Schaufahren der Interessengemeinschaft Modellbau 

Echte Werbung für das „Hobby Modellbau“

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Jürgen Köllner aus Diepholz – hier im Gespräch mit Harald Frank (l.) vom Schiffsmodellbau-Club Espelkamp – präsentierte beim Schaufahren den Seenotrettungskreuzer „Hermann Marwede“. Das Original steht vor Helgoland. 

Diepholz - Von Reinhold Dufner. „Leinen los!“ hieß es am Wochenende für rund 250 Schiffsmodelle beim großen Schaufahren der Interessengemeinschaft Modellbau (IGM) Diepholz auf dem Baggersee unweit der Bundesstraßen 51 und 214. Modellbauer aus rund 20 Vereinen nahmen an der Traditionsveranstaltung in der Kreisstadt teil. Das Gros kam aus Norddeutschland. Aber auch „Eigner“ aus den Niederlanden und aus der Schweiz zeigten in Diepholz Flagge.

Besonders stark vertreten war mit gut 50 Booten der Schiffsmodellbau-Club Espelkamp. 22 Mitglieder – angeführt vom ersten Vorsitzenden Klaus Asmus - waren in alter Verbundenheit nach Diepholz gekommen. Der 1979 gegründete Verein zählt 67 Mitglieder im Alter von drei bis 91 Jahren. Ein Höhepunkt ist das alljährliche Dickschiff-Treffen. Die Espelkamper hatten auch ein U-Boot mitgebracht. Trotz intensiver Suche wurde es nicht ausgemacht. Untergetaucht – wahrscheinlich.

Auf dem Baggersee war so ziemlich alles zu bewundern, was auf Weltmeeren, Seen, Kanälen oder Flüssen unterwegs ist.

Frank Niehus aus Bielefeld-Senne, eng dem Dümmer verbunden, und seine Crew präsentierte in Diepholz einen echten Oldtimer, einen Ten-Rater aus dem Jahr 1965. 

Eher gemächlich zogen bullige Schlepper als Kraftprotze ihre Bahn, gekreuzt von eleganten Segelyachten, Kuttern, Kreuzfahrt- und Militärschiffen. Sogar ein Flugzeugträger war mit von der Partie. Alle mussten „die Platte putzen“, als die pfeilschnellen Rennboote das Revier übernahmen. Sie flogen geradezu mit zum Teil ohrenbetäubendem Lärm, der gelegentlich an den Bohrer beim Zahnarzt erinnerte, eben nur viel lauter, und mit weit über 100 Stundenkilometern übers Wasser. „Geil!“ befand einer der jungen Zuschauer. „Mit Modellbau hat das nichts mehr zu tun,“ war aus dem Lager der Teilnehmer zu hören. Nun, auch diese Flitzer gehören zur Modellbau-Szene.

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), war unter anderem mit dem Seenotrettungskreuzer „Hermann Marwede“ vertreten. Das Original steht vor Helgoland, das 1,85 Meter lange Modell im Maßstab 1:25 hat seinen Heimathafen bei Jürgen Köllner. Der Fernfahrer, der zu den „Männern der ersten Stunde“ des Diepholzer Vereins gehört, hatte an dem Schiff drei Jahre gewerkelt. Grundlage war ein Bau-Set eines Kleinserien-Herstellers aus Saßnitz auf Rügen. „Da ist noch viel selbst zu machen. Nachdenken, wie kommt das Tochterboot wieder rein, und, und, und....“

Zu Köllners Flotte gehören auch noch die Seenotrettungskreuzer „Bremen“ und John T. Essberger, der nach seiner Außerdienststellung im Technik-Museum in Speyer endgültig vor Anker ging.

Übrigens ist Jürgen Köllner seit vielen Jahren für die DGzRS ehrenamtlich unterwegs – deshalb auch seine Liebe zu den Schiffen dieser Retter.

Während Köllner noch einen letzten Check an seinem Modell vornahm und dann „mit Musik“ und Blaulicht in See stach, legten Frank Niehus aus Bielefeld-Senne und seine Crew letzte Hand an die „Heiterkeit“ . Dieser Ten-Rater, eine 1,50 m lange und 2,60 m hohe ferngesteuerte schnittige Segelyacht hat Beziehungen zum Dümmer, nicht nur weil das Tuch von Segelmacher Latsch kommt, der einen Standort auch in Hüde hat und dem Segelsport dort eng verbunden ist, sondern weil es hier auch schon im Einsatz war. Seit einigen Jahren werden auf dem Dümmer ja auch Regatten für Modellyachten ausgetragen – mit großem Erfolg!

Die 1965 auf Kiel gelegte „Heiterkeit“ fristete etliche Jahre auf einem Dachboden ihr Dasein. Das Modell wurde zu neuem Leben erweckt, mit viel Liebe und Sachverstand aufgearbeitet und ist nun wieder ein echtes Schätzchen – beladen mit viel Geschichte(n).

Der 44-jährige Frank Niehus hat übrigens nicht nur was mit Modellbau „am Hut“. Er ist auch aktiver Segler mit „richtigen Booten“. Im Laser oder 470er ist er regelmäßig auf dem Dümmer zu sehen.

Erstmals nahm Walter Otten (l.) am Schaufahren teil. Der Worpsweder nutzte das Treffen zu einem Wiedersehen mit seinem Diepholzer Verwandten Reinhard Ulm (M.). 

Zum ersten Mal nahm Walter Otten aus Worpswede an dem Schaufahren in Diepholz teil. Das Mitglied der Interessengemeinschaft Modellbau Hansa Bremen und sein Sohn Andreas nutzen die Veranstaltung zu einem kleinen Verwandtschafts-Treffen mit den Diepholzern Reinhard und Waldtraud Ulm. Walter Otten kann mitreden, wenn es um die Seefahrt geht. Er war rund acht Jahre für den Norddeutschen Lloyd auf Fracht- und Kühlschiff unterwegs. Seine „Bodenstein“ und dem bekannteren Schwersternschiff „Cap San Marco“ hat er ein Denkmal gesetzt – in Form von Modellen, gebaut nach Original-Werftplänen. Bausätze kamen für ihn nicht in Frage. Wenn Otten als Rudergänger in schwerer See berichtet, glänzen seine Augen. Nach der aktiven Zeit heuerte der 72-Jährige beim Hafenamt in Bremen an.

Walter Otten war von dem Gebotenen in Diepholz begeistert. „Ich komme nächstes Mal wieder.“ Er hat aber auch eine Bitte an die Diepholzer Modellbauer. „Wäre toll, wenn der Pfad zu den Liegeplätzen asphaltiert werden würde.“ Beim Transport hätten sich auf dem holprigen Weg sogar die Rettungsboote von seinen Frachtern selbständig gemacht.

Der Besuch des Schaufahrens war gut. Das Wetter spielte mit. Die gastgebende IGM Diepholz sorgte mit Torten, Bratwurst, heißen und kalten Getränken dafür, dass sich Aussteller wie Besucher wohlfühlten. Einige Modellbauer waren schon am Freitag angereist und konnten in unmittelbarer Nähe zum Baggersee ihre Wohnwagen parken.

Schaufahren der Modellbauer in Diepholz

Gleich am Eingang zum Veranstaltungsgelände wurden Besucher zum Wühlen und Finden in einer Grabbelkiste auf. Jedes Teil, das natürlich etwas mit dem Modellbau zu tun hatte, kostete einen Euro. Das Geld wanderte in das Sammelschiff der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffsbrüchiger.

Das Schaufahren war eine echte Werbung für das Hobby „Modellbau“ , aber auch für die Stadt Diepholz.

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