging ein Interview von Guido Schulenberg mit der Autorin voraus. Gestern Spanien, heute Diepholz und morgen Hamburg. Sie schreibe am liebsten im kleinen Appartement nahe New York bei absoluter Ruhe und ohne die Lektüre anderer Literatur – nur die, die als Recherche zu dem eigenen Stoff passe. Ihr Leben in einem Titel? „Kunterbunt und in zwei Leben – zwischen Schreiben und Familie“.

Andrea Maria Schenkel bezeichnet sich als stilles Wasser, schrieb schon immer Krimis. Ein Vorbild in der Literatur sei Friedrich Dürrenmatt, „weil die Figuren so faszinieren und die Bilder vom Text losgelöst haften bleiben“, meint die Autorin. Sie liebe Texte, die authentisch sind, nicht gestylt, aber gut recherchiert. „Dazu steigen Sie gerne in Archive?“. „Ja sehr gerne!“.

Ihren Roman „Tannöd“, der erfolgreich verfilmt wurde, wollte eingangs kein Verlag?“. Das sei richtig, sie erinnert sich an ihre schönste Absage: Das Buch ist zu kurz, spielt in der Vergangenheit, hat keinen Ermittler und das schlimmste, ist nicht witzig! Schenkel erzählt weiter: „Ich mag höchstens Buchtrilogien, Serien sind mir verhasst, jedes Buch soll neu sein“. Deshalb sei ihr neuestes Werk auch kein Krimi. Es wird im nächsten Frühjahr erscheinen mit dem Mehrworttitel: „Als die Liebe endlich war“ und habe 300 Seiten.

Wie das mit dem Projekt gemeinsam mit „Sax Allemande“ kam? „Markus Maier war in einer Lesung von mir und fragte, ob ich ein Booklet für die CD von „Lieder ohne Worte“ des Trios schreiben möge?“. Und dann tauchte die Autorin offensichtlich lange in die Zeit um 1830, wälzte Zeitungen, las viel Literatur, Briefe, Korrespondenzen, hörte romantische Musik, erkundigte sich über Lifestyle, Wohnen und Leben. Es entstehen Briefe, Tagebucheintragungen, Zeitungsannoncen in fragmentarischer Aufstellung, auf der Bühne im Wechsel mit den Liedern von „Sax Allemande“ gespielt und von Schenkel verkörpert und mit Schenkels angeborenen Hörbuchstimme gesprochen. Sie transportiert die Bilder, die sie mit Worten phänomenal beschreibt, eins zu eins zum Zuhörer. Schnell wird klar, wie viel Mendelssohn mit seinen Liedern ohne Worte sagen will, denn es sind vertonte Worte, die Schenkel jetzt mit realen ergänzt. Vielleicht ist das ein Novum.

Sie beschreibt in den Briefen von Ottilie an ihre Schwester Elsa das Befinden der Damenwelt, beantwortet mit ihren Worten die unausgesprochenen Gefühle und Ängste des Komponisten. Und so entsteht ein Kreis aus Worten, die zu Musik, ergo „Liedern ohne Worte“ und wiederum zu „Liedern mit Worten“ von Schenkel werden. In einer Zeitspanne von 180 Jahren dazwischen. Das Trio besticht durch die Bearbeitung für drei Saxophone der ursprünglichen Klavierkomposition. Obschon viele Stilmittel bekannt, wie Arsen, Psychopath, Hochstapelei, Ehebruch, Depression und das Dr. Jekyll-Thema gelingt Schenkel ein wunderbar romantisches-psychologisches Kurzwerk an Musik.

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