Der Diepholzer Jürgen Tetzel ist Amateurfunker / Reiz des Experimentierens

Weltweite Kontakte über Kurzwelle

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Weltweite Kontakte über Kurzwelle: Der Diepholzer Amateurfunker Jürgen Tetzel an seiner Anlage im Hobbyraum.

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Jürgen Tetzel kann kein Russisch, sonst würde er auch die Kommunikation im Krisengebiet verstehen können. Mit seiner Anlage im Hobbyraum seines Wohnhauses hat der Diepholzer die Möglichkeit, den militärischen Funkverkehr von Separatisten in der Ukraine zu hören – oder auch ab und zu den Funk von russischen Taxifahrern. Denn diese nutzen verbotenerweise manchmal eine Frequenz, die weltweit Amateurfunkern vorbehalten ist. Jürgen Tetzel ist ein solcher Funkamateur und betreibt dieses in Zeiten des Internets aussterbende Hobby mit Leidenschaft.

Vier Antennen sind auf dem Einfamilienhaus des 62-Jährigen im Diepholzer Wohngebiet Dustmühle. In den 70er Jahren begann Jürgen Tetzel mit dem Amateurfunk. Damals wie heute braucht man dazu eine Zulassung, der eine mehrstündige Prüfung vorausgeht – zumindest, wenn man senden möchte. Der Empfang von Amateurfunksendungen und der Besitz von entsprechenden Geräten ist in Deutschland jedem gestattet.

Zuständig für die Zulassung ist heute die Bundesnetzagentur. Jürgen Tetzel hat 1976 seine Prüfung noch bei der Post – beziehungsweise der „Regierungsbehörde für Telekommunikation“ – in Bremen abgelegt. Neben Kenntnissen von Technik und Vorschriften musste er damals vorweisen, dass er Morsezeichen versteht.

In der damaligen Zeit vor Handy und Internet war es etwas Besonderes, weltweit mit Gleichgesinnten sprechen zu können. Über ein einheitliches Rufzeichen kommen Funker auch heute noch international in Kontakt. Sie signalisieren damit, dass sie Gesprächspartner suchen. Wer Lust hat, beginnt ein Gespräch, nennt üblicherweise seinen Namen und den Ort, von dem aus er funkt, und wie das Wetter dort ist. Zur Bestätigung des Kontaktes schickt man sich danach über die jeweilige nationale Funkamateur-Organisation sogenannte QSL-Karten zu.

„Meist bleibt es dabei, manchmal entwickeln sich auch Freundschaften“, weiß Jürgen Tetzel.

Mit seinem 750-Watt-Kurzwellensender kann der Diepholzer je nach Wetterlage im Idealfall einmal rund um dem Erdball funken: „Die Wellen werden im Abstand von etwa 800 Kilometern von der Ionosphäre und von der Erde abwechseln reflektiert – und das im Idealfall viele Male“, erklärt er das physikalische Prinzip. Wie oft und wie stark die Reflexionen erfolgen, das ist abhängig vom Wetter– und dementsprechend ist der Empfang unterschiedlich gut.

Jeder registrierte Amateurfunker weltweit hat ein Rufzeichen. Jürgen Tetzel funkt als „DL5BAU“. Er gehört mit acht weiteren Funkern dem Diepholzer Ortsverband des Deutschen Amateur Radio Clubs (DARC) mit Sitz in Baunatal/Hessen an.

Kontakt suchen Funkamateure nicht nur zu Gleichgesinnten auf der Erde. Jürgen Tetzel: „In der Raumstation ISS antwortet zu bestimmten Zeiten auch der deutsche Astronaut Alexander Gerst.“ Zu ihm hat der Diepholzer noch keinen Kontakt aufnehmen können – wohl aber im Jahr 1985 für wenige Minuten zum deutschen Astronauten Reinhard Furrer im Spacelab.

Amateurfunker kontaktieren sich aber nicht nur zum Spaß. Sie sind auch ausgerüstet, um vor Ort im Fall einer Katastrophe mit Stromausfall bei der Kommunikation von Einsatzkräften zu helfen. „Ich habe dazu ein Notstromaggregat in der Garage“, berichtet Jürgen Tetzel.

Was ist der Reiz des Amateurfunkens in Zeiten der Digitaltechnik und der weltweiten Kommunikation per Internet? „Das Experimentieren“, sagt der Diepholzer. Amateurfunker haben die Erlaubnis, Funkgeräte selbst zu basteln und zu betreiben. Fertige Geräte für Einsteiger kosten etwa 1000 Euro.

Ganz ohne staatliche Aufsicht geht der Funkbetrieb nicht. So wird die Sendeleistung jedes Amateurfunkers genau berechnet und überprüft, um eine erhöhte Strahlenbelastung der Umwelt auszuschließen.

Keine großen Antennen brauchen Funker für den Digitalfunk, dem technisch neuesten Funkbereich neben Kurz-, Lang-, Mittel- und Ultrakurzwelle. Von Diepholz aus wird der Fernsehturm in Damme angefunkt, von dort wird das Signal per Internet zum Turm in der Nähe des gewählten Empfängers übertragen und dann per Funk weiter. Doch das lehnen viele Funkamateure schon wegen der guten Sprachqualität ab. Jürgen Tetzel: „Das ist kein Amateurfunk mehr.“

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