Von Neapel an den Dümmer / Jubiläum im Werk Diepholz

Drei Generationen bei ZF

ZF-Gastarbeiter in den 60er Jahren. Dritter von rechts ist Vincenzo Travaglino, der Großvater von Antonio Trucco, der nun in dritter Generation bei ZF ist und im Werk Diepholz des Automobilzulieferers sein 25-jähriges Jubiläum feierte. Foto: ZF

Diepholz/Dielingen – Antonio Trucco und Concetto Tata sind seit über 25 Jahren bei ZF – und führen damit beide eine seltene langjährige Familientradition fort.

25 Jahre bei der gleichen Firma angestellt zu sein, ist für die meisten Menschen eine ganz schön lange Zeit. Doch für Antonio Trucco und Concetto Tata, beides Mitarbeiter in der Qualitätsvorausplanung in Diepholz und seit 1993 bei ZF, ist das nur das aktuelle Kapitel einer Geschichte, die sehr viel weiter zurückreicht: Ihre Familien arbeiten bereits in der dritten Generation für das Unternehmen – und kommen damit auf knapp 60 Jahre gemeinsame Vergangenheit mit ZF, berichtet das Unternehmen.

Dabei sollte der Dümmer sowohl für Truccos Großeltern wie auch für Tatas Vater ursprünglich nur eine kurze Zwischenstation werden, als sie in den 1960er Jahren als italienische Gastarbeiter zur damaligen Lemförder Metallwarengesellschaft kamen.

So ließ Truccos Großvater Vincenzo Travaglino Frau und Kinder vorerst im heimatlichen Neapel zurück, als er sich 1965 auf den Weg nach Dielingen machte. Dort wurden Gastarbeiter dringend gesucht: In der ländlichen Region rund um den Dümmer gab es schlicht nicht genug Arbeitskräfte, um den steigenden Personalbedarf in der Produktion zu decken. Die italienischen Neuankömmlinge wurden in werkseigenen Wohnungen und eigens eingerichteten Siedlungen untergebracht. Insbesondere Irmgard Ulderup, Frau des Firmengründer Dr. Jürgen Ulderup, legte laut ZF-Bericht großen Wert darauf, es den neuen Kollegen möglichst einfach zu machen, ihre Familien nachzuholen. So kam 1966 auch Truccos Großmutter zu ZF nach Dielingen, zwei Jahre später folgte Truccos damals 19-jähriger Vater Domenico. „Die erste Zeit war schon schwierig für meine Großeltern“, sagt Antonio Trucco. „Von einer süditalienischen Großstadt in ein norddeutsches Dorf – da muss man sich erstmal einfinden. Aber mit der Zeit haben sie sich hier sehr wohlgefühlt.“

Während es die Großeltern bis zur Rente auf jeweils rund 20 Jahre Unternehmenszugehörigkeit brachten, blieb Domenico 44 Jahre bei ZF – erst in der Produktion, später als Schweißer. Dort lernte er auch seine spätere Ehefrau kennen: Maria Travaglino stammt ebenfalls aus Neapel und war zwei Jahre vor Domenico nach Dielingen gekommen. Antonio Trucco ist eines von sechs Geschwistern, und in guter Familientradition arbeitet auch seine Frau bei ZF in Dielingen bei den Gastrobetrieben.

Concetto Tatas Familiengeschichte mit ZF reicht noch weiter zurück. Seine Großmutter Inge Matthies arbeitete bereits 1959 im Serienversand des Automobilzulieferers und nachmittags zusätzlich als Putzkraft. Später wechselte sie ins Ersatzteillager, wo sie den Versand und die Kommissionierung aufbaute und bis zu ihrer Rente 1989 leitete.

Ihre Kinder kamen schon früh in Kontakt mit dem Unternehmen: Wenn ihr Ehemann krank war, durfte Inge Matthies die Kinder mit zur Arbeit bringen. „Dann hat Herr Dr. Ulderup gerne auch mal Schokolade verteilt“, erzählt Tata. Die frühe Mitarbeiterwerbung hatte Erfolg, denn als Tatas Mutter Annegret sich für einen Ausbildungsplatz entscheiden musste, fiel ihre Wahl auf ZF, damals noch Lemförder Metallwaren.

Orazio Tata hörte dagegen erst als junger Mann von dem Unternehmen: Bekannte waren dort Gastarbeiter. Also verließ er im November 1969 mit 21 Jahren Sizilien Richtung Stemwede/Lemförde und wurde Mitarbeiter erst in der Kugelzapfenproduktion und dann in der Qualitätssicherung. Annegret Matthies traf er 1970, und neben dem gemeinsamen Sohn Concetto ist auch die Tochter Silvia bei ZF – sie arbeitet zwischenzeitlich seit über 30 Jahren als technische Zeichnerin.

Als sogenannte „MiKis“, Mitarbeiterkinder, aus Gastarbeiterfamilien kennen sich Antonio Trucco und Concetto Tata schon seit Kindertagen. Dass auch sie einmal bei ZF arbeiten würden, stand für die beiden nie infrage. „Wir waren eine riesige Clique, und alle haben dort ihre Ausbildung gemacht – da war klar, dass wir dabei sind“, erinnert sich Trucco.

Ob seine Kinder die Tradition weiterverfolgen, weiß er momentan noch nicht – die Tochter macht aktuell ihr Abitur und ist noch unentschlossen, bei seinem Sohn sind es noch ein paar Jahre hin. Wie viele Veränderungen seine Familie und er bei ZF am Dümmer miterlebt hätten, sei ihm neulich klar geworden, als er über seinen alten Werksausweis gestolpert sei, sagt Tata: „Da hab ich doch kurz gedacht, Mann, das ist ein echtes Stück Geschichte!“

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