„Meilenstein für Zukunftsfähigkeit“

ZF am Dümmer: Keine betriebsbedingten Kündigungen bis Ende 2026

Bei ZF haben sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf Eckpunkte für das Zielbild der Standorte am Dümmer (hier in Diepholz) geeinigt. Archivfoto: Haab
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Bei ZF haben sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf Eckpunkte für das Zielbild der Standorte am Dümmer (hier in Diepholz) geeinigt. Archivfoto: Haab

Lemförde / Diepholz – Beim Automobilzulieferer ZF haben sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter auf wesentliche Eckpunkte für das Zielbild der Standorte am Dümmer geeinigt. Das teilte das Unternehmen am Dienstagnachmittag mit.

Betriebsbedingte Kündigungen werden demnach am Multidivisionsstandort Lemförde (MDS) bis zum 31. Dezember 2026 ausgeschlossen. „Zukunftskompetenzen, Innovation und Digitalisierung“ sollen an den Standorten gestärkt werden, wie es heißt. Zur Förderung der Ausbildung in der Region will ZF zudem 1,5 Millionen Euro an die Private Hochschule für Wirtschaft und Technik (PHWT) in Diepholz und Vechta spenden.

ZF werde den MDS Lemförde zum globalen Zentrum für Fahrwerktechnologie weiterentwickeln, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens. „Dessen Werke werden sich auf renditestarke und innovative Produkte fokussieren, um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Standorte am Dümmer zu sichern. Produkte, die sich in Deutschland nicht zukunftsfähig produzieren lassen, werden hingegen konsequent an Standorte mit wettbewerbsfähigerer Kostenstruktur verlagert.“

In den Werken am Dümmer soll mit hoch qualifizierten Mitarbeitern die Fahrwerktechnologie der Zukunft im Mittelpunkt stehen. Hierfür seien in den vergangenen Monaten richtungsweisende Weichen gestellt worden.

In Diepholz habe die Division Pkw-Fahrwerktechnik bereits wesentliche Meilensteine beim zentralen Projekt zur Einführung von „Industrie 4.0“ im Gesamtkonzern erreicht. In Dielingen baue die ZF-Division Pkw-Fahrwerktechnik die Produktentwicklung weiter aus und schaffe mit dem „Chassis 2.0 Campus“ ein Zentrum für die Entwicklung des Fahrwerks der Zukunft.

Eine solche Transformation erfordere hoch qualifiziertes Personal. Um auch künftig über ausreichend Fachkräfte zu verfügen, setze ZF am Dümmer auf ein umfangreiches Qualifizierungsprogramm und stärke auch Bildungsangebote in der Region.

1,5 Millionen Euro Spende für die PHWT

Mit einer Spende von 1,5 Millionen Euro unterstütze der Technologiekonzern die Private Hochschule für Wirtschaft und Technik (PHWT) in Diepholz und Vechta. Die PHWT sei mit ihren Angeboten zum Dualen Studium ein zentraler Pfeiler im Ausbildungskonzept des Multidivisionsstandorts Lemförde.

Neben der Konzentration auf rentable Produktgruppen und Zukunftstechnologien werde die Transformation am MDS neben strukturellen und arbeitsorganisatorischen Veränderungen auch „eine Abschmelzung von Arbeitsplätzen“ beinhalten, heißt es in der Mitteilung weiter. „Diese Anpassungen sollen durch Fluktuation und ein weiteres Sonderprogramm mit Angeboten zu Altersteilzeit und Aufhebungsverträgen erfolgen. Zusätzlich wurde vereinbart, dass bis zum 31. Dezember 2026 betriebsbedingte Beendigungskündigungen für Stammmitarbeiter an den Standorten am Dümmer ausgeschlossen sind.“

Schaltungssysteme noch zum Verkauf

Der Verkauf des Diepholzer ZF-Werkes Electronic Interfaces („Schaltungssysteme“) ist noch nicht vom Tisch. Das bestätigte am Dienstagabend Florian Tausch, Sprecher der ZF-Division Pkw-Fahrwerktechnik, auf Anfrage unserer Zeitung. Die Suche nach einem Käufer sei ein „Parallelprozess“ zu der Neuausrichtung der ZF-Werke rund um den Dümmer auf Zukunftstechnologien. Der Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen bis Ende 2026 und andere Regelungen würden aber auch für die Mitarbeiter von Electronic Interfaces gelten, so der ZF-Sprecher. Hintergrund der seit Monaten diskutierten Verkaufsabsichten: In Elektroautos werden keine Getriebeschaltungen benötigt. Der von ZF angekündigte Zusammenschluss der Werke Diepholz und Wagenfeld zu einem Produktionsnetzwerk betreffe nicht die Schaltungssysteme.

Die Werke Diepholz und Wagenfeld sollen zu einem Produktionsnetzwerk verbunden werden, wie es heißt. „Dadurch werden das Know-how der Mitarbeiter sowie die Aufgaben in Organisation und Produktion über Werksgrenzen hinaus zusammengeführt.“

Mit Ablauf des Mietvertrags Ende 2023 werde die bereits angekündigte Schließung des Werks in Damme erfolgen. Die dort gefertigten defizitären Produktgruppen sollen an Standorte mit günstigeren Kostenstrukturen verlagert werden; andere Produkte gehen in die Fahrwerkstandorte am MDS nach Diepholz und Wagenfeld.

ZF werde allen Mitarbeitern des Werks in Damme eine Weiterbeschäftigung an einem der anderen Standorte am Dümmer sowie Angebote zu Altersteilzeit und Aufhebungsverträgen anbieten.

Mit einer Kundgebung und einem Autokorso hatte die IG Metall im Mai auf dem Diepholzer Marktplatz gegen den möglichen Arbeitsplatzabbau in ZF-Werken rund um den Dümmer protestiert. Archivfoto: Jansen

Dr. Peter Holdmann, Leiter der am Dümmer ansässigen ZF-Division Pkw-Fahrwerktechnik, bezeichnete das Zielbild „als wichtigen Meilenstein für die Zukunftsfähigkeit der Standorte am Dümmer“. „Mit der Kombination aus Zukunftskompetenzen einerseits und einer Konzentration auf profitable Produktgruppen andererseits stärken wir die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. So sichern wir auch die verbleibende Produktion nachhaltig.“

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Jörg Amon, Vorsitzender des Betriebsrats am Multidivisionsstandort Lemförde betonte laut Mitteilung, dass „die getroffene Vereinbarung den Arbeitnehmern Sicherheit und eine klare Perspektive gibt. Es gilt nun, die Bausteine mit Hochdruck und Punkt für Punkt gemeinsam umzusetzen. Dabei müssen alle Maßnahmen am MDS darauf ausgerichtet sein, möglichst viele Arbeitsplätze nachhaltig zu erhalten“.  

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