Verein kümmert sich mit Partnern um Hilfsprojekte in Afrika

Ein Projekt von LHL: Haushaltsöfen bei Holzmangel

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Ein Projekt des Vereins Lernen-Helfen-Leben (LHL): Die Herstellung von holzsparenden Öfen im Ostkongo.

Diepholz/Barnstorf - Alle Partner des Vereins Lernen-Helfen-Leben (LHL) brauchten Weihnachten nicht zu frieren: Sie feierten das Fest unter tropischer Sonne in Afrika. Doch ist dort ein Platz im Schatten und nicht „ein Platz unter der Sonne“ erstrebenswert. Das Wasser gegen den Durst kommt meist nicht aus der Leitung, sondern muss von einem Brunnen, einer Quelle oder gar aus einem Fluss in Kanistern mühsam herbei geschleppt werden.

Der Diepholzer Entwicklungsverein Lernen-Helfen-Leben (LHL) ist seit mehr als 25 Jahren in inzwischen über acht afrikanischen Ländern aktiv. Heute konzentriert sich der Verein mit seinen Erfahrungen, „auf die brennendsten Probleme Afrikas“, so der 2. Vorsitzende Gustav Schneider (Wehrkamp) „und dazu gehört die Haushaltsenergie mit dem Holzmangel, dazu gehört Licht und bessere Ausbildung.“

So reichen die Maßnahmen von LHL und den lokalen Partnern laut einer Pressemitteilung von Verbesserungen in der Landwirtschaft über Aufforstungen und Forstwirtschaft bis zu Bildung und Energieversorgung.

Die ungefähr 100 LHL-Mitglieder vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen – davon rund 20 in Diepholz und Umgebung – helfen in Afrika bei den elementaren Bedürfnissen: Gleich mehrere Projekte sind aus den „Barnstorfer Pyrolysetagen“ hervorgegangen: In Togo werden inzwischen von lokalen Handwerkern Holzvergaser-Öfen gebaut und – gefördert von der Bingo-Umweltstiftung in Hannover – über ein Mikrokredit-System unter die Leute gebracht. Ein LHL-Partner in Burkina Faso hat, ebenfalls mit Förderung der Bingo-Umweltstiftung, den „Markteintritt“ von Pyrolyse-Öfen vorbereitet, die mit Pellets ihr Produkt herstellen sollen: Holzkohle statt Asche.

Doch ganz überraschend entstand ein Problem, berichtete LHL: In der Regenzeit verwandeln die Pellets sich zu „Schwämmen“ und sind nur mit erheblichen Wärmeverlusten nutzbar. Die Fachleute arbeiten an Lösungen.

LHL-Vorstandsmitglied H. Georg Klaphake aus Bad Iburg hat sich zum Ziel gesetzt, am Mount Kenya eine Berufsschule für erneuerbare Energien aufzubauen. Das Projekt wird vom deutschen Entwicklungshilfeministerium gefördert – aber auch von der Bingo-Umweltstiftung, speziell für den Technologie-Transfer, sodass im Februar zwei Experten zum wiederholten Mal nach Kenia reisen, um einheimische Fachlehrer fortzubilden. Die Schule wird künftig Handwerker ausbilden, die unter anderem Solaranlagen installieren können, die Solarkocher produzieren, sich mit solarem Trocknen befassen und die Technik der Holzvergaser-Öfen im Lehrprogramm haben werden.

Die Provinzregierung ist laut Mitteilung von LHL begeistert von dem Projekt, das junge arbeitslose Leute mit einer lukrativen Berufsperspektive ausbildet. Deshalb wolle sie nicht nur künftig die Lehrergehälter finanzieren, sondern stelle auch Mittel für eine Verdoppelung der Kapazitäten zur Verfügung.

Auch im Ostkongo ist Holz Mangelware: weit und breit sind kahle, abgeholzte Berge zu sehen. Oft wird mit Holzkohle gekocht, wofür weiter im Westen der Regenwald abgeholzt wird. LHL fördert Aufforstungen, doch Forstwirtschaft war ein Fremdwort. Das ändert sich allmählich mit Unterstützung von zehn Partnerorganisationen, des deutschen Entwicklungshilfeministeriums und vieler Spender..

„Macht es Sinn, Bäume zu pflanzen in einem der ärmsten Länder der Welt, in dem die Analphabetenrate immens, die Gesundheitsversorgung mangelhaft, die Familienplanung nicht vorhanden und die Sicherheitssituation fraglich ist?“

Nach mehreren Besuchen und Feststellung der Fortschritte der Projektziele über viele Jahre könne man diese Frage nur bejahen, so der LHL-Pressebericht. Das gemeinsame Engagement bei der Wiederaufforstung, die angesichts extremster Armut und Unsicherheit fast als „Luxus“ angesehen werden muss, bringt überraschenderweise auch nicht geplante Nebeneffekte in Bezug auf Bildungsmaßnahmen, Förderung von Gesundheitsstrategien, Stärkung von Zivilbevölkerung und Friedensmaßnahmen mit sich.

Inzwischen haben die LHL-Partner weit über 500 Hektar wieder aufgeforstet und sie planen mit fachlicher Unterstützung der LHL-Förster den Aufbau einer Holzwirtschaft – und von „Nicht-Holz-Waldprodukten“, also Waldfrüchte, Honig, Kräuter, die sich durchaus vermarkten lassen und damit das Einkommen der Bauern verbessern können.

In den letzten Wochen sind junge Handwerker durch die Dörfer im Ostkongo gezogen und haben mit den Frauen holzsparende Lorena-Lehmöfen gebaut, berichtete LHL. Der Lorena-Ofen braucht nur die Hälfte des Holzes eines Drei-Steine-Herds und qualmt auch nicht. Jetzt sind viele Frauen in der Lage aus Lehm oder Ton sich selbst solch einen Ofen zu „töpfern“.

Alle diese Fragen werden immer wieder in Diepholz oder Barnstorf von den LHL-Mitgliedern diskutiert, geplant und begleitet. Für Mai 2017 Mai ist wieder eine größere Tagung im Welthaus Barnstorf geplant. Da geht es dann um die Frage der „Berufsausbildung in Afrika“. Was benötigt wird, ist die Qualifizierung von Handwerkern. Die einstigen Kolonialherren haben nicht das in Deutschland bewährte duale System eingeführt. Deshalb wurden die meisten Handwerker nur oberflächlich ausgebildet. Das Interesse am deutschen Konzept der Berufsausbildung ist deswegen groß und LHL wird in Barnstorf beraten, welchen Beitrag die Vereinsmitglieder und -freunde zur „Qualifizierungsoffensive“ geben können.

Schließlich konnte in diesem Jahr mit der „Villageboom-Lampe“ eines Start-ups aus Münster LHL vielen Familien im Tschad, in Togo, Kenia und auch im Kongo eine preisgünstige, aber hochwertige Solarlampe zur Verfügung stellen, die nebenbei auch Handys auflädt. Via LHL sind bereits weit über 1000 solcher Lampen nach Afrika geschickt worden, sodass viele Familien nicht mehr länger abends im Dunkeln sitzen müssen.

Lernen-Helfen-Leben (LHL) wurde 1988 in Barnstorf von ehemaligen Entwicklungshelfern gegründet. Vorstandsmitglieder aus Diepholz sind Gustav (Guschen) Schneider (2. Vorsitzender) und Dagmar Trümpler (Kassenwartin).

www.l-h-l.org

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