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Diepholzer Schlossinsel: Pläne für Neugestaltung

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Von: Eberhard Jansen

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Das Diepholzer Schloss von der Langen Straße aus gesehen. Die Schlossinsel soll neu gestaltet werden.
Das Diepholzer Schloss von der Langen Straße aus gesehen. Die Schlossinsel soll neu gestaltet werden. © Jansen

Die Diepholzer Schlossinsel soll neu gestaltet und für Besucher attraktiver werden. Wie, das soll ein Konzept zeigen. In einem Punkt sind sich Stadt Diepholz und Heimatverein nicht einig.

Diepholz – Der Schlossturm strahlt in der Frühlingssonne. 2016 wurde das Diepholzer Wahrzeichen saniert und darf voraussichtlich ab 2023 wieder betreten werden. Nachdem nun (wie berichtet) eine dazu notwendige Notausgangs-Lösung gefunden wurde, streben Stadt und Heimatverein Diepholz auch eine Neugestaltung der Schlossinsel an. Dazu soll ein umfassendes Konzept erarbeitet werden, haben CDU und FDP im Diepholzer Rat beantragt.

Zugang über Brücke

Der Heimatverein Diepholz befürwortet, die Schlossinsel für Besucher attraktiver zu machen: „Sie liegt noch ein Stück im Dornröschenschlaf“, sagt Vorsitzender Richard W. Bitter. Er ist aber in einer Sache mit der Stadt nicht einer Meinung. Mit Blick auf den Zustand in früheren Zeiten, als das Schloss noch Grafenresidenz und von Wasser umgebene Trutzburg war, schlägt Bitter vor, für den Zugang und die Zufahrt wieder eine Brücke zu schaffen – dort, wo der Weg auf die Schlossinsel seit Jahrzehnten über einen Wall im Wassergraben führt. Einen zweiten Zugang zum Schloss mit dem Amtsgericht über einen Weg mit einer Brücke vom Bereich Amtsgarten/St.-Nicolai-Kirche aus hält er aus historischen Gründen persönlich nicht für sinnvoll. Bitter hofft, dass eine breite Diskussion über die Zukunft der Schlossinsel beginnt. Dabei müssten selbstverständlich die Interessen des Amtsgerichtes berücksichtigt werden, betonte Bitter im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Schlossinsel und das Schloss sind im Eigentum des Landes Niedersachsen. Die Stadt Diepholz kann daher ohnehin nicht über deren Gestaltung bestimmen. Pläne müssen mit dem Land abgestimmt werden.

Antrag von CDU und FDP

Die Diskussion dürfte der Antrag der CDU-/FDP-Gruppe im Diepholzer Rat zur Neugestaltung der Schlossinsel voranbringen. „Wer das Diepholzer Schloss auf der historischen Schlossinsel umwandert, stellt schnell fest, dass hier viele Potenziale für Naherholung und Erleben unserer Stadtgeschichte schlummern,“ heißt es im Begründungstext des Antrags. Gemeinsam wollen CDU und FDP eine Initiative anschieben, die eine strategische Entwicklung des Areals vorsieht und die Historie der Stadt Diepholz unterstreichen soll, so eine Pressemitteilung der Gruppe.

Konkret fordern die Ratsmitglieder der CDU/FDP-Gruppe die Erstellung eines mehrstufigen Umsetzungskonzeptes zur Neugestaltung der Schlossinsel. Besondere Berücksichtigung soll dabei die historische Bedeutung des Schlosses als Wasserburg bekommen. Strategisch würde das Konzept, das nach Auffassung der Antragsteller in enger Abstimmung mit dem Niedersächsischen Justizministerium, dem Amtsgericht, dem Heimatverein Diepholz, aber auch den zuständigen Stellen für Denkmalschutz und Gartenkultur erstellt werden soll, eine historische Anpassung des Umfeldes beinhalten. Ein Freilandmuseum könne etabliert werden.

