Landkreis startet Pilotprojekt mit 30 Smartboxen / Geld aus dem Ministerium

Effizienz durch digitale Wasserzähler

Feldberegnungen (wie hier in der Nähe von Martfeld) sollen künftig so effizient wie nur möglich eingesetzt werden. Archivfoto: Heinfried Husmann
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Feldberegnungen (wie hier in der Nähe von Martfeld) sollen künftig so effizient wie nur möglich eingesetzt werden. Archivfoto: Heinfried Husmann

Landkreis Diepholz. Extrem trockene Sommer haben Wasser zu einem besonders wertvollen Gut gemacht, das so gerecht wie möglich verteilt werden muss – mit hoher Effizienz. Ein Pilotprojekt des Landkreises soll dazu beitragen. Es erfasst Feldberegnungsdaten digital und wird vom Landwirtschaftsministerium mit 29 000 Euro gefördert. Unabhängig davon arbeiten die Landvolk-Verbände Grafschaft Diepholz und Mittelweser an der Gründung eines Beregnungsverbandes, der das Wasser gerecht verteilen soll.

Als Leiter des Landkreis-Fachdienstes Umwelt und Straße stellte Stephan Maaß das Pilotprojekt kurz im Fachausschuss für Kreisentwicklung und Umwelt vor – und damit einen digitalen Wasserzähler, den es in dieser Form am Markt noch nicht gibt: Eine Smartbox wandelt die Daten des herkömmlichen Zählers digital um. Sowohl Landkreis als auch Landwirte können die Daten ablesen. 30 Testgeräte werden installiert. Wo genau? „Die einzelnen Aufstellungsorte werden mit der Landwirtschaft freiwillig vereinbart. Eine Karte wird noch erstellt“, erklärt Dieter Schmidt als stellvertretender Fachdienstleiter auf Anfrage dieser Zeitung.

Laufzeit: Drei Jahre

Demnach läuft das Pilotprojekt über drei Jahre. So lange sollen die Smartboxen, die ein Unternehmen aus Augsburg liefert, testweise an Beregnungsbrunnen im Einsatz sein. In vier bis sechs Wochen, so Dieter Schmidt, soll das Projekt starten.

Für den Landkreis sei diese Digitalisierung perfekt, so Theo Runge als Vorsitzender des Landvolkverbands Grafschaft Diepholz. Er erhalte lückenlose Informationen darüber, welche Feldfrüchte zu welchem Zeitpunkt mit welcher Menge bewässert würden. „Wir brauchen diese Daten nicht“, so Runge, „wir haben sie schon“. Denn der Zählerstand am Brunnen werde am Anfang und am Ende der Saison schriftlich festgehalten. „Eigentlich ist das ausreichend“, so Runge. „Wir Landwirte wissen, dass wir mit dem Wasser sehr sorgfältig umgehen müssen.“

Nicht wenige Landwirte hätten Vorbehalte gegen diese Form der Digitalisierung: „Sie befürchten am Ende eine gläserne Landwirtschaft.“

Auch Uhrzeiten registriert

Der digitale Wasserzähler halte auch die Uhrzeiten fest, so Christoph Klomburg als Vorsitzender des Landvolkverbands Mittelweser. Auf diese Weise könne der passgenaue Einsatz der Beregnungen ermittelt werden – sprich die optimale Effizienz erreicht werden. Auf diese Weise könnten Verdunstungs-Verluste auf ein absolutes Minimum reduziert werden.

Die beiden Landvolk-Vorsitzenden befassen sich zurzeit mit einem besonderen Zusammenschluss: Im Landkreis Diepholz soll ein Beregnungsverband entstehen – mit dem Ziel, das kostbare und streng begrenzt zur Verfügung stehende Wasser für die Feldberegnung gerecht zu verteilen. „Es macht Sinn, dass diese Menge zentral gesteuert wird“, sagt Christoph Klomburg. Die Stärke eines solchen Verbands sei der Ausgleich: „Wenn es in Syke regnet, aber in Okel noch Beregnung gebraucht wird, dann können über den Verband Beregnungswasser-Mengen anders gebucht werden.“

Der Vorteil des Verbands sei ebenso die Erarbeitung von notwendigen Gutachten. Bisher müsse jeder Landwirt sie selbst anfertigen lassen: „Das ist bald teurer als die gesamte Beregnung.“ Sie sei – geologisch bedingt – im Süden des Landkreises wichtiger. Dort könne der Boden den Regen nicht so lange halten. Deshalb gebe es dort mehr Beregnungsanlagen.

Theo Runge bestätigt das. Zahlreiche Landwirte hätten bereits investiert und ihre eigene Beregnungs-Infrastruktur geschaffen – auf eigene Kosten. „Diese Landwirte haben natürlich keine große Lust, ihren Besitz in einen Beregnungsverband einzubringen“, sagt Theo Runge – auch wenn, so Christoph Klomburg, der Verband diese Anlagen natürlich kaufe.

„Die große Euphorie ist nicht da“, so Theo Runge. „Wir können natürlich einen Dachverband gründen“, sagt Christoph Klomburg. „Aber die Landwirte müssen mitziehen. Wir können nicht losmarschieren und keiner kommt mit.“ Landwirte mit Interesse an einer Mitgliedschaft sollten sich bei ihrem Landvolkverband melden.

Zumindest eine regional begrenzte Interessengemeinschaft entsteht zurzeit im Wasserschutzgebiet St. Hülfe. Dort würden 60 Prozent der Landwirte ihre Flächen schon beregnen, erläutert Theo Runge. Nun hätten aber auch andere Landwirte Interesse. Die Interessengemeinschaft soll für einen fairen Ausgleich sorgen.

Örtliche Lösungen auf freiwilliger Basis sind auch für Christoph Klomburg ein guter Ansatz. Zwei Landwirte in einem Dorf müssten sich einigen können, wenn der eine Beregnungskontingente habe und der andere nicht.

Von Anke Seidel

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