Diepholzer Firma Lebensbaum: Nachhaltigkeit beim frisch gekochten Mittagessen

Bistro statt Kantine: „Bio“ auch für Mitarbeiter

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Bei der Diepholzer Bio-Firma „Lebensbaum“ ist die Kantine ein Bistro: Hier gibt es nur „Bio“-Speisen – mit großem Engagement gekocht von Alberto Turrin (rechts).

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Currywurst Pommes? Den Klassiker suchen hungrige Mitarbeiter in dieser Kantine vergebens. Deshalb heißt die Kantine auch nicht Kantine, sondern Bistro. Die Diepholzer Bio-Firma Ulrich Walter GmbH/Lebensbaum (Tee, Kaffee, Gewürze) setzt auch beim Essen für ihre Beschäftigten ihren Grundsatz „Nachhaltigkeit“ konsequent um. Es gibt nur „Bio“-Qualitätsspeisen – mit großem Engagement gekocht.

Am Profi-Herd von Lebensbaum steht Alberto Turrin – in Diepholz bei Freunden von italienischem Essen seit Jahren bekannt. Er stammt aus einer Gastronomen-Familie in Norditalien, kam nach seinem Fachoberschul-Studium der Gastronomie – vergleichbar mit einem Meister – nach Deutschland. Heidelberg, Leipzig und Nürnberg waren gastronomische Stationen, bevor Alterto Turrin nach Diepholz kam und 1996 Koch im Restaurant „Da Claudio“ wurde“. 2007 machte er sich selbstständig, führte das Restaurant „La Candela“ an der Kolkstraße. Sein Konzept: Hochwertige Zutaten für ebensolche Gerichte.

Das kam zwar an, doch die Kosten waren zu hoch. Es sei für ihn und seine Familie trotz guten Umsatzes zu wenig übrig geblieben, erzählt Alberto Turrin: „Ich hätte die Preise erhöhen müssen“. Aber das wäre in einer Stadt von der Größe Diepholz´ kaum durchsetzbar gewesen.

2013 schloss der 44-Jährige sein Restaurant, arbeitete als Koch-Ausbilder beim Bildungswerk Niedersächsischer Volkshochschulen (BNVHS) in Diepholz und gab weiterhin Kochkurse bei der Volkshochschule. Seit einem Jahr ist er nun Chefkoch bei Lebensbaum, wo er mit Köchin Ute Marquardt-Jankowski zusammenarbeitet, deren Spezialgebiet Süßspeisen sind.

Für Alberto Turrin ist die Arbeit bei Lebensbaum ein Traum – nicht nur, weil die Arbeitszeiten von Montag bis Freitag, morgens bis nachmittags für einen Koch ungewöhnlich und familienfreundlich sind: Hier kann er auch seiner Kreativität freien Lauf lassen. Neben dem Budget gibt es beim Kochen nur eine Vorgabe: Bio muss es sein.

Aus den Zutaten zaubert Alberto Turrin frische Gerichte wie „Strozzapreti mit Artischocken-Pesto“ oder „Fisch-Couscous-Päckchen“, bietet zudem täglich Salate und eine Süßspeise an. Von den 155 Lebensbaum-Mitarbeitern nutzen täglich etwa 70 das Bistro-Angebot. Damit ist die Kapazität auch schon nahezu ausgeschöpft.

Vier Euro kostet ein Hauptgericht, das die Mitarbeiter vorbestellen müssen. Sie zahlen damit praktisch nur die Zutaten, Küche und Personal steuert die Firma bei.

In dem hochwertigen Kantinen-Angebot sieht Lebensbaum auch ein Argument bei der Anwerbung von Fachkräften. Für die Öffentlichkeit steht das Bistro übrigens nicht offen.

Alberto Turrin hilft auch der Entwicklungsabteilung von Lebensbaum: Er testet neue Gewürzmischungen in der Praxis.

Sein wöchentlicher Bistro-Speiseplan hat übrigens ein System: Montags und donnerstags gibt es Vegetarisches, dienstags Fleisch und mittwochs Fisch. Für den Freitag steht immer ein Überraschungsgericht auf dem Plan. Darin wird unter anderem verarbeitet, was in der Küche trotz Vorbestellung und gezielten Einkaufs noch übrig (aber natürlich noch frisch) ist. Auch das gehört zum Nachhaltigkeits-Grundsatz des Lebensbaum-Bistros: Möglichst nichts wegwerfen.

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