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Stadtwerke Huntetal: Eigentor oder wichtige Mitteilung? Die Chefs äußern sich

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Von: Eberhard Jansen

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Das Gebäude der Stadtwerke Huntetal an der Amelogenstraße in Diepholz.
Das Gebäude der Stadtwerke Huntetal an der Amelogenstraße in Diepholz. © Jansen

Die Stadtwerke Huntetal hatten in einer Pressemitteilung die Kündigung von Ex-Geschäftsführer Waldemar Opalla sowie das im Anschluss geführte und verlorene Gerichtsverfahren reflektiert. Für Art und Inhalt der Mitteilung hagelt es Kritik an den Stadtwerken, aber die Chefs stehen zu ihrem Tun

Diepholz – Die Stadtwerke Huntetal kommen nicht zur Ruhe. Die Pressemitteilung, in der Gesellschafter, Aufsichtsrat, Betriebsrat und die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat ihre Sicht der Dinge mehrere Monate nach dem rechtskräftigen Gerichtsurteil zur demnach nicht rechtmäßigen fristlosen Kündigung des Geschäftsführers Waldemar Opalla darstellten, hat zu zahlreichen Reaktionen geführt. In Leserbriefen an unsere Zeitung bezogen ehemalige und aktuelle Aufsichtsratsmitglieder ebenso kritisch zu der Stadtwerke-Mitteilung Stellung wie andere Kommunalpolitiker und Bürger.

Die Pressemitteilung komme einer „Bankrotterklärung der Stadtwerke“ gleich, meinte beispielsweise Aufsichtsratsmitglied Manfred Albers (SPD). Seine Kollegin Marta Sickinger (ebenfalls SPD) kritisierte das in der Mitteilung verwendete Wort „geschlossen“ und wies darauf hin, dass es im Zusammenhang mit der Kündigung Opallas nie eine Einstimmigkeit im Aufsichtsrat gegeben habe. Auch der frühere Grünen-Vertreter Andreas Pawelzik erklärte, er habe nie für die Kündigung gestimmt. Der frühere Richter am Amtsgericht Diepholz, Diethelm Zinser, bezeichnete in seinem Leserbrief das Verhalten der Stadtwerke als „Nachtreten gegenüber Herrn Opalla“.

War die Pressemitteilung ein Fehler? Nein, sagen die Unterzeichner

War die Pressemitteilung im Nachhinein gesehen also ein Fehler? Stadtwerke-Aufsichtsratsvorsitzender Heinfried Sudmann und der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung, Florian Marré, antworteten schriftlich und mit identischem Wortlaut auf diese Frage unserer Zeitung: „Die Information, dass die Organe in einem kommunalen Unternehmen mit den Arbeitnehmervertretern und dem Betriebsrat eine gemeinsame Pressemitteilung zu einem relevanten und stark diskutierten Thema veröffentlichen, ist eine sehr wichtige Mitteilung.“

Aufgrund der – wie die Stadtwerke-Vertreter es ausführen – auch nach zwei Jahren „primär durch Leserbriefe geprägten Berichterstattung“ hätten sich die Unterzeichner veranlasst gesehen, mit einer zusammenfassenden Pressemitteilung „die Überzeugung, dass die Kündigung trotz einer anderen rechtlichen Würdigung richtig war“ und die Unterzeichner gemeinsam hinter den getroffenen Entscheidungen stehen, an die Öffentlichkeit zu treten. „Die Überzeugung, dass diese Entscheidungen und die neuen Ausrichtungen der Stadtwerke keine (negativen) Auswirkungen auf die Energiepreise haben werden, haben wir in dieser energiepolitisch schweren Zeit bewusst veröffentlicht.“

„Wieder auf das tägliche Geschäft konzentrieren“

Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat und der Betriebsrat der Stadtwerke Huntetal antworteten auf die Fragen unserer Zeitung mit einer gemeinsamen Erklärung. Hier der Wortlaut: „Aufgrund der bisherigen Berichterstattung sah sich der Aufsichtsrat veranlasst, mit einer zusammenfassenden Pressemitteilung an die Öffentlichkeit zu treten. Der Betriebsrat hat sich hinter die Entscheidung des Aufsichtsrates für eine Pressemitteilung und somit auch hinter die Entscheidung der Mitarbeitervertreter im Aufsichtsrat gestellt. Auf weitere Stellungnahmen verzichten wir. Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat und Betriebsrat wünschen sich, dass sich alle Mitarbeiter wieder auf das tägliche Geschäft konzentrieren können. Insbesondere die weltpolitischen Entwicklungen auf die Energiewirtschaft und die damit verbundenen Auswirkungen für unsere Kunden erfordern unsere volle Aufmerksamkeit und Einsatz.“

Werbende Passagen der Mitteilung, beispielsweise, dass Privathaushalte durch CO2-freie Stromversorgung nun Vorteile hätten und dass sich die Stadtwerke sich nun „in Richtung Bürger, Kommunen und Unternehmen ausrichten“, hatte unsere Zeitung gekürzt. Das kritisierten Sudmann und Marré.

Hatten sie mit einer derart großen und für sie negativen Reaktion auf ihre Pressemitteilung gerechnet? Die wortlautgleiche Antwort der Vorsitzenden von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung fällt wenig aufschlussreich aus: „Dass eine Pressemitteilung zu diesem Thema ebenso wie die Leserbriefe, offene Briefe oder andere Artikel zu unterschiedlichen Reaktionen führen, ist selbstverständlich und richtig.“

Sehen sie die Mitteilung als nützlich für das Unternehmen Stadtwerke Huntetal an? Auch diese Frage beantworteten Florian Marré, der Diepholzer Bürgermeister ist, und Heinfried Sudmann unisono. „Die Stadtwerke EVB Huntetal GmbH haben sich nach Überzeugung der Unterzeichner in den letzten zwei Jahren zukunftsfähiger aufgestellt“ – und dies sei „eine wichtige Nachricht, die übermittelt werden sollte“.

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