1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Diepholz
  4. Diepholz

Zu viele Kinder sind zu dick

Erstellt:

Von: Anke Seidel

Kommentare

Ein Bilderbuch über den Landkreis Diepholz, das eine Brücke zum Lesen schlagen kann, präsentiert Landrat Cord Bockhop – sehr zur Freude von (v.l.) Marcel Heitmann, Ulrike Tammen und Elke Schneider. Buchstäblich kinderleicht wird darin erklärt, welche Aufgaben der Landkreis hat.
Ein Bilderbuch über den Landkreis Diepholz, das eine Brücke zum Lesen schlagen kann, präsentiert Landrat Cord Bockhop – sehr zur Freude von (v.l.) Marcel Heitmann, Ulrike Tammen und Elke Schneider. Buchstäblich kinderleicht wird darin erklärt, welche Aufgaben der Landkreis hat. © Seidel

Die Schuleingangsuntersuchung hat im Landkreis Diepholz zunehmende Defizite festgestellt - auch bei der Sprache.

Landkreis   Diepholz. Die gute Nachricht vorweg: Im Landkreis Diepholz steigt die Zahl der Kinder, die am Übergang zwischen Kindergarten und Schule stehen. Waren es vor der Corona-Epidemie (Schuljahr 2018/2019) noch 1 915 Mädchen und Jungen, so sind es in diesem Jahr nach aktuellem Stand 2 101. Alle hatte das Gesundheitsamt zur verpflichtenden Schuleingangsuntersuchung eingeladen.

„Ich ziehe meinen Hut vor den Kollegen!“, erklärte Landrat Cord Bockhop am Freitag während einer Pressekonferenz im Syker Kreishaus. Denn rund 200 Kinder mehr als vor Corona hatten die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes untersuchen müssen. Jede dieser Untersuchung, so stellte Kinderärztin Dr. Elke Schneider klar, dauert rund 45 Minuten. Nach standardisierten Testverfahren werden Wahrnehmung, Motorik und Zählfähigkeit sowie der körperliche Zustand überprüft. „Manche schicken wir zum Kinderarzt“, so Elke Schneider zum Umgang mit besonders auffälligen Kindern. Habe ein Kind sichtlich einen schlechten Tag, könne der Test wiederholt werden – dann aber als Aufgabe der Schule. Erstmals hatte das Gesundheitsamt die Schuluntersuchungen an drei zentralen Standorten gebündelt – mit Terminvorgabe und einem strengen Hygienekonzept. „Das hat sich bewährt“, stellte Elke Schneider fest.

Handicaps vor der Einschulung

Aber die erste – in einigen Bereichen noch nicht abgeschlossene – Auswertung der Ergebnisse zeigt: Immer mehr Kinder haben Handicaps, noch bevor sie überhaupt eingeschult sind. Sie sind zu dick, der deutschen Sprache nicht ausreichend mächtig oder können nicht Schwimmen: Welche Defizite Jungen und Mädchen mit in die Schule bringen, zeigte ein Vergleich verschiedener der Schuleingangsuntersuchungen.

Demnach hat der Anteil übergewichtiger und adipöser Kinder signifikant zugenommen: Waren vor der Corona-Pandemie (Schuljahr 2018/2019) noch 4,7 Prozent der untersuchten Kinder leicht übergewichtig, sind es nun 6,7 Prozent. Die Zahl der adipösen, also fettleibigen Kinder, stieg in diesem Zeitraum von 3,6 Prozent auf alarmierende fünf Prozent.

Bei Kindern mit Migrationshintergrund haben sich die Deutschkenntnisse signifikant verschlechtert. Ein Drittel (32,9 Prozent) hat solche Sprachdefizite. Vor Corona waren es noch 23 Prozent gewesen. Zugenommen hat außerdem der Medienkonsum: Mit Handy, PC, Fernseher & Co. waren vor der Pandemie 19,1 Prozent der angehenden Schulkinder bis zu zwei Stunden am Tag beschäftigt. Nach aktuellem Stand sind es 25,4 Prozent.

Immer weniger Kinder können Schwimmen

Stark zurückgegangen war außerdem die Zahl der Kinder mit Grundkenntnissen im Schwimmen: Vor Corona hatten noch 25,2 Prozent der Schulanfänger ein Schwimmabzeichen, nun sind es nur noch 16,8 Prozent. Für Kreisrätin Ulrike Tammen gerade in dieser Zeit eine tückische Entwicklung: „Alles strömt in die Freibäder und an die Seen...“ Der Landkreis biete den Kommunen Unterstützung an, wenn sie für ihre Grundschüler Schwimmkurse organisieren: „Am Geld wird es nicht scheitern!“ Als vorbildlich bezeichnete die Kreisrätin die Initiative der Samtgemeinde Kirchdorf im Schwimmunterricht.

Die schlechten Deutschkenntnisse der Kinder mit Migrationshintergrund seien laut Kreisrätin sicher zu einem Teil dem Lockdown in der Coronazeit geschuldet: „Viele Kindertagesstätten waren ja nicht präsent“, und die Kinder deshalb in ihren Familien betreut worden.

Landrat Cord Bockhop erinnerte vor dem Hintergrund der zunehmenden Probleme an die stetig steigende Zahl der Aufgaben, die Lehrkräfte in der Schule bewältigen und erfüllen sollten. Deshalb will der Arbeitskreis Prävention und Gesundheitsförderung in der Region Diepholz/Nienburg vorbeugende Projekte für Kitas entwickeln, berichtete Marcel Heitmann als stellvertretender Leiter des Gesundheitsamtes: „Wir wollen versuchen, aktiv gegenzusteuern.“ Wie das am besten gelingt, soll zunächst an zwei Kitas getestet werden.

Für 80,44 Prozent Einschulung empfohlen

Dennoch: Trotz steigender Defizite war für 80,44 Prozent der untersuchten Kinder die Einschulung empfohlen worden – vor allem, um die Schulen zu entlasten: Vor Corona hatten sie für 10,23 Prozent der Kinder eine zeitraubende pädagogische Einschätzung der Schulreife erarbeiten müssen. Jetzt sind es nur noch 4,14 Prozent.

Auch interessant

Kommentare