Eines von 1,5 Millionen ermordeten jüdischen Kindern

Anne Frank: Ausstellung in der Diepholzer Mediothek

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Schautafeln beleuchten bei der Anne-Frank-Ausstellung die Judenverfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus, aber auch Rechtsextremismus heute, unter unterschiedlichen Aspekten. 

Diepholz - War Anne Frank eine junge Schriftstellerin oder ein normales Mädchen, das unter der Verfolgung und Flucht enorm litt? Auf jeden Fall haben die Schrecken der Zeit des Nationalsozialismus durch Anne Frank, die 1945 im Alter von nur 15 Jahren im KZ Bergen-Belsen ermordet wurde, ein Gesicht bekommen. Ihr im Amsterdamer Versteck entstandenes Tagebuch wurde weltberühmt. In Diepholz stehen Anne Frank, die NS-Zeit und Rassismus heute bis Ende Februar im Mittelpunkt einer Ausstellung in der Mediothek an der Thouarsstraße.

„Ich wünsche der Ausstellung viele nachdenkliche Besucher“, schloss der stellvertretende Bürgermeister Gerhard Albers am Montagabend bei der Eröffnung sein Grußwort, in dem er gefordert hatte, die Erinnerung als Mahnung nie verblassen zu lassen.

Stellvertretender Landrat Volker Meyer, der den Ausstellungs-Schirmherrn Cord Bockhop vertrat, forderte ebenfalls, die Erinnerung wach zu halten an eine Zeit, „die es Menschen schwer machte, etwas anderes zu sein als Täter oder Opfer“.

Die Hintergründe der Anne-Frank-Ausstellung erläuterte Patrick Siegele, Leiter des Anne Frank Zentrums in Berlin, den etwa 60 Besuchern des von Mediothek-Leiterin Maria Flaßkamp moderierten Eröffnungsabends. Trotz des Tagebuchs, das zu den meistgelesenen Büchern der Welt gehört, und der großen Berühmtheit Anne Franks sollte laut Siegel nicht vergessen werden, dass Anne Frank nur eines von 1,5 Millionen jüdischen Kindern war, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden: „Sie ist keine Heldin, sie ist kein Mythos, sie darf auch nicht nur als Opfer gesehen werden: Sie ist zu allererst ein ganz normales Mädchen“, meinte er. Die Ausstellung „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ gibt einen Einblick in die Welt der Anne Frank.

„Wir brauchen eine wehrhafte Demokratie“

Siegele betonte: „Wir brauchen eine wehrhafte Demokratie mit einem funktionierenden Rechtsstaat. Dieser garantiert uns, dass Menschenrechte gewahrt und Minderheiten vor Gewalt und Willkür geschützt werden.“

Er nannte auch Zahlen der Judenverfolgung in Diepholz: 1933 lebten hier noch etwa 50 Jüdinnen und Juden, zum Teil sehr angesehene Gemeindemitglieder. 1942 wurden die letzten Diepholzer Juden verhaftet und deportiert.

Die Eröffnung der Ausstellung wurde von Evelyn Weiß und Mark-Alexander Helis musikalisch begleitet.

Einige der ehrenamtlichen „Peer Guides“, die Gruppen und Schulklassen durch die Anne-Frank-Ausstellung in der Diepholzer Mediothek führen, mit Patrick Siegele (links), Leiter des Anne Frank Zentrums in Berlin, am Eröffnungsabend. 

Führungen für Gruppen und Schulklassen (einige Termine sind noch frei!) übernehmen ehrenamtlich sogenannte „Peer Guides“. 26 junge Menschen im Alter von 14 bis 19 Jahren sowie zwei Erwachsene haben sich dazu im Vorfeld der Ausstellung ausbilden lassen. „Sie engagieren sich gemeinsam als Mitarbeitende in der Anne-Frank-Ausstellung für die Aufklärung über Antisemitismus und Rassismus. Ihr Ziel ist es, vor allem der jüngeren Generation die Verletzbarkeit von Demokratie zu zeigen“, sagte Michael Röder vom Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen (VNB, Barnstorf). Diese Organisation hatte die Anne-Frank-Ausstellung – wie schon die Vorgänger-Ausstellung vor fünf Jahren – nach Diepholz geholt.

Röder dankte den „Peer Guides“ und überreichte jedem gemeinsam mit Patrick Siegele am Eröffnungsabend eine neue Ausgabe des „Tagebuch der Anne Frank“ mit zusätzlichen Informationen.

„Peer Guides“ der Anne-Frank-Ausstellung sind: Yannik Schwarz, Thu Hien, Alexander Kettler, Dalia Musa, Emilie Julie Sonnak, Maxi Laurin Danker, Mandy Paschke (alle Realschule Diepholz), Marwa Hussein (Berufsbildungszentrum Dr. Jürgen Ulderup, Diepholz), Christin Bollweg, Eva-Maria August und Laurin Diekmann (alle Christian-Hülsmeyer-Schule, Barnstorf), Nick Hollberg, Nicola Lippke, Lena Siemering, Tom Vollbrecht, Carolin Wohlers, Xenia Häberle, Tobias Husmann, Moritz Luersen, Zoe Slengard, Evelin Lang, Jenny Ruppel, Julia Fricke und Antje Engelhardt (alle Gymnasium Graf-Friedrich-Schule, Diepholz), Lennart Schick (Berufsbildende Schulen Marienhain, Vechta), Sanika Kammler (Oberschule Rehden) sowie Richard W. Bitter und Rolf Kramer vom Heimatverein Diepholz.

Bitter bietet für den morgigen Donnerstag, 15 Uhr, eine offene Führung durch die Ausstellung in der Mediothek an. Eine Anmeldung ist dazu nicht erforderlich.

Einzelpersonen können die Ausstellung auch ohne Führungen zu den Öffnungszeiten der Mediothek besuchen. Der Eintritt ist frei.

Nähere Informationen und Buchungen (Schulklassen, Gruppen): VNB-Projektbüro Anne Frank, Barnstorf, Elena Schlegel und Reinhold Bömer, Tel. 05442/80450, Mail: anne-frank@vnb.de

 ej

www.annefrankdiepholz.de

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