Kein Trendsport im Naturschutzgebiet

Trotz FDP-Antrag: Dümmer bleibt für Kitesurfer tabu

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Das Kitesurfen erfreut sich in vielen Urlaubsgebieten großer Beliebtheit. Auf dem Dümmer bleibt es verboten. 

Lembruch/Hannover - Von Klaus Wieschemeyer und Julia Kreykenbohm. Kitesurfer müssen auch künftig einen Bogen um den Dümmer machen. Im niedersächsischen Landtag scheiterte ein Antrag der FDP, auf dem Gewässer eine Kitezone einzurichten, wie es sie auf dem Steinhuder Meer bereits gibt.

Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) verteidigte das bestehende Verbot für den Sport, bei dem Surfer an Lenkdrachen über das Wasser gezogen werden. Dieses sei bereits in der vergangenen Legislaturperiode unter Wenzels Vorgänger Stefan Birkner (auch FDP) beschlossen worden, stellte Wenzel klar. Und an der fachlichen Beurteilung habe sich nichts geändert. Demnach ist der Dümmer vor allem zu klein für den Sport – Kiteboarder könnten bei der Ausübung die Natur stören.

Der FDP-Mann Gero Hocker hatte zuvor leidenschaftlich für eine Lockerung des Verbots geworben und damit Hilferufe aus der Region aufgenommen. Das Freizeitverhalten der Menschen habe sich geändert, dem müsse die Politik Rechnung tragen. Andernfalls werde die Dümmer-Region touristisch „altmodisch“ und abgehängt, warnte Hocker. Von einer Tourismus-Belebung durch einen ausgewiesenen Kitesurfer-Korridor würde demnach auch die Natur profitieren.

SPD und Grüne wiesen den Vorschlag zurück: „Um die Dümmer-Region attraktiver zu machen, bedarf es anderer Maßnahmen“, sagte die SPD-Abgeordnete Luzia Moldenhauer. Der Grünenpolitiker Hans-Joachim Janßen sagte, der See biete nicht ausreichend Fläche, zudem würden die Lenkdrachen die Vögel stören. „In diesem Fall geht der Naturschutz vor“, sagte Janßen.

Anhörung von Rot-Grün abgelehnt

Die CDU kritisierte, der Landtag habe sich nicht ausreichend mit dem Thema befassen können. „Wir hätten uns gerne mit denen unterhalten, die das Kitesurfen propagieren“, sagte der CDU-Politiker Martin Bäumer. Doch eine Anhörung sei von Rot-Grün abgelehnt, die Behandlung des FDP-Antrags im Landtag durchgepeitscht worden. Ohne diesen fachlichen Austausch sei „keine vernünftige Beratung möglich“ gewesen, so Bäumer. Der Landtag lehnte den Antrag am Mittwochabend gegen die Stimmen der FDP und Teile der CDU ab.

„Ich bin entsetzt über die Äußerungen von Frau Moldenhauer und kann sie nicht nachvollziehen“, erklärte FDP-Landtagsabgeordneter Dr. Marco Genthe auf Nachfrage dieser Zeitung. Das Verbot sei ein Schlag gegen die Interessen vor Ort. Genthes Meinung nach wäre es möglich gewesen, die Umwelt zu schonen, in dem man die bereits genannten Zonen für die Kitesurfer eingerichtet hätte, wie es auch auf dem Steinhuder Meer passiert. „Der Umweltschutz gerät dadurch nicht ins Hintertreffen.“

Hans-Joachim Janßen sieht die Zonen kritischer: „Wie die Region Hannover in der Unterrichtung im Umweltausschuss dargestellt hat, ist es nicht ganz einfach, die Nutzung tatsächlich auf diese Zone zu begrenzen. Für den Ranger wurde extra ein Boot angeschafft, damit er Kitern hinterherkommt, die Grenzen der Kitezone missachten. Ein solcher Kompromiss zwischen Wassersport und Naturschutz ist in der Umsetzung also ein täglicher Balanceakt.“

Konflikte zwischen Booten und Surfern hätte es Genthes Ansicht nach auch nicht gegeben, da sich die Anzahl der Boote auf dem Dümmer bereits verringert habe. „Nun wäre es an der Zeit gewesen, neu zu denken, innovativ zu sein. Der Tourismus hat Probleme und das Kitesurfen zieht auch immer viele Zuschauer an. Es wäre mal eine neue Perspektive gewesen“, bedauert Genthe den abgelehnten Antrag.

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