Gewerkschaft appelliert an Verbrauchergewissen

Diepholzer vernaschen rund 2.040 Tonnen Schokolade im Jahr

Landkreis Diepholz - Die Naschkatzen im Landkreis Diepholz lang ganz schön zu: 2.040 Tonnen Schokolade aßen sie zuletzt rein statistisch – gut 9,5 Kilo pro Kopf. Beim Käse waren es 5.240 Tonnen, also rund 24,5 Kilo pro Einwohner. Außerdem trinken die Menschen im Landkreis rund 223.000 Hektoliter Bier im Jahr, was 104 Liter pro Kopf entspricht. Das berichtet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

„Schokolade, Käse, Bier – nur drei Beispiele, die zeigen, welche Bedeutung Lebensmittelindustrie und -handwerk haben“, heißt es bei der NGG. Rund 3.100 Arbeitsplätze hängen im Kreis Diepholz laut Arbeitsagentur an der Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln. 

„Die Branche ist aber nicht nur regional ein Schwergewicht. Nimmt man den Umsatz, ist sie der drittgrößte Industriezweig in Deutschland – ein Großteil der Produktion geht in den Export“, sagt Matthias Brümmer von der NGG Oldenburg-Ostfriesland. Neue Food-Trends wie gluten- oder laktosefreies Essen seien eine Herausforderung auch für die heimische Ernährungswirtschaft, so Brümmer. 

Faire Lebensmittelproduktion wichtig

Die sei gut aufgestellt und belege bei Produktions- und Hygienestandards weltweit einen Spitzenplatz. „Kaum irgendwo ist die Lebensmittelsicherheit höher als bei uns“, sagt der Geschäftsführer der NGG Oldenburg-Ostfriesland. Eine Voraussetzung für gutes Essen und Trinken sei jedoch, dass dieses fair produziert werde – angefangen vom Anbau der Zutaten bis hin zu den Arbeitsbedingungen in der Verarbeitung. 

Dazu hat die NGG eine lebensmittelpolitische Initiative gestartet. Brümmer: „Gute Ernährung und gute Arbeit gehören zusammen. Hygiene unter Zeitdruck – das kann zum Beispiel nicht gut gehen.“ Dies bedeute auch, dass Unternehmen Tarifverträge einhielten und sich an der Berufsausbildung beteiligten, betont der Gewerkschafter. 

Kritik an „Rabatt-Schlachten“

Mit Sorge sieht die NGG den Trend zur Verramschung: „Gerade bei Getränken, Fleisch und Süßwaren erleben wir regelrechte Rabatt-Schlachten in den Supermärkten. Damit werden Lebensmittel oft weit unter Wert verkauft“, kritisiert Brümmer. Weniger als 70 Cent für eine Tafel Marken-Schokolade sei in einer fairen und umweltgerechten Produktion nicht machbar. 

Solche Preise erhöhten den Druck auf die Beschäftigten und ihre Arbeitsbedingungen. In ihrer Pressemitteilung appelliert die NGG daher, nicht nur auf den günstigsten Preis zu achten. „Gute Lebensmittel sollten den Menschen beim Einkauf etwas wert sein. Gleichzeitig können sie damit die heimische Wirtschaft stärken – und beim Essen neben dem Genuss auch noch ein gutes Gewissen haben.“

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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