Corona-Angst schürt Risiko der Lebensgefahr

Patienten scheuen Kliniken

Haben mehr als genug Schnelltests für die Klinikverbund-Mitarbeiter: die Geschäftsführer Uwe Lorenz (l.) und Ralph Ehring.
+
Haben mehr als genug Schnelltests für die Klinikverbund-Mitarbeiter: die Geschäftsführer Uwe Lorenz (l.) und Ralph Ehring.

Wenn Menschen mit akuten Gesundheitsbeschwerden aus Angst vor Corona die Klinik meiden, bringen sie sich selbst in Lebensgefahr. Das sei ebenso fatal wie unnötig, stellen Uwe Lorenz und Ralph Ehring als Geschäftsführer des Klinikverbunds klar. In den Kliniken Bassum, Diepholz und Sulingen sei ein extrem hoher Infektionsschutz gegeben.

Landkreis Diepholz – Der Wert ist alarmierend: Um 31 Prozent ist die Patientenzahl in den deutschen Kliniken im Januar gesunken, hat die AOK festgestellt. Davor, von Oktober bis Januar, lag der Rückgang demnach im Schnitt bei 20 Prozent. Das gilt auch für den Klinikverbund Landkreis Diepholz, stellen dessen Geschäftsführer Uwe Lorenz und Ralph Ehring klar. „Diese Werte beziehen sich auf die Gesamtfallzahl – sowohl auf planbare als auch auf nicht planbare Fälle“, so Ralph Ehring. Mutmaßliche Ursache für den Rückgang: Angst vor einer Corona-Infektion.

Die sei jedoch völlig unbegründet, stellen die Geschäftsführer mit Blick auf die Sicherheitskonzepte und die Teststrategie in den Kliniken Bassum, Sulingen und Diepholz fest. „Krankenhäuser gehören zu den sichersten Orten“, betont Uwe Lorenz. Zumal, so Ralph Ehring, mittlerweile schon 80 Prozent der rund 1 400 Mitarbeiter in den drei Kliniken gegen Corona geimpft seien.

Dennoch: Laut Erhebung der AOK ist die Zahl der Herzinfarkt-Fälle in bundesdeutschen Kliniken um 13 Prozent zurückgegangen. Bei Schlaganfällen beträgt das Minus elf Prozent und bei Darmkrebsverdacht sogar 20 Prozent. Daraus lässt sich schließen: Viele Betroffene lassen sich vermutlich nicht behandeln und bringen sich damit selbst in Gefahr.

Die beiden Klinik-Geschäftsführer raten deshalb dringend dazu, die stationäre Behandlung bei akuten Beschwerden nicht aufzuschieben: „Das Risiko, sich bei uns mit Corona zu infizieren, ist außerordentlich gering.“

Andere, wie etwa schwer verletzte Opfer von Verkehrsunfällen, haben keine Wahl. Wie läuft ihre Behandlung unter Corona-Bedingungen ab? Parallel zur Notfallbehandlung werde ein spezieller PCR-Test abgenommen, antwortet Ralph Ehring. „Es ist ein Test, den wir selber in der Klinik auswerten können.“ Ist er positiv, dann folge ein zweiter Test im Labor.

„Zwischenzeitlich behandeln wir den Patienten aber so, als wäre er positiv“ – sprich unter den Bedingungen, unter denen der Klinikverbund Corona-Infizierte von den anderen Patienten isoliert und behandelt. Besagtes Unfallopfer würde, abgeschirmt von allen anderen, ein eigenes Zimmer erhalten. „Selbst bei einer negativen Testung gilt in allen Bereichen eine Wachsamkeitspflicht“, so Ralph Ehring.

Bei planbaren Operationen – beispielsweise bei Patienten, die ein neues Knie erhalten sollen – ist der Coronaschutz bereits in die vorbereitenden Maßnahmen eingebunden. Steht das Aufklärungsgespräch schon zwei Wochen vor dem OP-Termin an, „dann wird der Patient eingeladen, noch vor dem Termin einen Test zu machen,“ so Ralph Ehring. Sei das – zum Beispiel aus Gründen der Entfernung – nicht möglich, dann erfolge am Tag der OP der in der Klinik auswertbare PCR-Test.

„Wir arbeiten mit Netz und doppeltem Boden“, so die Geschäftsführer. Sie verweisen außerdem auf das organisatorische Sicherheitskonzept. In allen drei Kliniken des Verbundes bestehen streng abgegrenzte Isolierbereiche: Räumlich, organisatorisch und personell sind die Bereiche für Covid-19-Patienten strikt von den anderen abgetrennt. „Je nach Situation oder Geschehen können wir sie größer oder kleiner gestalten“, so Uwe Lorenz. Er betont: „Der normale Patient hat keine Chance, sich zu infizieren.“ Beim Personal schon gar nicht, stellt er im Schulterschluss mit Ralph Ehring klar. Denn für alle Mitarbeiter, die mit Covid-19-Patienten oder auf der Intensivstation arbeiten, sei ein wöchentlicher Test verpflichtend. „Unabhängig davon, ob sie geimpft sind oder nicht“, betonen die Geschäftsführer.

Verpflichtend sei der Test auch für alle Mitarbeiter, die mehrere Tage abwesend oder im Urlaub gewesen seien. Darüber hinaus hätten alle Mitarbeiter die Möglichkeit, sich zweimal pro Woche freiwillig testen zu lassen. Außerdem gebe es Tests auch für Patienten und weitere Hygienemaßnahmen wie Mund-Nasen-Schutz.

Damit das Virus nicht von außen in die Kliniken getragen wird, gelten schon seit Langem strikte Besuchseinschränkungen. Die Zugänge zu den Kliniken seien grundsätzlich gesperrt. Handwerker oder Vertreter für den medizinischen Bereich dürfen die Häuser nur gegen Vorlage eines Negativ-Tests und mit speziellem Besucherausweis betreten. Die Vorlage eines Impfausweises zählt nicht: „Bisher gibt es keine rechtliche Grundlage dafür“, sagt Ralph Ehring.

Genau wie Uwe Lorenz weiß er, wie schwer die aktuelle Situation für Angehörige von lebensbedrohlich erkrankten oder sterbenden Patienten ist: „Das ist ein unglaublicher Druck.“ Ihnen ermöglicht der Klinikverbund Besuche: „Wir wünschen uns aber, dass die Angehörigen vorher einen Test machen.“ Wenn das nicht möglich sei, könne das direkt vor dem Besuch nachgeholt werden.

Von Anke Seidel

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Meistgelesene Artikel

Todesfall nach Corona-Impfung im Landkreis Diepholz – Zusammenhang unklar

Todesfall nach Corona-Impfung im Landkreis Diepholz – Zusammenhang unklar

Todesfall nach Corona-Impfung im Landkreis Diepholz – Zusammenhang unklar
Familienfehde in Diepholz eskaliert: Großer Polizeieinsatz

Familienfehde in Diepholz eskaliert: Großer Polizeieinsatz

Familienfehde in Diepholz eskaliert: Großer Polizeieinsatz
Fahrrad-Stau im Diepholzer Fundbüro

Fahrrad-Stau im Diepholzer Fundbüro

Fahrrad-Stau im Diepholzer Fundbüro
Unverhoffte Impf-Berechtigung: Was es mit Einladungen für junge Gesunde auf sich hat

Unverhoffte Impf-Berechtigung: Was es mit Einladungen für junge Gesunde auf sich hat

Unverhoffte Impf-Berechtigung: Was es mit Einladungen für junge Gesunde auf sich hat

Kommentare