Beziehungen mit Taiwan weiter ausgebaut

Dieselloks aus Diepholz spielen große Rolle

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Professor Dr. Shie Jhy-Why (rechts) überreichte am Ende des Taiwan-Abends ein modernes Teegeschirr als Geschenk an Bärbel Schmitz („Kunst in der City“, links) und den stellvertretenden Bürgermeister Hans-Werner Schwarz.

Diepholz - Die Direktflüge der Fluggesellschaft China Airlines gehen von der taiwanesischen Hauptstadt Taipei nach Rom, Wien, Frankfurt, Amsterdam und London. Die freundschaftlichen Bänder reichen bis ins niedersächsische Diepholz. Als der dreitägige Besuch einer großen Gruppe von in Deutschland lebenden Taiwanesen am Sonntag endete, hatten die Gäste viel gesehen.

Sie waren zu Gast in der Diepholzer Lokomotivenfabrik Schöma, bei der Kreiszeitungs-Zentrale in Syke, im Hochmoor rund um Ströhen mit dem Zentrum „Moorwelten“, im Niedermoor am Dümmer und im Museum und Park Kalkriese (Varusschlacht) in Bramsche.

Was die Gruppe der Organisatoren der außergewöhnlichen Freundschaft zwischen Diepholz und Taiwan bei ihrem Gegenbesuch im November in Taiwan erwartet, darüber hüllte sich Moderatorin Dr. Yang Ying-Feng weitestgehend in Schweigen, verriet aber: „Auf jeden Fall die Fahrt mit einer Schöma-Diesellok.“

Diese Art Loks exportierte bereits die ehemalige Diepholzer Lokomotivenfabrik Diema nach Taiwan. Seit mehr als 20 Jahren liefert die Firma Schöma aus Diepholz Dieselloks, beziehungsweise lässt dort seit zehn Jahren Rangierloks in Lizenz bauen.

Unter den taiwanischen Freunden waren der ständige Repräsentant Taiwans, Professor Dr. Shieh Jhy-Wey, der Direktor der Taipeh Vertretung in Hamburg, Shen Wen-Chiang, und die Historikerin Dr. Yang Ying-Feng.

Der von der Agenda 21-Bürgerstiftung, der Fördergemeinschaft Lebendiges Diepholz (Arbeitsgemeinschaft „Kunst in der City“) und dem Heimatverein Diepholz auf die Beine gestellte internationale Taiwan-Abend am Freitag im Alten Rathaus wurde zu einem herrlichen Wortspiel-Abend. Zwar konnte niemand dem Wortwitz von Prof. Shieh das Wasser reichen, aber Sinn hatte jede Pointe.

„Wissen Sie, was ich sofort übersetzte, als ich den Slogan ,Taiwan, Touch my heart“ las?’“, fragte stellvertretender Bürgermeister Hans-Werner Schwarz: „Wir waren bereits bei ihrem ersten Besuch mit dem Künstler Kang Muxiang zur Aufstellung seines Kunstwerkes in Diepholz berührt.“

Das Kunstwerk „Die unendliche Weisheit“ steht noch an der St.-Nicolai-Kirche, wird aber weiterwandern. Was in Diepholz bleibt, ist die kleine eigens für Diepholz von Kang Muxiang gefertigte Holzskulptur „Embryo“. Hans-Werner Schwarz als Pate sah dies als Symbol für die wachsende Freundschaft zwischen Diepholz und Taiwan.

In 13 Punkten geballter Historie von 1582 (Taiwans Frühgeschichte), als erste Europäer (Portugiesen) die Insel östlich von China und südwestlich von Japan im Pazifik fanden und ihr den Namen „ilha Formosa“, schöne Insel) gaben, bis zum heutigen „Chinese Taipei“, wie Taiwan offiziell als Provinz von China aber mit völlig anderem Wirtschaftssystem auf der Weltbühne auftreten muss. „Eigentlich erlitten die Portugiesen damals Schiffbruch und landeten auf unserer Insel“, erläutert Dr. Yang. Ab 1624 erlebte Taiwan eine wechselvolle Geschichte mit Kolonialzeit, verschiedenen Königreichen und Herrschaften von Dynastien, die Abtretung an Japan mit 51-jähriger Besatzungszeit, nach 1945 Bürgerkrieg und allmählicher Demokratisierung Taiwans mit heutigen wechselnden Regierungsparteien.

„Es war ein Machtwechsel ohne Blutvergießen, aber wir leben ein wenig wie im Erlkönig beschrieben: „Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt; Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt“ zitiert Shieh. Er liebt die deutsche Literatur und studierte Germanistik. Andere Zitate folgten: Aus Goethes „Faust“ oder Heinrich Bölls „Die Waage der Baleks“. Die passte für Shieh zur Ausbeutung der Japaner des weißen Goldes (Rohrzucker), die Grundlage der Anziehungskraft für Kolonialmächte und Armut der Taiwaner.

Taiwan sei eigentlich ein geografischer Begriff, Formosa die Bezeichnung der Portugiesen und Republic of China (ROC) die aufoktroyierte offizielle Bezeichnung.

„Das Gefühl der Taiwanesen zur Diesellok aus Diepholz ist viel enger als bekannt“, erläuterte Dr. Yang. Kinder fuhren mit der Zuckerbahn zur Schule, Menschen arbeiten auf Feldern neben der Bahnstrecke, in Zement- oder Bergwerken mit der Bahn. Eine Fangemeinde pflege den Diema-Kult mit Accessoires und Herr Su I-Jaw hat eine umfangreiche Fotosammlung der Lokomotiven und Eisenbahnnetzkarten erarbeitet (Internet: http://citycat.theweb.tw).

Es folgten an dem Abend Infos über Reisen, Sprachkurse, Praktika und Working Holiday in Taiwan. „Namhafte deutsche Hochschulen empfehlen Taiwan als idealen Ort für Fachpraktika und Auslandssemester“, sagte Dr. Yang. 

sbb

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