Weiteres Geschäft schließt

Gegen immer mehr Leerstand: Diepholz als „Secondhand-City“?

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Ute und David Beavan schließen das Geschäft „Old and New“ an der Mühlenstraße und verabschieden sich mit einem Vorschlag für die Zukunft der Diepholzer Innenstadt.

Das Haushaltswarengeschäft „Stöbern bei Recker“ und die Markthalle Möller haben schon länger geschlossen. Derzeit läuft der Ausverkauf im Sporthaus Hadeler, das ebenfalls dicht macht.

Diepholz - Zum Jahresende gibt ein weiteres Geschäft in der Diepholzer Innenstadt auf: „Old and New“. Am „Grafensonntag“ (20. Oktober) beginnt Inhaberin Ute Beavan den Räumungsverkauf ihres Ladens für Geschenk- und Dekoartikel sowie Handtaschen und Kleinmöbel an der Mühlenstraße. Nach drei Jahren nutzt die Steinfelderin die Option, aus dem Mietvertrag herauszukommen.

„Ich bin schon traurig“, sagt Ute Beavan. Doch der Umsatz habe auf Dauer nicht ausgereicht.

Insbesondere seit Januar sei in der Innenstadt immer weniger los gewesen. Warum, kann sie sich nicht erklären. Die mehrwöchige Baustelle in der Nähe und vor der Tür habe die Situation noch verschlechtert.

„Use it or loose it!“

Für ihren aus England stammenden Ehemann David Beavan ist klar: „Use it or loose it!“ (Nutze es – oder verliere es). Er und seine Frau richten nun in ihrem Wohnort Steinfeld eine Verkaufsgalerie ein, in der unter anderem hochwertige Druckgrafiken angeboten werden. 2 500 Blatt von unterschiedlichen Künstlern habe er gesammelt: „Zwischen 250 und über 20 000 Euro wert.“ Nach Beavans Erfahrungen könne Kunst in Zeiten extrem niedriger Zinsen auch eine Kapitalanlage sein.

David Beavan, der auch als Musiker bekannt ist, verdient sein Geld sehr erfolgreich mit Kunst. Er gestaltet bundesweit Innenwände von öffentlichen und privaten Gebäuden künstlerisch, hat derzeit Aufträge in einer Gaststätte auf Sylt, in Hamburg und Düsseldorf zu bearbeiten. Finanziell wirft die Schließung von „Old and New“ das Ehepaar Beavan wohl nicht aus der Bahn. Ute Beavan bietet weiterhin ihre Farbberatung an, zieht sich aber nach fast 30 Jahren aus dem Einzelhandel zurück.

Die Beavans aus Steinfeld werden als Geschäftsleute Diepholz nicht im Groll verlassen – sondern äußerten gegenüber unserer Zeitung eine Idee, wie sich die Innenstadt für die Zukunft aufstellen könnte: Als „Secondhand-City“ mit einem überregionalen Alleinstellungsmerkmal.

Second-Hand-Idee als Alleinstellungsmerkmal

David Beavan erklärt das so: „Die Stadt mietet leer stehende Ladenlokale an und vermietet sie zunächst für wenig Geld – vielleicht pauschal 100 Euro im Monat – weiter. In den Läden sollen die Inhaber – Neugründer und erfahrene Händler – dann ausschließlich gebrauchte beziehungsweise antike Ware verkaufen: Kleidung, Bücher, Möbel, Schallplatten, Kunst und anderes.“ Die Stadt könne sich damit als Besonderheit vermarkten und Kunden würden auch von außerhalb kommen, wenn das Angebot groß genug ist. Davon könnten dann auch die klassischen Geschäfte profitieren.

Um diese Idee umzusetzen, müsse die Stadt aber einen City-Manager einstellen, der sich ausschließlich um die Innenstadt und den Einzelhandel kümmert, so Beavan.

Schon gelesen? Auch die Stadt Rotenburg steht vor der Frage, wie die Innenstadt in zehn oder 15 Jahren aussieht.

Diese Idee greift er nicht aus der Luft: In seiner britischen Heimat sei beispielsweise der kleine Ort Hungerford mit Secondhand-Läden erfolgreich.

In der Diepholzer Innenstadt zeichnet sich derweil ein weiterer Leerstand ab: Die Firma de Jong Sicherheit (Sicherheits-, Informations- und Netzwerktechnik) baut einen eigenen Firmensitz im Diepholzer Gewerbegebiet Kielweg. Nach Fertigstellung – geplant für März / April – wolle er aus seinen beiden jetzigen Ladenlokalen an der Langen Straße und am Rathausmarkt dorthin umziehen, sagte Inhaber Paul de Jong. Für sein Unternehmen sei Laufkundschaft und die Innenstadtlage nicht so wichtig.

Kommentar: Offen sein für neue Ideen

Von Eberhard Jansen.

Die Stadt Diepholz und ihre Einzelhandelssituation schlecht zu machen, bringt nichts. Klar: Es gibt unübersehbare Leerstände, aber diese sind in Städten mit der Größe von Diepholz (17 000 Einwohner) in Zeiten von Internethandel und verändertem Kundenverhalten fast die Regel. 

Insgesamt steht Diepholz noch relativ gut und mit attraktivem Angebot da. Doch die aktuelle Entwicklung mit Geschäftsschließungen zeigt: Diepholz wird nicht so weitermachen können wie bisher, muss sich offen zeigen für neue Ideen. Ob eine „Secondhand-City“ realisierbar ist, sei dahingestellt. Aber solche Gedankenspiele müssen erlaubt sein. 

Eine kreativ-konstruktive Diskussion über die Zukunft der Innenstadt ist wichtig. Dabei kann professionelle Hilfe nicht schaden. Derzeit übernimmt die Fördergemeinschaft Aufgaben wie die Organisation von Veranstaltungen ehrenamtlich. Ein Ende ist auch da absehbar: Der Vorstand will bekanntlich nächstes Jahr nicht erneut kandidieren.

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