Interview mit Bernd Öhlmann

Diepholzer Wirtschaftsförderer: „Energiepolitik für viele eine Katastrophe“

Bernd Öhlmann ist seit 2009 Wista-Geschäftsführer und Wirtschaftsförderer in der Stadt Diepholz.
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Bernd Öhlmann ist seit 2009 Wista-Geschäftsführer und Wirtschaftsförderer in der Stadt Diepholz.

Diepholz – Ein neues Jahr mit neuen Chancen und Herausforderungen – auch für die Wirtschaft in Diepholz. Im Gespräch mit der Mediengruppe Kreiszeitung zieht Bernd Öhlmann, seit 2009 Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing (Wista) und damit Wirtschaftsförderer in der Stadt Diepholz, eine Bilanz des Jahres 2021 und blickt auf 2022.

- Wenn Sie mit dem Blick des Wirtschaftsförderers auf die Entwicklung der Unternehmen in Diepholz schauen: Was sind die größten Herausforderungen des neuen Jahres 2022, was die größten Chancen?

Bernd Öhlmann: Zu den größten Herausforderungen zählen in 2022 weiterhin Lieferengpässe, steigende Energiekosten, Fachkräftemangel und coronabedingte Einschränkungen. Zu den größten Chancen zählen die Innovationsfreude, Veränderungsbereitschaft und Wachstumskraft unserer Bestandsunternehmen sowie der Zugang von neuen Unternehmen am Wirtschaftsstandort Diepholz.

- Wie entwickeln sich die Gewerbegebiete in der Stadt Diepholz? Gibt es noch freie Flächen? Müssen weitere Gebiete für Betriebe geschaffen werden – wenn ja, wo könnte das sein?

„Seit Jahren eine gute Nachfrage“

Bernd Öhlmann: Bestens! Wir haben seit Jahren eine sehr gute Nachfrage durch wachsende Bestandsunternehmen und generieren immer mehr Fragen durch externe Unternehmen nach Gewerbeflächen. Theoretisch sind wir ausverkauft, praktisch kann aber immer noch mal ein Unternehmen abspringen, da noch nicht alle Kaufverträge im neuen Gewerbegebiet Reessingstraße verbindlich unterschrieben sind. Die Gewerbegebiete Masch und Kielweg sind voll. Die Stadt Diepholz hat gerade angrenzend an unser neues Gewerbegebiet sieben Hektar neue Gewerbefläche gekauft. Wo wir gegebenenfalls weitere Flächen erwerben wollen, werde ich hier natürlich nicht öffentlich kundtun, und es ist auch nicht meine Aufgabe, dies zu tun.

- Welche Unternehmensansiedlungen und -entwicklungen gab es im vergangenen Jahr, wie viele Arbeitsplätze sind entstanden, beziehungsweise sollen in diesem Jahr entstehen? Wie viele Arbeitsplätze sind abgebaut worden?

„250 bis 300 neue Arbeitsplätze im Gewerbegebiet Reessingstraße“

Bernd Öhlmann: Die aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zur Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze in 2021 am Standort Diepholz kommen erst in den nächsten Wochen. Aus den Gesprächen mit den Unternehmern würde ich jedoch prognostizieren, dass wir mehr Arbeitsplätze dazu bekommen haben, als wir letztes Jahr verloren haben. Zu den größeren, neu dazu gekommenen Arbeitgebern zählt sicherlich Famila. Die Arbeitsplatz-Prognose für dieses Jahr kann ich aktuell zahlenmäßig noch nicht definieren, aber ich bin da sehr optimistisch. Es hängt natürlich auch sehr stark davon ab, wie schnell zum Beispiel die Bauarbeiten im neuen Gewerbegebiet Reessingstraße vorangehen. Allein dort werden in den nächsten ein bis drei Jahren etwa 250 bis 300 neue Arbeitsplätze entstehen.

- Welche Spuren hat die Corona-Pandemie in der Diepholzer Wirtschaft bislang hinterlassen? Haben Firmen deswegen aufgegeben oder größere Investitionen verschoben?

Bernd Öhlmann: Unternehmen im Gastronomie- und Veranstaltungsbereich sowie sehr viele Soloselbstständige haben natürlich in den vergangenen zwei Jahren wirtschaftlich massiv gelitten und mussten von ihrer Substanz zehren. Vereinzelt hat vielleicht auch das eine oder andere Unternehmen eine Investition verschoben, meistens aber eher wegen Lieferengpässen als aufgrund von Corona. Alles in allem können wir uns bislang hier glücklich schätzen und dürfen nicht klagen, da deutlich mehr Diepholzer Unternehmen in der Corona-Phase expandiert und sich weiterentwickelt haben.

Ein aktuelles Problem nahezu aller Unternehmen sind die stark gestiegenen Energiepreise. Kommen Diepholzer Firmen dadurch möglicherweise in existenzielle Schwierigkeiten?

Bernd Öhlmann: Ein ganz klares „Ja“. Die bundesdeutsche Energiepolitik ist für sehr viele Unternehmen eine Katastrophe, und ihre Auswirkungen schätze ich in den kommenden Jahren viel schlimmer ein als die dauerhaften Folgen der Corona-Krise. Nicht dass wir uns hier falsch verstehen, ich bin schon seit mehr als 20 Jahren ein Befürworter von regenerativen Energien, darum geht es hier nicht, aber wir sind durch schlechtes Projektmanagement beziehungsweise Planungsfehler, aber auch durch viel zu komplizierte gesetzliche Regelungen im Bereich Energie und der Entwicklung neuer Technologien für diesen Bereich auf dem besten Weg, unseren Mittelstand und unsere Industrie vorsätzlich wettbewerbsunfähig zu machen.

Aufgaben und Angebote der Wista

Von der individuellen Hilfestellung bis zur Beantragung von Fördergeldern reicht das Angebot der Wirtschaftsförderung der Stadt Diepholz, die von der städtischen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing (Wista) wahrgenommen wird. Geschäftsführer und Ansprechpartner ist Bernd Öhlmann im Rathaus (Tel. 05441/909207, E-Mail: wista@stadt-diepholz.de). Die Wista bietet auch Hilfestellung bei der Suche nach Gewerbeflächen und Geschäftsräumen innerhalb des Stadtgebietes an und vermittelt Kontakte, zum Beispiel zu Behörden. Gewerbetreibenden der Stadt Diepholz bietet die Wista durch ein Wirtschaftsförderungsprogramm der Stadt die Chance auf Zuschüsse.

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