Aus Diepholz in den Wüstensand: Schöma liefert zwei Rangierloks nach Kairo

Millimeterarbeit mit einem ganz besonderen Zugpferd

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Großes Gerät und einige Rangierarbeit war vonnöten, um die 83 Tonnen schwere Lok aus der Werkshalle „um die Ecke“ auf die Schömastraße zu bugsieren.

Diepholz - Von Sven Reckmann. „Dass es eng wird, war klar, aber dass es so eng wird...“, Schöma-Betriebsleiter Volker Schliep musste gestern Mittag erst einmal kräftig durchschnaufen – eine wahre Millimeterarbeit war notwendig gewesen, damit das neueste Fahrzeug des Diepholzer Lokomotivenherstellers das Werksgelände verlassen konnte – ein besonders dicker und schwerer „Brocken“, der da auf engstem Raum aus der Produktionshalle auf die Schömastraße rangiert werden musste.

Es ist der erste Teil einer ganz besonderen Lieferung: Zwei Rangierlokomotiven vom Typ CFL-500 DCL-BB werden in diesen Tagen über Hamburg und Antwerpen per Seefracht nach Kairo transportiert. Sie sollen dort für Servicearbeiten an der U-Bahn eingesetzt werden. Die Loks haben ein Gewicht von je 83 Tonnen mit einer Motorleistung von 653 kW (etwa 870 PS). Damit sind die beiden Maschinen nach Angaben des Unternehmens die größten und schwersten, die Schöma je gefertigt hat. Zwei etwas kleinere Rangierlokomotiven (63 Tonnen) aus Diepholzer Produktion werden seit 2012 bereits beim Ausbau der Kairoer Metro erfolgreich eingesetzt.

Die ägyptische Hauptstadt verfügt über das einzige voll entwickelte U-Bahn-Netz in Afrika. Die erste Linie wurde im Jahr 1987 eröffnet, die zweite dann 1996. Derzeit wird nun die dritte Linie in mehreren Bauabschnitten realisiert – mit Zugkraft aus Diepholz.

Rangierlokomotiven werden nach Kairo geliefert

Um die Maschine „vom Hof“ zu bekommen, setzte die Schwertransportfirma einen Zehnachs-Tieflader ein, der von einer Vierachs-Zugmaschine mit 540 PS bewegt wurde. Insgesamt brachte das Gespann mehr als 150 Tonnen Gewicht auf die Waage. Die größte Herausforderung aber war, das 38 Meter lange Gefährt rückwärts und „um die Ecke“ auf die Schömastraße zu bugsieren. Nur in Trippelschritten ging es vorwärts, während das Zugfahrzeug haarscharf an Stützpfeilern vorbeizog und das Heckfahrwerk in fast 40 Metern Entfernung nur noch Zentimeter von einem Zaun entfernt war.

Zum Schluss gab‘s Applaus von den Umstehenden und den inzwischen zahlreichen Zaungästen für den Fahrer der Bremer Transportfirma, der die (an-)spannende Rangierarbeit zu einem guten Ende gebracht hatte. Das tonnenschwere Gespann wurde zunächst einmal auf der Schömastraße geparkt. Gegen 23 Uhr gestern Abend sollte die Fahrt endgültig losgehen, mit Polizeibegleitung über Bundes- und Landstraßen in Richtung Hamburg. Für die Autobahnbrücken ist der Transport zu hoch.

Mit dem Schiff geht es von dort auf die nächste Etappe der Reise von Diepholz in den Wüstensand.

Spezialisten für Tunnel-Loks

Seit vielen Jahren ist die Schöma (Christoph Schöttler Maschinenfabrik) bei großen Tunnelbauprojekten auf der ganzen Welt vertreten: die Lokomotiven sind zum Beispiel im Einsatz für Metrolinien in London, Doha und Singapur oder Wassertunnel in Mexiko und Mumbai.

Dieselbetriebene Tunnel- und Arbeitslokomotiven machen das Kerngeschäft des traditionsreichen Diepholzer Unternehmens aus: Mehr als 100 Lokomotiven verlassen im Jahr das Werksgelände. In jüngster Zeit wird auch verstärkt an der Weiterentwicklung von batteriebetriebenen Maschinen gearbeitet – Umweltfreundliches und emissionsarmes Arbeiten wird auch auf den Tunnelbaustellen immer wichtiger. Die neueste Entwicklung ist der Prototyp einer Hybridlokomotive, die zurzeit auf einer Baustelle in Kopenhagen getestet wird.

www.schoema.de oder „Schöma Lokomotiven“ bei facebook

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