70 Aussteller präsentieren sich auf Diepholzer Berufsmesse

Laster fahren, Trecker lenken und Zukunft ansteuern

Lynn-Marie testet den Lkw-Fahrsimulator. Ihr Fahrstil ist eher ruhig – im Gegensatz zu dem ihrer männlichen Altersgenossen.

Diepholz - Von Katharina Schmidt. Lynn-Marie sitzt konzentriert am Steuer und lenkt den wuchtigen Laster durch die Ortschaft. Als sie im Kreisverkehr einen Bordstein streift, vibriert das ganze Führerhaus. Die Lembrucherin ist kurz abgelenkt, missachtet eine rote Ampel – und es knallt. Doch statt Schrecken folgt freudiges Lachen. Denn Lynn-Marie ist erst 15 Jahre alt, hat noch gar keinen Führerschein und ist nicht wirklich auf der Straße unterwegs. Sie sitzt in einem Lkw-Fahrsimulator. Dieser gehört zu den zahlreichen Attraktionen auf der 18. Diepholzer Berufsmesse.

70 Aussteller bieten im Rahmenprogramm der Messe im Berufsbildungszentrum Dr. Jürgen Ulderup 59 Aktivitäten an. Noch bis Sonnabend können Schüler zum Beispiel Mini-Hebebühnen bauen, Treckermodelle fernsteuern, Einstellungstests simulieren – oder eben erleben, wie es ist, einen Lkw zu steuern.

Später als Berufskraftfahrerin zu arbeiten, kann sich Lynn-Marie übrigens durchaus vorstellen. Damit wäre sie eine von wenigen Frauen. Laut Marcus Meyer, Mitglied im Berufskraftfahrer-Ausbildungsverbund im Diepholzer Land, ist die Arbeit am Steuer eines Lasters nach wie vor „eher eine Männerdomäne“.

Überwiegend männlichen Besuch hat am ersten Tag der Messe auch der Stand des Landvolkes. Dort zeigen Landwirte anhand einer Saatgutberechnung, dass zu Landwirtschaft mehr gehört als Treckerfahren.

Nicht nur gucken, sondern auch machen: Besucher der Berufsmesse können unter anderem eine Mini-Laderampe bauen.

Wenige Meter entfernt steht ein Laster der Bundeswehr. Lea Richter ist eine von vielen, die sich dort über Ausbildungsmöglichkeiten informiert. „Ich finde das Angebot der Bundeswehr schon gut“, sagt die 18-Jährige. Und kommt ins Grübeln: „Nur diese lange Verpflichtungszeit...“ Während sie mit ihrer Freundin weiter Berufschancen abwägt, ertönt aus den Lautsprechern nebenan ein neues Lied. Es riecht nach Popcorn – das Berufsbildungszentrum wirkt zur Messezeit ganz und gar nicht wie eine Schule.

Zu der lockeren Atmosphäre trägt auch bei, dass hinter den Thresen der Messestände nicht nur Personaler stehen, sondern in erster Linie Auszubildende. Das ermöglicht Gespräche auf Augenhöhe.

In diesem Jahr sind zwölf neue Aussteller bei der Berufsmesse dabei. Von Anfang an Teil der Berufsmesse ist hingegen Angela Holle, Personalerin bei der BASF und Mitglied im 14-köpfigen Planungsteam der Berufsmesse. Dieses hat sich etliche Male nach Feierabend getroffen, um alles zu organisieren. Hat sich der Aufwand wieder gelohnt? „Wir sind zufrieden“, zieht Holle eine erste Bilanz. „Wir haben zwar den Eindruck, dass ein paar weniger Besucher da sind als im vergangenen Jahr. Aber die, die bisher da waren, waren super interessiert.“ Die jungen Menschen seien gut vorbereitet gewesen, hätten gezielte Fragen gestellt. Sie wünscht sich, dass am Sonnabend noch ein paar Eltern mit ihren Kindern kommen – oder dass Kinder umgekehrt ihre Eltern überzeugen, sie zu der Messe zu begleiten.

18. Berufsmesse in Diepholz

So war es bei Sarah Fehner auf Barnstorf. Sie hatte währen der Berufsmesse 2015 einen Einstellungstest bei der Sparkasse simuliert – und ist am letzten Messetag mit ihren Eltern wiedergekommen, um ihre Bewerbungsmappe abzugeben. „Ich war total aufgeregt“, erinnert sie sich an den Tag zurück. Als sie mit Auszubildenden geredet habe, sei sie ruhiger geworden. Heute gehört Fehner selbst zum Azubi-Team des Kreditinstituts.

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