Historisches Gemälde „Diepholzer Jüngstes Gericht“ im Rathaus

Ein Stück Stadtgeschichte wird restauriert

Vor dem Gemälde „Diepholzer Jüngestes Gericht“, das im Rathaus vor dem Eingang zum Sitzungssaal hängt: Restauratorin Lena Wissing mit Stadtarchivar Kim Oliver Lange (links) und Bürgermeister Florian Marré.
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Vor dem Gemälde „Diepholzer Jüngestes Gericht“, das im Rathaus vor dem Eingang zum Sitzungssaal hängt: Restauratorin Lena Wissing mit Stadtarchivar Kim Oliver Lange (links) und Bürgermeister Florian Marré.

Diepholz – Ein Stück Stadtgeschichte weist Risse auf. Und andere sichtbare Schäden wie eine teilweise dachförmig aufstehende Malschicht. Die Farbe droht in dem Bereich des historischen Bildes abzuplatzen. Nun kümmert sich eine Fachfrau um das „Diepholzer Jüngste Gericht“ – das gut zwei mal zwei Meter große Gemälde, das vermutlich um 1580 entstand und im Rathaus der Stadt Diepholz vor dem Eingang zum Sitzungssaal hängt.

Lena Wissing aus Osnabrück restauriert das Werk, auf dem auch damalige Diepholzer Adelige zu sehen sind – wie der 1585 verstorbene letzte Graf von Diepholz Friedrich II., der das Gemälde vermutlich in Auftrag gab, sowie Margareta, geborene Gräfin von Hoya (Mutter von Graf Friedrich II.), und Anastasia, geb. Gräfin von Waldeck (Gemahlin von Graf Friedrich II.).

Vermutlich um 1580 entstanden

Am Mittwoch begann Restauratorin Lena Wissing mit ihrer Arbeit, die etwa sechs Wochen dauern wird. Sie spritzt unter anderem einen speziellen Klebstoff unter die kleinen Farbwölbungen – voraussichtlich Störleim, der aus Schwimmblasen dieses Fisches gewonnen wird. Auch verschließt sie die Risse im Holz.

Der Rat der Stadt Diepholz hatte für die Restaurierung einen viertstelligen Betrag locker gemacht. „Wir sichern damit ein Stück Stadtgeschichte“, so Bürgermeister Florian Marré beim Auftakt der Arbeiten.

Das Gemälde während der Restaurierung 1982. Die hellen Flächen sind Kittungen an Stellen, an denen die Farbe nach Abtrag der Übermalung verloren war.

Diese sollten eigentlich in Osnabrück in der Werkstatt der Restauratorin stattfinden. Doch der Transport des Gemäldes wurde kurzfristig abgesagt. Der Weg durchs Rathaus-Treppenhaus barg nach erneuter Prüfung zu viele Risiken für das Kunstwerk, das auf fünf zwei Zentimeter dicken Eichenholzbohlen gemalt ist und inklusive Rahmen laut Schätzung von Lena Wissing etwa 150 bis 200 Kilogramm wiegt. So bleibt das Bild an der Wand im Rathaus hängen und die Restauratorin arbeitet vor Ort.

Besonderheiten des Bildes

Die Besonderheiten des Bildes „Diepholzer Jüngstes Gericht“, das die Apokalypse, das Weltgeschehen abschließende göttlichen Gericht, mit lokalen Motiven zeigt, fasste der Diepholzer Stadtarchivar Kim Oliver Lange zusammen: „Christus steht auf einer stilisierten Erdkugel, die das Diepholzer Schloss, die Stadtbefestigung, den Dümmer, den Galgen bei Hemtewede und eine zweitürmige Kirche – vermutlich den Osnabrücker Dom – zeigt.

Der Heimatforscher Emil Johannes Guttzeit schrieb 1982 über das Gemälde: „Die einzigartige Gestaltung, die volkstümliche Darstellungs- und Malweise und der geschichtliche Hintergrund machen das ,Diepholzer Jüngste Gericht’ zu einem bedeutsamen heimatlichen Werk und zu einem Beispiel reformatorischer Kirchenkunst, auch wenn sein künstlerischer Wert gering ist.“

Die Geschichte des Gemäldes

Auftraggeber für das Gemälde „Diepholzer Jüngstes Gericht“ war vermutlich Graf Friedrich II., der letzte Graf von Diepholz (gestorben 1585). Eine alternative Datierung geht von 1651 (nach dem 30-jährigen Krieg) aus. Laut dem früheren Restaurator Heinz Müller-Jung ist in dem Bild die Jahreszahl 1501 (oder 1507) angegeben. Demnach müsste auf dem Bild Graf Friedrich I dargestellt sein, der 1529 in Essen starb. Das Gemälde wurde vermutlich hergestellt für das Diepholzer Schloss beziehungsweise die Schlosskapelle. Es hing lange Zeit in der alten Friedhofskapelle (vermutlich seit dem Bau 1843). Ab etwa. 1958 war es auf dem Dachboden des alten Diepholzer Rathauses an der Langen Straße eingelagert. Von 1963 bis 1977 hing es als Leihgabe im Museum in Nienburg. Von 1977 bis 2003 war es an einer Wand in der St. Nicolai-Kirche in Diepholz. Von 2003 bis 2006 wurde das „Diepholzer Jüngste Gericht“ im Kreisarchiv in Diepholz aufbewahrt. Seit Januar 2006 hängt es im Diepholzer Rathaus vor dem Eingang zum Sitzungssaal. Der Maler ist unbekannt. (Quelle: Diepholzer Stadtarchivar Kim Oliver Lange)

Das Gemälde wurd bereits dreimal restauriert – zum ersten Mal 1844 unsachgemäß und laienhaft. Damals wurde das Bild großflächig übermalt. 1963 erfolgte eine Konservierung (Substanzerhaltung) durch den Restaurator Waldemar Jacobi in Lage (Lippe) und 1982 eine Restaurierung durch Heinz Müller-Jung in Göttingen. Jetzt erfolgt ein weiterer Schritt, um das Diepholzer Werk aus dem 16. Jahrhundert für die Nachwelt zu erhalten.

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