Podiumsdiskussion zeigt breites Spektrum

Diepholzer Bürgermeisterkandidaten: Von souverän bis schlecht informiert

+
Bei der Podiumsdiskussion der vier Diepholzer Bürgermeisterkandidaten im Theater blieben nur wenige Plätze frei. Für die Kandidaten gab es Stehplätze auf der Bühne.

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Das Spektrum der vier Kandidaten für das Amt des Diepholzer Bürgermeisters ist breit gefächert. Es reicht von souverän auftretend und fachlich versiert bis hin zu unvorbereitet, nervös und schlecht informiert. Diese Erkenntnis und weitere Hilfen zur Wahlentscheidung brachte die Podiumsdiskussion am Montagabend im Theater den Besuchern. Und eine Erkenntnis war auch, dass die Bürgermeisterwahl am 27. Mai offenbar deutlich mehr Menschen interessiert als frühere Wahlen.

Von den 541 Plätzen im Diepholzer Theater blieben (wie bereits kurz berichtet) nicht viele frei. Ein Erfolg auch für die Volkshochschule (VHS), die den politischen Abend organisiert hatte. Gerhard Friedrichs, einer der örtlichen VHS-Leiter, war froh, aus dem ursprünglich vorgesehenen Rathaus-Sitzungssaal, der maximal 200 Menschen fasst, umgezogen zu sein.

Souverän und erfahren führte der kurzfristig für den erkrankten Diethelm Zinser eingesprungene Moderator Alexander Hesselbarth – früher Pressesprecher von ZF in der Dümmerregion – durch den Abend. Einschreiten musste er wenig – nur dann, wenn Fragesteller aus den Reihen der Bürger zu ausschweifend wurden. Insgesamt war der Abend sachlich und fair. Die Kandidaten vermieden die direkte Auseinandersetzung mit dem Mitbewerber.

Eine Diskussion der Bewerber untereinander war ohnehin nicht vorgesehen und hätte den zeitlichen Rahmen gesprengt. Auch so gab es zweieinhalb Stunden lang komprimiert kommunalpolitische Fragen und Antworten.

„Mit fällt nicht viel ein in der Aufregung“

Die Reihenfolge, in der sich die vier Kandidaten vorstellen und später auch antworten durften, war ausgelost worden. Die Nummer eins hatte Detlef Tänzer gezogen. Souverän nutzte er die zehn Minuten, die eingangs allen Kandidaten zur Verfügung standen, um sich persönlich, seine Interessen, seine berufliche Erfahrung in der Landkreis-Verwaltung, wo er Fachdienstleiter ist, und seine Ziele wie Wohnungsmarktentwicklung und Bürgerforen vorzustellen. Der in Aschen wohnende Einzelbewerber betonte, dass er für den Wahlkampf von keiner Partei Geld angenommen habe und er deshalb nach seiner Wahl auch niemandem etwas schuldig sei. Er wolle mit jeder Fraktion im Rat zusammenarbeiten.

SPD-Kandidatin Ruken Aytas beschränkte sich anschließend auf Informationen zu ihrer Person – sie war im Alter von drei Jahren als Gastarbeiterkind aus der Türkei nach Deutschland gekommen – und über ihre politischen und beruflichen Tätigkeiten in Bremen. Darauf, ihre Ziele zu erläutern, war die Biologin und Sozialpädagogin offenbar wenig vorbereitet: „Mit fällt nicht viel ein in der Aufregung, was ich Ihnen vortragen möchte.“

Die ausgeloste Nummer drei war der Einzelbewerber Dietmar Edel aus Ridderade/Twistringen. Er war 1990 aus Staßfurt bei Magdeburg in den Landkreis Diepholz gekommen. Als Ziele nannte er unter anderem die längere Öffnungszeit des Wochenmarktes und die Senkung der Gewerbesteuer, um mehr Firmen anzulocken. Die auch ihm zur Verfügung stehenden zehn Minuten brauchte er dafür nicht.

Alle vier Kandidaten möchten größere Beteiligung von Bürgern

Mit Florian Marré war dann wieder ein souveräner Kandidat an der Reihe. Er betonte, dass er gebürtiger Diepholzer sei und sich schon immer für seine Heimatstadt engagiert habe. Der mit 31 Jahren jüngste Kandidat legte seine Schwerpunkte auf Bildung, Wirtschaft und Bürgerbeteiligung. Er erklärte, dass er seinen Wahlkampf zum größten Teil über einen Kredit aus der Familie finanziere. Nur sieben Prozent kämen von einer Partei. Marré, der Fachdienstleiter im Rathaus ist, wird bekanntlich von CDU und FDP unterstützt.

