Diskussion um Diepholzer Krankenhaus: Ärzte und Pflegekräfte im Rathaus

„Verlegung der Urologie so nicht möglich“

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Ärzte, Politiker und andere Bürger kamen am Mittwochabend im Rathaus auf Einladung aller vier Fraktionen des Rates zusammen, um neue Argumente für den Erhalt des Diepholzer Krankenhauses zu sammeln.

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Äußerst kritisch sieht die heimische Ärzteschaft die Pläne des Landkreises Diepholz für die Zukunft des Diepholzer Krankenhauses. Die geplante Auflösung der Chirurgie in Diepholz steht im Mittelpunkt der Kritik – aber auch die Verlegung der Urologie nach Bassum. Das wurde am Mittwochabend im Diepholzer Rathaus deutlich. Dorthin hatten die Ratsfraktionen von CDU, SPD, FDP und Grünen gemeinsam Ärzte, im Krankenhaus Beschäftigte und Bürger eingeladen. In der Diskussion gab es auch eine für viele überraschende Erkenntnis.

Demnach kann die Urologie – wie auch vom Landkreis geplant – nicht so einfach von Diepholz nach Bassum verlegt werden. Das erklärte der Urologe Dr. Jörg Busche. Er verwies darauf, dass die Urologie im Diepholzer Krankenhaus auch ein Kassenarztsitz sei, für den die Kassenärztliche Vereinigung (KV) in Verden zuständig ist.

Der Gutachter, den die Stadt (wie berichtet) beauftragt hat, um die Krankenhaus-Pläne des Landkreises mit Blick auf die Klinik Diepholz zu durchleuchten, soll diesen Aspekt nun schnellstmöglich klären.

Dr. Busche betonte auch, wie wichtig die chirurgische Abteilung des Diepholzer Krankenhauses für niedergelassene Ärzte ist. Mehrere Mediziner – wie zum Beispiel der Gynäkologe Dr. Dariusz Malan – nutzen die OP-Säle.

Und auch für die im Krankenhaus ansässige Radiologie von Dieter Wistuba hätte ein Abzug der Chirurgie aus Diepholz deutliche Folgen: „Der Betrieb wäre dann so nicht mehr aufrecht zu erhalten“, betonte Wistuba bei der öffentlichen Veranstaltung im Rathaus, wo etwa 80 Menschen den Sitzungssaal füllten. Etwa die Hälfte seiner Patienten seien stationär im Krankenhaus aufgenommen, die andere Hälfte komme zur ambulanten Untersuchung. Bräche der stationäre Anteil weg, sei die Radiologie in Diepholz „nicht mehr lebensfähig.“

Der Nephrologe Dr. Thomas Bödefeld betonte, dass auch seine Dialyse an der Amelogenstraße eng mit dem Krankenhaus verzahnt sei.

Facharzt Dieter Wistuba kritisierte zudem, dass er Informationen über die Klinik-Zukunft nur über Dritte bekäme, obwohl er für seine Radiologie Verträge mit den Alexianern als Krankenhausträger habe.

„Das wichtigste in einem Krankenhaus ist die Chirurgie“, betonte auch Urologie-Chefarzt Dr. Bernd Rasper: „Ohne diese ist das Haus keinen Cent mehr wert“.

Die Hausärzte seien ebenso auf die Chirurgie angewiesen, erklärte der niedergelassene Allgemeinmediziner Dr. Marcel Blesken. Für ihn ist die medizinische Nahversorgung durch das Krankenhaus auch eine Frage der Sicherheit der Bürger.

Zwei Stunden lang brachte Ärzte und andere Bürger Argumente für den Erhalt der Klinik Diepholz mit einer 24-stündigen Versorgung an sieben Tagen in der Woche vor. Es war Ziel der gemeinsamen Veranstaltung der Ratsfraktionen, mit neuen Argumenten die Kreistagsmitglieder zu bewegen, am 13. Juli noch keine Entscheidung zur Krankenhaus-Zukunft im Landkreis zu treffen, sondern diese zu vertagen.

14410 Unterschriften

für Klinik-Erhalt

Das unterstützte auch der Diepholzer stellvertretende Bürgermeister und Kreistagsabgeordnete Hans-Werner Schwarz (FDP): „Was uns vorliegt, ist so nicht zustimmungsfähig.“

Wie engagiert sich nicht nur die Diepholzer Kommunalpolitiker, sondern auch die Bürger für den Erhalt des Krankenhauses einsetzen, zeigt die neueste Zahl, die Jolanta Malan als Sprecherin der Bürgerinitiative bei der Veranstaltung im Rathaus nannte: 14410 Menschen fordern inzwischen mit ihren Unterschriften den Erhalt der Klinik Diepholz.

Die durchweg sachlich aber auch teilweise emotional geführte Diskussion moderierte der SPD-Fraktionsvorsitzende Manfred Albers.

Zuvor hatte die CDU-Fraktionsvorsitzende Heide Friedrichs die Situation aus Sicht der Stadt kritisch geschildert. Die Stadt Diepholz habe einen gewünschten Gesprächstermin mit den Alexianern bekommen – allerdings erst für den 20. Juli, also sieben Tage nach der möglicherweise entscheidenden Kreistagssitzung am 13. Juli in Neubruchhausen.

Die Stadt habe den Alexianer für die Klinik Diepholz einen Zuschuss über 500000 Euro gegeben und werde nun vor die neuen Planungen gestellt: „Wir fühlen uns betrogen“, schimpfte Heide Friedrichs.

Der Diepholzer Volker Jürgens fragte, ob es für das vom Landkreis vorgestellte Modell ohne Chirurgie und Urologie eine Rentabilitätsberechnung für die nächsten Jahre gebe.

In der großen Runde gab es nur einen, der die Pläne des Landkreises zumindest grundsätzlich verteidigte: Der in Diepholz wohnende Arzt im Ruhestand und Medizinjournalist Wolbert Schnieders-Kokenge. Er verwies auf die Milliarden-Kosten des Gesundheitswesens und sah die Diepholzer Krankenhaus-Pläne als notwendige Sparmaßnahmen an: Was nutz eine allgemeine Chirurgie an einem relativ kleinen Krankenhaus? Schnieders-Kokenge: „Wir können sie uns nicht leisten!“

Beifall bekam er dafür nicht.

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