„Unser Ziel ist ein Gesamtkonzept, welches das gesamte Schlossareal zu einem Gesamtraum der Stadtgeschichte unserer Grafenstadt, der Erholung und der Begegnung für Diepholzer wie Gäste werden lässt. Als Verbindung zwischen St.-Nicolai-Kirche, der Münte und dem Müntepark kann so ein wunderbar erlebbarer Raum entstehen, der weit über die Stadtgrenzen hinaus strahlt“, erklärt Christian Brebeck (CDU) in einer Pressemitteilung die Intention des Antrags. „Die Zeit ist reif“, ergänzt der stellvertretende Bürgermeister Lars Mester (FDP) in der Mitteilung: „Die Stadt sowie das Land Niedersachsen als Eigentümer können nur gemeinsam das Schlossareal strategisch mit einer städtebaulichen wie landschaftsarchitektonischen Planung weiterentwickeln.“

Aussicht vom Schlossturm

Erstes Ziel des Heimatvereins Diepholz ist, den Schlossturm wieder für Besucher zugänglich zu machen. Wenn ein Notausgang zum Dachboden des Amtsgerichtes fertiggestellt ist, dürfte das im Jahr 2023 der Fall sein. Frühere Pläne, den Turm für eine Ausstellung zu nutzen, verfolgt der Verein nicht mehr, weil keine zusätzliche „Brandlast“ (brennbare Gegenstände) im Turm sein darf. Es soll laut Richard W. Bitter, Vorsitzender des Heimatvereins, für Gruppen der Zugang bis zum „Turmzimmer“ möglich sein. Dort können die Besucher aus drei Luken in 22 Meter Höhe auf Diepholz und Umgebung schauen. Der Zugang zu den knapp acht Meter höheren Fenstern ist beschwerlicher. Die Aussicht von dort sei laut Bitter nicht wesentlich anders.

Heimatverein Diepholz: Mehrere Aspekte

Heimatvereins-Vorsitzender Bitter sieht mehrere Aspekte, die bei einer Neugestaltung der zwei Hektar großen Schlossinsel berücksichtigt werden müssten. Während das Amtsgericht weiterhin genügend Parkplätze haben muss, steht zur Diskussion, ob die Möglichkeit für Veranstaltungen wie das Weinfest auf der Schlossinsel geschaffen werden sollte (oder lieber im nahen Müntepark), ob das dichte Gehölz entfernt werden soll, um die Schlossinsel heller und offener zu gestalten, oder ob es unter Naturschutz-Gesichtspunkten erhalten werden soll. Der Heimatverein Diepholz hofft auf eine breite Diskussion und auf eine Lösung, die von den Bürgern getragen wird.

Zweiter Zugang

Bereits im Januar hatte es auf Initiative des Diepholzer Landtagsabgeordneten Marcel Scharrelmann (CDU) ein Gespräch des Diepholzer Bürgermeisters Florian Marré mit dem Niedersächsischen Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler, in Hannover gegeben, um die Möglichkeiten eines zweiten Zugangs vom Amtsgarten/Bereich St.-Nicolai-Kirche auf die Schlossinsel zu erörtern.

Dieser zweite Zugang mit der Neugestaltung des Amtsgartens ist eines der Ziele der Diepholzer Innenstadtsanierung. Hintergrund: Der Schlossturm als Wahrzeichen der Stadt kann aus der Langen Straße derzeit nicht gut eingesehen werden, zudem sollen die Grünflächen entlang der Innenstadt mittelfristig miteinander verbunden werden. Das Diepholzer Schloss soll durch einen Weg von der Langen Straße durch den Amtsgarten und eine Brücke über den Burggraben „näher an die Innenstadt herangeholt“ werden. Minister Thümler, der sich 2021 bereits einen persönlichen Eindruck vor Ort gemacht hatte, äußerte sich laut Marcel Scharrelmann damals zuversichtlich, eine Lösung auch unter Beachtung des Denkmalschutzes zu finden.

Das Ministerium zeigte sich im Januar laut der Pressemitteilung des Landtagsabgeordneten zudem offen für weitere Rückschnitte der Grünanlagen rund um das Schloss, um dem historischen Bild einer Wehranlage gerechter zu werden.

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