Die größere Beteiligung von Bürgern möchten alle vier Kandidaten – wenn auch in unterschiedlicher Form und Intensität.

Nach der Vorstellungsrunde konnten Bürger über zwei aufgestellte Mikrofone Fragen an alle oder einzelne Kandidaten stellen. Für die Antworten hatten die Bürgermeisteramt-Bewerber jeweils anderthalb Minuten Zeit.

Ein 16-jähriger Jungwähler, der schon dafür, eine Frage zu stellen, Beifall bekam, fragte nach dem politischen Sinn, dass Florian Marré im Wahlkampf am Schulzentrum Eis verteilt habe. Dessen Antwort: Er wollte dadurch junge Leute auf die Wahl aufmerksam machen und mit ihnen ins Gespräch kommen.

Innenstadt ein Schwerpunktthema

Auf eine Frage nach seinem Verhältnis zu Parteien, forderte Detlef Tänzer eine neue Diskussionskultur im Rat – und dass Dinge nicht aus parteitaktischen Gründen verhindert werden.

Die Innenstadt war bei den Fragen ein Schwerpunktthema. Eine Gestaltungssatzung für Gebäude lehnte Detlef Tänzer ab. Das würde weniger Flexibilität und höhere Baukosten bedeuten. „Wir müssen lernen, in der Innenstadt zu investieren“, meinte Ruken Aytas. Für sie ist klar: Die Zukunft der Langen Straße sei nicht eine Einkaufsmeile. Der Begriff Innenstadt müsse neu definiert werden – mit Kulturangebot oder speziellen Geschäften beispielsweise. Florian Marré ist für den Einsatz von Förderprogrammen bei der Innenstadtentwicklung und lehnte eine Gestaltungssatzung auch ab.

Weitere Themen, die die Bürger mit Fragen an die Kandidaten ansprachen, waren die Straßenreinigung und die Familienförderung. Für den Erhalt der Klinik Diepholz wollen sich alle vier Kandidaten stark machen und gegebenenfalls Bürgerinitiativen unterstützen. Den Wohnungsbau wollen sie auf unterschiedlichen Wegen fördern.

Informativer Abend

Dietmar Edel zeigte sich auf die Nachfrage einer Bürgerin schlecht informiert. Er hatte angesprochen, dass es in einer Diepholzer Schule Probleme mit Schimmel gebe. Das müsse schnell und unbürokratisch gelöst werden. Welche Schule das ist, konnte er jedoch nicht sagen. Florian Marré klärte auf: Das war die Mühlenkampschule. Dort sei vor einem dreiviertel Jahr Schimmel aufgetaucht. Das Problem sei längst behoben.

Als um 21.30 Uhr auch die Themen sprachliche Integration, das Diepholzer Bahnhofsgebäude (das in Privateigentum ist) und die Entwicklung der Diepholzer Ortsteile angesprochen worden waren, brachte Alexander Hesselbarth den informativen und alles andere als langweiligen Abend zu Ende. Die vorgesehenen Schlussworte fielen allerdings aus.

Hesselbarth vermisste in seinem Fazit, dass Diepholz als Hochschulstandort nicht angesprochen worden sei. Für seine Moderation bekam er viel Applaus. Der Beifall für seine nicht ganz ernst gemeinte Äußerung zum Bürgermeisteramt, „schade, dass die vier Kandidaten das nicht zusammen machen können“ fand allerdings wenig Beifall.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Schützenfest in Erichshagen 2018

Schützenfest in Erichshagen 2018

Diese Dinge entsorgt fast jeder falsch - gehören Sie auch dazu?

Diese Dinge entsorgt fast jeder falsch - gehören Sie auch dazu?

2.876 Ausmarschierer laufen in den Krandel

2.876 Ausmarschierer laufen in den Krandel

Pfingstsingen mit dem MGV im Vilser Holz

Pfingstsingen mit dem MGV im Vilser Holz

Meistgelesene Artikel

Mit Samurai-Schwert am Gymnasium

Mit Samurai-Schwert am Gymnasium

Kollision mit Trecker: Zwei Schwerverletzte nach missglücktem Überholmanöver

Kollision mit Trecker: Zwei Schwerverletzte nach missglücktem Überholmanöver

Unbekannter überfällt Tankstelle mit 30-Zentimeter-Messer

Unbekannter überfällt Tankstelle mit 30-Zentimeter-Messer

Schützenpräsident rügt Bürgermeister

Schützenpräsident rügt Bürgermeister

Kommentare