Vortrag über besondere Funde rund um Wagenfeld

Moor bewahrt Geheimnisse für mehr als 5000 Jahre auf

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Hand der etwa 2650 Jahre alten Moorleiche „Moora“ aus dem Uchter Moor. 

Diepholz - Von Julia Kreykenbohm. Dichte Wälder bedecken das Gebiet, das später einmal Diepholz genannt werden wird. Mit primitiven Äxten aus Stein und Holz rücken die Bewohner den Baumriesen zu Leibe, schleifen die Stämme mühsam in ihre Siedlungen und bearbeiten sie dort. Ein echter Kraftakt. Die Bohlen bringen sie in die Moore und platzieren sie so, dass nach und nach ein Weg entsteht, der es ihnen erlaubt, sicher hindurch bis in den Ort zu kommen, der einmal den Namen Lohne erhält. Auf diesem Weg reisen sie, oft auch mit Achsen, also einem kleinen Wagen auf Rädern. Vielleicht transportieren sie landwirtschaftliche Produkte, die sie tauschen möchten. Man schreibt das Jahr 3000 vor Christus.

Ende des 19. Jahrhunderts soll an eben jener Stelle Torf abgebaut werden. Doch das Diepholzer Moor gibt bei den Arbeiten einen Schatz frei, mit dem niemand gerechnet hat: den Bohlenweg aus der Steinzeit und dazu noch Achsen, die später als die weltweit ältesten kartiert werden. „Die Moorarchäologie wurde quasi im Landkreis Diepholz erfunden“, berichtet Dr. Marion Heumüller, Referentin für Moor- und Feuchtbodenarchäologie am Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege.

Die Moore seien wie große Archive, die für die Nachwelt das aufbewahren, was normalerweise längst verschwunden und zersetzt wäre. Dazu gehören nicht nur die Bohlenwege, von denen rund 30 aus unterschiedlichen Zeiten im Landkreis gefunden worden seien, sondern auch andere Holzgegenstände wie Geschirr oder Werkzeug, Kleidung aus Wolle und Reste der Vegetation wie Blätter oder Samen. „Eine Moorleiche hingegen wurde bisher nicht im Landkreis Diepholz gefunden“, sagt Heumüller.

Der Bohlenweg Pr VI (56 bis 43 vor Christus) ist mit mehr als vier Kilometern Länge eines der größten prähistorischen Holzbauwerke Deutschlands. 2011 fanden die letzten Untersuchungen statt. 

Doch dafür hat der besondere Boden am Dümmer See die Überreste einer Siedlung aufbewahrt. „Pfähle, auf denen die Gebäude errichtet wurden, Hausrat und Tierknochen, so dass wir wissen, was die Menschen gegessen haben“, zählt Heumüller auf. Etwa 20 Häuser sollen dort gestanden haben.

Für Archäologen ist das Moor ein großer Helfer bei ihrer Arbeit. Denn dadurch, dass es alle organischen Substanzen so perfekt konserviert hat, finden sie wichtige Puzzleteile, die das Bild vom Leben in der damaligen Zeit komplettieren. „Sie geben in einmaliger Weise Aufschluss über die Infrastruktur und das Siedlungsgeschehen einer Region, technische Innovationen, den Alltag der Menschen sowie ihre geistig-religiösen Vorstellungen. Mithilfe naturwissenschaftlicher Analysen lassen sich die Lebenswelten und Umweltbedingungen von der Steinzeit bis ins Mittelalter mit erstaunlicher Präzision rekonstruieren“, sagt Heumüller.

Wer mehr über Moorfunde rund um Wagenfeld erfahren möchte, kann am Sonnabend, 29. April, um 18 Uhr in den großen Vortragsraum der „Moorwelten“ in Ströhen kommen. Dort wird Marion Heumüller einen Vortrag zu dem Thema halten. Darin stellt sie die wichtigsten Funde aus der Region vor und zeigt, welch erstaunlich lebendige Einblicke die Moorfunde in das Leben der Menschen über Tausende von Jahren erlauben.

Unter anderem stellt sie darin die neuesten Ergebnisse über „Moora“ vor, dem Mädchen, dessen Körper teilweise zerstückelt im Uchter Moor gefunden wurde und das als eine der ältesten Moorleichen Niedersachsens gilt. Von denen gibt es etwa 60. Im Anschluss können die Zuhörer Fragen stellen.

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