16.700 Kunden in der Kartei

„Empire“: Letzte Videothek weit und breit schließt nach 20 Jahren

+
Nach 20 Jahren schließt die Diepholzer Videothek „Empire“ – die letzte weit und breit. Jasmin Borkowski (links) hat 15 Jahre dort gearbeitet, Marina Skupch 13 Jahre. Jetzt verkaufen sie die Filme. 

Streaming-Dienste machen traditionellen Videotheken seit Jahren zu schaffen. In Diepholz macht nun die „Empire“-Videothek dicht. Sie war die letzte weit und breit.

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Den Kunden mit der Nummer eins findet Marina Skupch schnell im Computer. Vom 4. September 1998 stammen dessen Daten. Damals eröffnete die Videothek „Empire“ zwischen Lappenberg und Lange Straße. Jetzt – 20 Jahre später – ist die private Filmverleih-Branche in ganz Deutschland nahezu tot. Auch „Empire“ in Diepholz macht Ende März zu – als letzte Videothek weit und breit.

„In Vechta, Lohne und Damme gibt es auch keine Videotheken mehr“, weiß Marina Skupch. Sie arbeitet seit 13 Jahren bei „Empire“ in Diepholz. Als eine von vier Mitarbeiterinnen hat sie unzählige Filme an Kunden ausgeliehen. Ihre Kollegin Jasmin Borkowski ist schon seit 15 Jahren dabei. Beide suchen nun einen neuen Job.

Abverkauf der Ware läuft

Den Verleih hat „Empire“ in Diepholz bereits eingestellt. Derzeit verkaufen die Mitarbeiterinnen die Filme auf Blu-ray und DVD – darunter auch alte ab dem Jahr 2005. Viele der auch zum Verkauf stehenden Regale haben bereits Lücken. 6  000 Filme standen einmal dort zum Ausleihen. Heute streamen Kunden die Filme lieber per Internet.

„Das ganze Kundenverhalten hat sich geändert“, erklärt Günter Hellwig. Ihm gehört die Videothek der Einkaufsgemeinschaft „Empire“ in Diepholz. Es ist seine vorletzte. Die letzte ist in Hamm. Diese will Hellwig im nächsten Jahr schließen.

1980 hat der Osnabrücker die erste in seiner Heimatstadt eröffnet. Weil sie so gut lief, kamen weitere dazu. Zu besten Zeiten hatte der heute 71-Jährige 25 Videotheken zwischen Andernach in der Eifel und Neumünster in Schleswig-Holstein.

Videotheken und VHS - das passte

Die Branche begann mit VHS-Kassetten. Sie brachten ab den 1980er Jahren Kinofilme zu jeder Zeit ins Wohnzimmer. Der Verleih war damals ein gutes Geschäft. Videotheken eröffneten überall. Der Erotikbereich machte seinerzeit etwa 35 Prozent des Umsatzes aus.

Um die Jahrtausendwende herum kam der Umstieg von den technisch veralteten Videokassetten auf die digitalen DVDs. Später kamen Blu-ray dazu, die noch bessere Bilder auf den Fernseher brachten. „Aber Qualität ist den Jugendlichen heute nicht mehr so wichtig“, sagt Günter Hellwig: „Sie schauen Videos auf dem Handy.“

„World of Video“ schloss bereits 2015

2013 habe er gewusst, dass mit der Branche bald Schluss ist. Er begann, seine Videotheken nach und nach zu schließen. In Diepholz hatte der Mitbewerber „World of Video“ bereits im Juli 2015 dichtgemacht.

Angesichts sinkender Umsätze hatte sich die Videothek „Empire“ schon länger eine zusätzliche Einnahmequelle verschafft: Als Annahme- und Abgabestelle für einen großen Paketdienst, die in Zeiten des Internethandels bestens läuft.

In der Kundenkartei der Videothek haben sich in den 20 Jahren 16 700 Namen gesammelt – fast so viele, wie Diepholz Einwohner hat. Allerdings sind die Kunden längst nicht nur Diepholzer – und inzwischen sind auch viele „Karteileichen“ im Computer..

In den letzten Monaten blieben selbst langjährige Stammkunden weg. „Sie schauen Filme auf Netflix oder Sky“, sagt Marina Skupch etwas traurig.

Das könnte sie auch interessieren: Tschüss, DVD-Player – Erinnerungen ans klassische Filmegucken

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Frankfurt nach Aufholjagd gegen Benfica im Halbfinale

Frankfurt nach Aufholjagd gegen Benfica im Halbfinale

Nordkorea reizt Trump: Atomgespräche mit USA nur ohne Pompeo

Nordkorea reizt Trump: Atomgespräche mit USA nur ohne Pompeo

Waldbrandgefahr: Viele Osterfeuer in Ostdeutschland abgesagt

Waldbrandgefahr: Viele Osterfeuer in Ostdeutschland abgesagt

Alte Schule auf der Auto Show in New York

Alte Schule auf der Auto Show in New York

Meistgelesene Artikel

Pflegeplätze in Bassum sind nahezu ausgebucht

Pflegeplätze in Bassum sind nahezu ausgebucht

Mehr als 50 Internet-Infoabende

Mehr als 50 Internet-Infoabende

Messe „Schauen und Staunen“ lockte viele Besucher auf die „Große Straße“

Messe „Schauen und Staunen“ lockte viele Besucher auf die „Große Straße“

Neuer Kassenwart und neuer Schriftführer für Landjugend Varrel

Neuer Kassenwart und neuer Schriftführer für Landjugend Varrel

Kommentare